Noah

Veröffentlichung  28. August 2014    Regie  Darren Aronofsky    Darsteller  Russell Crowe  Jennifer Connelly  Logan Lerman
Foto: Paramount Pictures Germany
 IMDb-Wertung
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Menschliche Abgründe und göttliche Vorsehung

Eine Sintflut droht alles Leben auf der Erde auszulöschen. Laut biblischer Erzählung erhält Noah den Auftrag, eine Arche zu bauen, um damit sich und seine Familie sowie alle Tierarten zu retten. Regisseur Darren Aronofsky ist in der 7. Klasse, als er am 13. Januar 1982 ein Gedicht mit dem Titel “The Dove” über diese packende Geschichte schreibt:

Evil was in the world / The laughing crowd / Left the foolish man at his ark / Filled with animals / When the rain began to fall / It was hopeless / The man could not take the evil crowd with him / But he was allowed to bring his good family. / The rain continued through the night / And the cries of screaming men filled the air / The ark was afloat / Until the dove returned with the leaf / Evil still existed.

When the rainbows reached throughout the sky / The humble man and his family knew what it meant / The animals ran and flew freely with their newborn / The fog rose and the sun shone / Peace was in the air / And it soon appeared in all of man’s heart.

He knew evil would not be kept away / For evil and war could not be destroyed / But neither was it possible to destroy peace / Evil is hard to end and peace is hard to begin / But the rainbow and the dove will always live / Within every man’s heart.

Diese Worte wurden 30 Jahre später zur Vorlage des Hollywood-Blockbusters Noah mit Russell Crowe (Gladiator) in der titelgebenden Hauptrolle. Noah leidet unter Visionen von einer apokalyptischen Sintflut, die alles Leben auf der Erde auszulöschen droht. Er wurde auserwählt eine Arche zu bauen und zwei Exemplare jeder Spezies zu retten – Menschen ausgenommen. Die Tragweite und Rücksichtslosigkeit dieser Entscheidung wird Noahs Familie erst bewusst, als auch ihr Untergang fest zu stehen scheint. Denn übrig bleiben bei Gelingen nur er, seine Frau Naameh (Jennifer Connelly, A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn), seine Söhne Shem (Douglas Booth, Worried About the Boy), Ham (Logan Lerman, Vielleicht lieber morgen) und Japhet (Leo McHugh Carroll), sowie die Adoptivtochter Ila (Emma Watson, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes), die nicht im Stande ist Nachkommen zur Welt zu bringen.

Die Erde muss von den Menschen befreit werden

Noah hat einen Entschluss gefasst: es ist den Menschen nicht länger gestattet auf der Erde zu verweilen. Unter diesem Vorwand verteidigt er die Arche sowohl gegen unerwünschte Eindringliche von außen, wie auch gegen seine eigene Familie von innen, die beginnt in ihm einen unbarmherzigen Vollstrecker zu sehen. Er opfert sich und alle anderen, für das größere Ziel: er will das Reine und Unschuldige bewahren, sowie die Natur vor dem verderblichen Einwirken der Menschen schützen. Doch um welchen Preis?

Darren Aronofsky unterscheidet sich mit dem Filmepos Noah maßgeblich von der christlichen Vorlage und liefert dem Zuschauer eine besonders düstere und menschenverachtende Geschichte. Seiner Vision aus Kindheitstagen bleibt er damit jedoch treu. Die schlechten Menschen machen Platz für einen Regenbogen und Friedenstauben. Aronofsky fokussiert sich auf Werte wie Mut, Opferbereitschaft und Hoffnung. Und präsentiert nicht zuletzt den Bau einer Arche, die als Mikrokosmos tatsächlich funktionieren könnte. Mitsamt Aufenthaltsbereichen für Mensch und Tier, Gärten und Arbeitsstellen. Auf diese Weise zeigt sich Noah als interessantes (Gedanken-)Projekt, dem aber an den entscheidenden Stellen die Puste hinsichtlich technischer Belange ausgeht. Grobschlächtig animierte Schlangen, übersättigte Farben in den Erzählungen vergangener Tage und zuguterletzt auch skurril anmutende gefallene Engel stören den Gesamteindruck von Aronofskys Drama und hinterlassen – trotz all der Passion – einen schlechten Nachgeschmack.