Nightcrawler

Veröffentlichung  26. März 2015    Regie  Dan Gilroy    Darsteller  Jake Gyllenhaal  Rene Russo  Riz Ahmed
Foto: Concorde Home Entertainment
 IMDb-Wertung
Foto: Concorde Home Entertainment

Jede Nacht hat ihren Preis

Eigentlich ist Dan Gilroy als Drehbuchautor für Filme wie The Fall, Das Bourne Vermächtnis und Real Steel bekannt. Oder auch als Sänger der Band Breakfast Club, die in den 80er und 90er Jahren aktiv war. Doch jetzt möchte sich der 56-Jährige als Regisseur einen Namen machen. Also wechselt er kurzerhand hinter die Kamera und arrangiert mit Nightcrawler einen psychotischen Thriller, bei dem man denken könnte, er wäre von Martin Scorsese höchstpersönlich als gedanklicher Taxi Driver-Nachfolger inszeniert worden.

Gilroys Protagonist ist Lou Bloom (Jake Gyllenhaal, End of Watch), ein vollkommen gefühlskalter Psychopath. Dieser ist im ähnlich emotional verkommenen Los Angeles auf der Suche nach einem Job. Einen, wie er immer wieder betont, in den er hineinwachsen kann. Und wie es der Zufall so will, beobachtet Bloom eines Nachts wie ein Fernseh-Team einen Autounfall mit blutigem Ausgang filmt. Als er am nächsten Tag das Videomaterial prominent in den TV-Nachrichten sieht, ist er absolut fasziniert. Er beschließt von nun an selbst, mit einer Handkamera bewaffnet, in der Dunkelheit der Stadt auf die Suche nach Unfällen und Gewaltszenarien zu gehen.

Lou Bloom erweist sich als talentierter wie lernfähiger Filmer. Er schreckt einfach vor nichts zurück. Und so kann er sein Material schnell an einen Sender verkaufen und seinen Preis immer weiter in die Höhe treiben. Die Newsproduzentin Nina Romina (Rene Russo, Thor) hat er aufgrund seines eiskalten Verhandlungstalents schon bald komplett in seiner Kontrolle – und das gilt mit der Zeit auch für die Nachrichten. Diese legt er sich nämlich bald so zurecht, wie er sie gerade haben möchte.

Ebenso wie in Taxi Driver oder auch Michael Manns Collateral kann man sich kaum dem Charisma des ambivalenten Hauptcharakter verwehren. Dabei liegt der Grund nahe: die von Dan Gilroy so satirisch gezeichnete Gesellschaft entspricht ziemlich genau dem Bild, welches man von Hollywood sowie auch der aktuellen Medienlandschaft hat. Höher, schneller, weiter erscheinen wichtiger als moralische und ethische Werte. Nächstenliebe existiert nicht. Geltungssucht dagegen überall.

Jake Gyllenhaal ist dabei genau der Richtige für solch eine durch und durch irre Persona. Um dem in jeder Hinsicht hungrigen Charakter Lou Blooms mehr zu entsprechen, machte der 34-Jährige eine Crash-Diät. So sieht er in Nightcrawler tatsächlich zum Fürchten aus – speziell wenn er seinem blassen Spiegelbild im Wahn entgegenbrüllt. Die Geschichte und ihr Weitergang bleiben, durch Gyllenhaals beispiellose Performance und die von Gilroy eingebauten klugen Wendungen, stets undurchsichtig – und machen das Spielfilmdebüt zu einem weitaus vielschichtigeren Stück Filmgeschichte als die Betitelung “Psycho-Thriller” zunächst vermuten lässt.

 

Video

 

Empfehlen

Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  24. März 2015    Worte  408
Permalink  http://www.farbensportlich.de/nightcrawler/    Farbe  #2b201f
Farbensportlich.de ist das Magazin-Portfolio von Hella Wittenberg und David Streit. Seit 2006 präsentieren wir hier unsere Fotografie, stellen die neuesten Filme in Kino und Heimkino vor, führen Interviews mit Künstlern und mehr. Folge uns auf Facebook, Instagram oder auf Twitter, um keine Einträge mehr zu verpassen. Abonniere uns auch auf Tumblr und Pinterest für deine tägliche Inspirationsdosis. Bleib farbensportlich — Hella & David