Morris aus Amerika

Veröffentlichung  19. Mai 2017    Regie  Chad Hartigan    Darsteller  Markees Christmas  Craig Robinson  Carla Juri  Lina Keller
Foto: farbfilm verleih
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Die Suche nach seinem Platz in der Welt

Was passiert, wenn man an einem Ort aufwächst, an dem niemand ist wie man selbst? Morris aus Amerika erzählt eine Geschichte über Zugehörigkeit und die Folgen des Culture-Clashs.

Aufwachsen in Heidelberg? Das hat sich Morris (Markees Christmas) anders vorgestellt. Als gebürtiger New Yorker mag er Gangster Rap und American Football. In Deutschland gibt es allerdings nur Fußball und komische Techno-Partys. Der 13-Jährige nutzt die Schulferien, um sich mit seiner neuen Heimat auseinanderzusetzen. Mit der Hilfe von Freundin Katrin (Lina Keller) und seiner Sprachlehrerin Inka (Carla Juri) wagt er den Sprung ins Leben. Auf den verpatzten Nachwuchswettbewerb im Jugendzentrum folgt sogar ein kurzer Rap-Auftritt in einem echten Club! Das Nachsehen hat lediglich sein Vater Curtis (Craig Roberts), der die Abende nun wieder allein zuhause verbringt. Nach dem Tod seiner Frau hat er Morris zu sich nach Deutschland geholt, um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen. Und diesen Plan setzt Morris nun auf seine Art um.

Eigene Erfahrungen machen

Integration fängt mit Sprache an. Worte, Artikel und Konjugationen lernt Morris bei einer schönen Tasse heißer Schokolade mit einem Marshmallow drin. Seine Deutschlehrerin macht es ihm so einfach wie möglich etwas aus dem Unterricht mitzunehmen. Nachdem Morris auf eine Party eingeladen wurde, geht es etwa darum sich auf Deutsch zu bedanken. Was man eben so an Fachwissen braucht, um im Freundeskreis zu bestehen. An dieser Herangehensweise sieht man, dass Integration nicht eindimensional betrachtet werden kann. Fremde Kulturen lernt man am besten kennen, wenn man sich direkt unter die Leute mischt – egal ob im Nachtleben oder etwa beim Sport. Als Morris über seinen Schatten springt und nicht mehr nur Sachen alleine für sich macht, steht ihm plötzlich die ganze Welt offen. Problematisch wird es für ihn nur, wenn er plötzlich 100 Kilometer von zuhause strandet und von seinem mürrischen Vater abgeholt werden muss.

Rappe nur über Dinge, die du kennst

Wenn der kleine Morris über Bitches, Sex und Drogen rappt, kann man schon mal ins Grübeln kommen. Weiß er überhaupt, wovon er da spricht? Auf seiner Suche nach einer eigenen Stimme eckt er mit diesen Inhalten schließlich überall an. Sein Vater rät ihm mehr Sachen in seinen Texten zu verarbeiten, die er echt erlebt hat. Aus diesem Sinneswandel schöpft das Drama die Anstöße für Morris’ Entwicklung. Der schüchterne Junge reift im Umgang mit seinen Mitmenschen zu einem reflektierten Jugendlichen. Zu jemanden, der nicht jedem gefallen will, aber doch viel auf die Meinung der Menschen um ihn herum gibt. Dieser Prozess ist vielschichtig, motivierend und völlig altersunabhängig erzählt. Nach dem Schauen bleibt vor allem hängen, dass jeder Mensch die Welt auf seine ganz eigene, spezielle Weise sieht. Und dass genau dieser individuelle Blickwinkel ein großes künstlerisches Potential bietet.

Als amerikanischer Teenager in Europa hat man es nicht leicht. Aber auf Mobbing folgen Freundschaften, spannende neue Erkenntnisse und womöglich sogar die erste Liebe – und schon erstrahlt der Alltag in einem anderen Licht. Morris aus Amerika ist nicht ganz klischeebefreit, aber kurzweilig anzusehen.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  15. Mai 2017    Worte  489
Permalink  http://www.farbensportlich.de/morris-aus-amerika/    Farbe  #a32562
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