No Turning Back

Veröffentlichung  23. Oktober 2014    Regie  Steven Knight    Darsteller  Tom Hardy  Ruth Wilson  Olivia Colman
Foto: StudioCanal
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Foto: StudioCanal

Als wir auf Ivan Locke (Tom Hardy, Inception) treffen, befindet er sich in einem Auto. Es ist dunkel, sein Blick ist konzentriert und ernst auf die Straße vor ihm gerichtet. Die Umgebung bleibt verschwommen.

Im Verlauf der nächsten 85 Minuten lernen wir den Vater, Ehemann und Leiter einer Großbaustelle besser kennen. Ebenso wie sein Vorhaben. In dieser Nacht stellt er sich seinem Schicksal und verändert damit sein gesamtes Leben. So hören wir seine Frau (Stimme: Ruth Wilson, Lone Ranger) am Telefon weinen, den Chef (Stimme: Ben Daniels, House of Cards) fluchen, eine andere Frau (Stimme: Olivia Colman, Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte) wehleidig brüllen und seine Söhne (Stimmen: Tom Holland, The Impossible, Bill Milner, X-Men: Erste Entscheidung) flehen, dass er nach Hause kommen solle zum Fußball gucken. Doch Ivan Locke muss zunächst seine Außenwirkung zerstören, um das Selbstbild von sich neu aufbauen zu können.

No Turning Back funktioniert allein über das Gesicht von Tom Hardy. Seine Präsenz lässt den Betrachter am Ball bleiben. Die dialogische Emotionalität und Stärke verbindet er mit seinem ganz eigenen Charisma.

Tom gehört zu den Menschen, die auf der Leinwand sofort alle Augen auf sich ziehen. Als Zuschauer würde man alles geben, in seinen Kopf hinein sehen zu können. Was er brillant beherrscht, sind die Komplexitäten einer Reaktion und eines Gefühls. Er hält sich zurück, wenn es angebracht ist, und lässt in anderen Fällen alles raus. Zwischen diesen beiden Gegebenheiten weiß er untrüglich zu unterscheiden. (Steven Knight)

Regisseur und Drehbuchautor Steven Knight (Redemption – Stunde der Vergeltung) wählte den vielseitigen Hardy, um gemeinsam mit ihm den Versuch zu wagen eine Geschichte der Realisation des eigenen Scheiterns sowie dem Wunsch nach einem Neuanfang in der reduziertesten Form zu erzählen. Der mutige Plan geht auf und No Turning Back unterhält auf ganzer Linie. Selbst wenn Ivan Locke über die Freisprechanlage seines Autos mit einem Kollegen sowie dem Vorgesetzten über Beton und Bauanweisungen spricht, bleibt es spannend. Denn die Dialoge gestalten sich stets als pointiert, spitz und humorig zugleich, ohne den Ernst der Lage des Protagonisten aus dem Auge zu verlieren. Generell wird nicht mit unnötigen Details an dem Fokus gerüttelt, sondern vielmehr an den großen Themen des Lebens festgehalten. Wie schafft man es das Richtige zu tun? Wie handelt man gerecht? Wird man durch eine falsche Handlung zum schlechten Menschen? In nur zwei Wochen wurde dieses, einer Achterbahn gleichkommende, Drama gedreht. Trotz dessen sitzen eine jede Einstellung, ein jedes Wort sowie das hypnotisierende Scheinwerferlicht vorbeifahrender Autos perfekt. Steven Knight schenkt dem Betrachter mit seinem neuesten Werk eine Tragödie mit großer Reichweite auf minimalen Raum, die aber keinesfalls seine Wirkung verfehlen wird.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  30. Oktober 2014    Worte  429
Permalink  http://www.farbensportlich.de/no-turning-back/    Farbe  #ba8d1e
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