Patrice

Album  Life’s Blood    Veröffentlichung  30. September 2016
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Patrice hat ein Grinsen im Gesicht. So eines, das von absolutem Selbstvertrauen, aber auch von echter Zufriedenheit rührt. Dazu noch dieses überfröhliche Blümchenhemd. Urlaubsoptik. Eigentlich komisch. Auf seinem neuen Album Life’s Blood prangert er nämlich ziemlich vehement die Missstände der Welt an. Auch im Interview mag er es aufzuzählen, was alles falsch läuft. So richtig scheint er nie abschalten zu können. Aber sein Vorteil, gegenüber dem ganzen pessimistischen Rest der Welt, ist: Er ist kreativ genug, um Auswege aus der Misere zu finden.

Du hattest gerade erst einen Videodreh zur neuen Single. Wie lief es?
Patrice: Es lief echt gut. Wir haben das Video im olympischen Dorf, in einem stillgelegten Schwimmbad gedreht. Die Idee kam von mir. Ich sag dir, dass sieht so krass aus!

Du hast auch wieder Regie geführt, richtig?
Ja, ich habe ganz gerne die Kontrolle über alles. Und ich bin nicht gerne abhängig von anderen. Außerdem war die Resonanz auf die Videos, die ich bisher gemacht habe, immer ziemlich gut. Aber an sich möchte ich gar nicht unbedingt Videoregisseur sein. Es ist nur so, dass ich oft gesehen habe, wie große Budgets verbrannt wurden und dabei gar nicht mal viel herumgekommen ist. Da mache ich das doch besser gleich selbst.

Wie lange dauert so ein Dreh?
Dieses Mal brauchten wir einen Tag. Für das letzte Video, „Burning Bridges“, hatten wir drei Tage zur Verfügung. Das war zwar etwas aufwendiger, aber mit einer Produktionsfirma hätte das bestimmt das Vierfache gekostet.

Von welchen Beträgen reden wir hier?
Nur mal so als Beispiel: Mein Video zu „Sunshine“ hat um die 200.000 Euro gekostet. Und dazu muss man wissen: Hätten MTV und Viva das Video abgelehnt, wäre der ganze Aufwand für die Katz gewesen. Es wurde so viel Geld da reingepumpt, weil man auf eine hohe Rotation hoffte. Zu der Zeit hatte man aber auch noch richtig fette Budgets für Musikvideos. Für mein „Clouds“-Video wurde damals sogar der komplette Stadtkern von Kapstadt abgesperrt. So was ist aber eigentlich gar nicht notwendig. Wer eine gute Idee hat, braucht kein großes Budget.

Was fängst du, neben den Videodrehs, noch mit deiner Zeit vor dem Albumrelease an?
Na ich arbeite immer weiter. Jetzt geht es gerade ans Bühnenkonzept. Und ich gebe Interviews. Die Fragen, dir mir dabei gestellt werden, helfen mir dabei mich wirklich bewusst mit meiner Musik auseinanderzusetzen. Vorher geschieht das Meiste aus einem Impuls heraus. Ich lasse gern die Lieder sich selbst schreiben. In Interviews muss ich mich dann erst mal selbst interpretieren. (lacht)

Dann erzähl mir mehr zu „What a Wonderful World“ – wieso musste der Song aufs Album?
Ich fand es cool das Lied in broken English zu realisieren. Und ich mochte es, dass er so etwas Ironisches an sich hat. Mit dem Stück will ich sagen: Auch wenn gerade alles ziemlich blöd für uns aussieht, ist es ein absolutes Wunder, dass wir überhaupt hier sind. Wenn man das bedenkt, ist erst mal alles gut. Nur wegen der paar Idioten auf der Welt sollten wir nicht unsere gesamte Existenz infrage stellen. Klar, die Welt, die wir uns erschaffen haben, ist nicht so geil. Ich wohne in Paris, Köln und New York – dort gibt es überall Extremisten, die Schreckliches tun. Dennoch sollten wir jetzt nicht einfach alle depressiv werden.

Was meinst du damit?
Viele meiner Freunde gucken gar keine Nachrichten mehr. Und ich mache das auch nicht mehr. Die Berichterstattung ist einfach zu schlecht. Normalerweise müssten die Medien ja neutral berichten. Aber sie verbreiten nur Angst. Das steht in keinem Verhältnis zur Wirklichkeit. Und sie inspirieren uns auch nicht etwas besser zu machen. Sie machen nur depressiv und lassen uns in dem Glauben, dass wir eh nichts ausrichten können. Das braucht doch kein Mensch! Ich will mich lieber mit Dingen umgeben, die mich positiv beeinflussen und ich hoffe, dass ich das Gleiche für andere tun kann. Generell muss die Mitte mehr für sich einstehen, genauso wie es die Rechten tun. Bisher war die Mitte viel zu schwammig unterwegs. Alles war so: leben und leben lassen.

Was schlägst du vor?
Wir müssen uns klar positionieren. Und nicht mehr nur denken: „Oh Gott, habe ich wirklich jedes Buch zu dem Thema gelesen, so dass ich mich jetzt äußern darf?“ Wir müssen aufhören Angst zu haben, das wir was Dummes sagen könnten. Es herrscht so ein großes Ungleichgewicht, da muss jetzt sofort etwas getan werden. Wir müssen aber erst unsere Grundlagen hinterfragen, bevor es zu einer gerechteren Welt kommen kann. Aber momentan ist einfach alles falsch.

Und was machst du gegen das Falsche?
Ich schaffe mit meiner Musik Inseln. Auf denen ist es schön. Alle tanzen da und jeder kommt mit jedem klar.

 

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Rubrik  Interview    Autor      Datum  03. Oktober 2016    Worte  756
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