Moonlight

Veröffentlichung  25. August 2017    Regie  Barry Jenkins    Darsteller  Ashton Sanders  Mahershala Ali  Naomie Harris
Foto: A24 / DCM
 IMDb-Wertung
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Ein Drama in drei Akten über das Erwachsenwerden

Es ist gar nicht mal so leicht seinen Platz im Leben zu finden und diesen dann auch zu behaupten. Moonlight zeigt einfühlsam diesen Kampf – und gewinnt den diesjährigen Oscar als Bester Film dafür.

Chiron (Alex Hibbert) wird einfach ständig gemobbt. Als er zehn Jahre alt ist, nennen ihn alle nur „Little“ und drohen ihm Prügel an, bis er sich schließlich in einem verwaisten Haus verschanzt. Auch als Teenager (dann gespielt von Ashton Sanders) hat er es nicht leicht. Neben dem ständigen Gehänsel der Gleichaltrigen, muss er auch noch mit seiner drogensüchtigen Mutter (Naomie Harris) klarkommen. Allein durch die Freundschaft zu dem mysteriösen Juan (Mahershala Ali) und dessen Freundin Teresa (Janelle Monáe) hat er Momente, in denen er sich geborgen fühlen kann. Erst als Erwachsener (gespielt von Trevante Rhodes) lernt Chiron sich selbst vor anderen zu behaupten. Von nun an nennt er sich „Black“, dealt und hat den Respekt der anderen. Trotzdem lebt er immer noch abgeschottet von allen anderen.

Vom Großwerden in Miami

Schüchternheit, Mobbing, familiäre und schulische Probleme: Auf den ersten Blick könnte Moonlight auch ein absolut typischer Coming-of-Age-Streifen sein. Aber Regisseur Barry Jenkins und Autor Tarell Alvin McCraney haben so viel Besonderes mit hineingegeben, dass an diesem fast zweitstündigen Film nichts Durchschnittliches ist. Es ist ein Kunstwerk. Immer wieder sehen wir, wie sich Chiron die über die Jahre beständig krasser werdenden Wutausbrüche seiner Mutter ansehen muss. Ihre Worte sind verletzend und gemein. Doch die Inszenierung dieser Momente steht im großen Kontrast dazu. Wir sehen Blau- und Lilafarbverläufe, die die Wohnung von Chiron und seiner Mutter durchfluten, oder auch einfach mal eine Szenerie, die in wundervoll weich-warmes Licht getunkt ist. Dabei redet unser Protagonist generell nicht viel. Oft wird der klassischen Musik das Zepter überlassen. Dazu gibt es viele Zeitlupen, die das gesamte Drama noch epochaler erscheinen lassen.

Das ist ganz klares Oscar-Material

Auch wenn Chiron stets ein passiver Charakter bleibt, ist sein Auftritt immer sehr stark. Und wenn er denn mal einen Satz von sich gibt, verändert dieser die Situation maßgeblich. So ist es schade, dass keiner der drei Schauspieler, die Chiron in den verschiedenen Phasen in seinem Leben spielen, nicht für einen einzigen Oscar nominiert waren. Aber dass es Moonlight zum Besten Film bei den Oscars gebracht hat, ist überhaupt kein Wunder. Selten hat es ein Drama geschafft, so einfühlsam und gleichzeitig direkt und intensiv von dem Entdecken der eigenen Homosexualität zu erzählen. Chiron sagt nie laut, was er für irgendwen empfindet. Auch seine Körperhaltung wirkt meist abwehrend und distanziert. Aber es gibt die Augenblicke, in denen in seinem Gesichtsausdruck komplett die Sehnsucht nach Berührung und Zuneigung abzulesen ist. Solch intime Momente, bei denen aber auch visuell aus den Vollen geschöpft wird, hat man nur selten auf der großen Leinwand gesehen.

Moonlight ist wahrlich einer der Filme des Jahres. Es wird so behutsam und gleichzeitig stilistisch wunderschön das Heranwachsen eines zurückhaltenden Jungen zu einem starken Mann gezeigt, dass man nicht anders kann, als die ganze Zeit extrem mitzufiebern.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  25. August 2017    Worte  493
Permalink  http://www.farbensportlich.de/moonlight/    Farbe  #3c8164
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