Monsters

 
Heimkino 26. Mai 2011
 
Monsters
 

Endzeitstimmung im infizierten Teil Mexikos

Vor sechs Jahren entdeckte die NASA Spuren von außerirdischem Leben in unserem Sonnensystem. Bei dem Versuch Proben sicherzustellen, wurde die Raumsonde während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre zerstört: die brisante Fracht verteilte sich über ganz Zentralamerika. Inzwischen ist die obere Hälfte Mexikos bis zur schwerbewachten amerikanischen Grenze zum infizierten Sperrgebiet erklärt, da sich dort wenig später amphibienartige Riesenkraken breit gemacht haben. Das Militär versucht die Ausbreitung der Kreaturen über diesen Bereich hinaus mit Waffengewalt und gelegentlichen Luftangriffen einzuschränken. So gleicht die sumpfige Landschaft Mexikos einem einzigen Trümmerhaufen. Die Geschichte von Monsters beginnt, als der Fotograf Andrew (Scoot McNairy) eher unfreiwillig einwilligt Samantha (Whitney Able), die Tochter seines Chefs, in die USA zu geleiten, da die amerikanische Grenze in drei Tagen endgültig dicht gemacht werden soll. Durch einen ungünstigen Zufall verpassen sie jedoch ihre sichere Rückfahrt. Somit bleibt ihnen nichts weiter übrig als den direkten Weg durch die infizierte Zone zu wagen.

Ein subtiler Indie-Monsterfilm – kann das gut gehen? Ja. Monsters überrascht durch seine unaufdringlichen Effekte, die Authentizität der mitwirkenden Passanten, die zum Zeitpunkt des Drehs zufällig vor Ort waren und in die Szenen mit eingebunden wurden, seine unkonventionelle Wir-drehen-was-uns-vor-die-Linse-kommt-Mentalität. All diese Faktoren fügen sich zu einem postapokalyptischen Szenario zusammen, das eine beklemmende Stimmung erzeugt. Ein feinfühliges Finale rundet den tollen Film zudem ab. Entgegen dem was man von Filmen wie District 9 kennt, der die Aliens als Rasse sehr direkt portraitiert hat, entzückt Monsters durch den zurückhaltenden Einsatz von Monstern. Das wird nicht jeder mögen, da Titel und Trailer etwas anderes nahe legen. Dennoch weiß Regisseur Gareth Edwards sein schmales Produktionsbudget gekonnt in Szene zu setzen. So werden Erinnerungen an beispielsweise Cloverfield wach, dem auch eine originelle dokumentarische Erzählweise ausreichte, um durch wenige Einstellungen mit der Riesenkreatur eine für den Film so tragende Betroffenheit zu kreieren.

Nur mit einer groben Vorstellung davon, was am Ende rauskommen sollte, machten sich Darsteller und Team an den Dreh. Ohne festgelegten Szenenablauf und immer auf der Suche nach den richtigen Locations spielte der Zufall eine zentrale Rolle. Beim improvisierten Spielen entwickelten die beiden Protagonisten eine innige Vertrautheit, die dem Film seine tiefe Substanz verleiht. Dadurch kommt der dezente Eindruck eines Road-Movies auf, das kein bloßer Abklatsch altbekannter Alienformate sein will, sondern mitunter als eine zwischenmenschliche Feldstudie funktioniert. Wir sagen JA zur DVD und freuen uns über einen nachhaltig tollen Indie-Film.

Aufgrund des unerwarteten Erfolgs und der behutsamen Umgehensweise mit der Thematik hat sich Regisseur Edwards für die nächste Neuauflage von Godzilla empfohlen. Die Frage nach der Notwendigkeit dieses Unternehmens stelle ich an dieser Stelle einmal nicht. Dafür bin ich gespannt, ob er es schafft die unaufdringliche Eindringlichkeit einer Low-Budget-Produktion wie Monsters mit in eine millionenschwere Großproduktion zu retten. Wenn es ihm gelingt den Monsters-Charme beizubehalten, freue ich mich auf mehr!

 
442 Wörter von David, 359 Tage alt