Pan

Veröffentlichung  08. Oktober 2015    Regie  Joe Wright    Darsteller  Levi Miller  Hugh Jackman  Garrett Hedlund  Rooney Mara
Foto: Warner Bros. Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Warner Bros. Pictures Germany

Willkommen in Nimmerland

Wie begann eigentlich die Legende um Peter Pan – dem Jungen, der niemals erwachsen werden sollte? Anna Karenina-Regisseur Joe Wright bietet Aufschluss.

Der 12-jährige Peter (Levi Miller) ist etwas Besonderes. Zunächst glaubt ihn das nur keiner. Und in dem strengen Waisenhaus, in dem er in Zeiten des Zweiten Weltkrieges in London aufwächst, wird Besonderes auch nicht sehr geschätzt. Doch eines Nachts krempelt sich das Leben des kleinen Rebellen von einer Sekunde auf die andere komplett um. Denn Piraten reißen mit einem Mal die Waisenkinder aus ihren Betten, um sie auf einem fliegenden Schiff nach Nimmerland zu entführen. Während sich die Reise noch als kunterbunt und angenehm überraschungsreich gestaltet, warten in der neuen Heimat doch nur wieder Tristesse und harte Arbeit auf die Jungen. Schließlich will Nimmerland-Herrscher Blackbeard (Hugh Jackman) mit ihrer Hilfe an den raren Feenstaub gelangen, in der Hoffnung dadurch unsterblich zu werden. Aber Pustekuchen: Peter lässt sich nicht als einfacher Arbeiter unter Wert verkaufen und zeigt plötzlich allen, was in ihm steckt. Tatsächlich kann er nämlich fliegen. Ein Vorteil, der ihm bald auch die Freundschaft zu dem eigenbrötlerischen James Hook (Garrett Hedlund) ebenso wie zu der Kriegerin Tiger Lilly (Rooney Mara) einbringen soll. Gemeinsam stellen sie sich gegen den eiskalten Diktator des Landes. Ihr Ziel: Die Befreiung von Nimmerland.

Ein Prequel, das keinen Regeln folgen will

Der britische Regisseur Joe Wright stellte spätestens mit seiner Verfilmung von Leo Tolstoys schwermütigen Werk Anna Karenina im Jahr 2012 unter Beweis, dass er genau weiß wie man eine altbackene Geschichte aufpeppen sollte. Er ließ Kulissen schweben sowie stilistische und inszenatorische Opulenz die Oberhand gewinnen. Und es war ein Fest ihm dabei zuzusehen! Mit Pan wollte der fantasievolle 43-Jährige unbedingt an den vorherigen Erfolg anknüpfen. Für sein Prequel hat er sich zum Beispiel wirklich außergewöhnliche Musical-Momente überlegt. Sein Blackbeard (Hugh Jackman machte sich bereits dank Les Misérables einen Namen als meisterlicher Sänger) singt zusammen mit der Gefolgschaft erst „Smells Like Teens Spirit“ von Nirvana und dann auch noch „Blitzkrieg Bop“ von The Ramones. Ein genialer Schachzug, der das Publikum sogleich mitreißt und nur schwerlich noch ruhig in den Kinosesseln hält. Weitere kunstvolle Kniffe folgen, wenn der Filmemacher Sterbende zu quietschbunten Staub zerfallen und Supermodel Cara Delevigne (die mit Margos Spuren ihr schauspielerisches Talent verdeutlichte) als rettende Wassernixe auftauchen lässt.

Hinter jeder Ecke wartet ein Abenteuer

In Joe Wrights Dramen spielten in der Vergangenheit speziell knackige Dialoge, an denen man sich reiben konnte, eine wichtige Rolle (siehe Abbitte oder auch Stolz und Vorurteil). Dieses Mal ist es anders. Pan ist eine Abenteuerschlacht sondergleichen. Kino-Neuling Levi Miller lernt allerhand menschliche Abgründe und Obskuritäten kennen – und diese kann er vor allem deshalb aushalten, weil er hofft, so dem Geheimnis um den Verbleib seiner Mutter (Amanda Seyfried) auf die Spur zu kommen. Wright hätte gut daran getan sich mehr mit dem Seelenleben des Kindes zu beschäftigen, aber letztlich schiebt er ihm doch nur einige schmerzlich hohle One-Liner zu. Dadurch wirkt die Hauptfigur unausgegoren und nicht sehr authentisch – Gleiches gilt leider auch für James Hook und Tiger Lilly. Sie springen in den Schlachten wild umher, ohne dabei einem deutlich sichtbaren Zweck zu dienen. Joe Wright scheint sich ganz in den farbenfrohen Details von Nimmerland verloren zu haben (wobei das CGI dennoch nicht sehr gelungen ist) und darüber hinaus ganz die Charakterbildung seiner Protagonisten vergessen zu haben.

Pan fehlt die Magie, die den Erzählungen von James Matthew Barrie von Anfang des 19. Jahrhunderts inne wohnen. Das solide 3D-Erlebnis kann außerdem nicht über den Mangel an Figurentiefe und Spannung hinweghelfen. Und nicht zuletzt hätte man von einem Könner wie Joe Wright auch epochale Bilderwelten erwartet, die einen richtig umhauen. Aber von dem Zauber, den er mit Anna Karenina verbreiten konnte, ist hier – trotz kleiner genialer Einfälle – nicht mehr viel zu spüren.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  08. Oktober 2015    Worte  622
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