Mit Siebzehn

Veröffentlichung  16. März 2017    Regie  André Téchiné    Darsteller  Sandrine Kiberlain  Kacey Mottet Klein  Corentin Fila
Foto: Kool Filmdistribution
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Foto: Kool Filmdistribution

Du kannst dir nun mal nicht aussuchen, wen du liebst

In den Teenagerjahren ist das so eine Sache: Ist man gerade wirklich sauwütend auf den anderen oder doch auf sich selbst, weil man eigentlich nicht mal weiß, wie man die eigenen Gefühle deuten soll?

In den französischen Pyrenäen lebt Thomas (Corentin Fil) mit seiner Mutter auf einem abgelegenen Berghof. Er muss täglich mehrere Stunden damit verbringen zur Schule und wieder zurück zu laufen. Aber als seine Mutter ins Krankenhaus muss, bietet die Landärztin Marianne (Sandrine Kiberlain) kurzerhand Thomas an, bei ihr in der Stadt zu wohnen. Der Haken: Mariannes Sohn Damien (Kacey Mottet Klein) und Thomas gehen schon in der Schule bei der kleinsten Sache aufeinander los. Marianne ahnt jedoch nicht, dass sich die beiden Jungs nicht ausstehen können. Und nun ist es entschieden, dass sie sich vorerst ein Dach über dem Kopf teilen. Die Auseinandersetzungen zwischen Thomas und Damien spitzen sich dadurch nur noch weiter zu. Als Marianne von den Prügeleien Wind bekommt, weiß aber keiner der zwei zu sagen, woher die seltsame Feindschaft eigentlich rührt.

Von der Liebe und Selbstliebe

Mit seinen 74 Jahren beweist Regisseur André Téchinés wieder einem Mal, dass er was von der Jugend versteht. Nach Rendez-Vous (1985) und Wilde Herzen (1994) wandte er sich in den letzten Jahren eher einem älteren Kinopublikum zu. Aber damit sollte jetzt Schluss sein! Im vergangenen Jahr feierte Mit Siebzehn auf der Berlinale Premiere und eroberte sogleich die Herzen der Zuschauer. Das einfühlsame Generationenportrait zeigt, wie zwei Jugendliche mit ihren zunächst ziemlich verwirrenden Gefühlen lernen müssen umzugehen. Und es macht klar, dass es nicht so leicht ist, die eigene sexuelle Orientierung zu akzeptieren – dass das aber ein wichtiger Schritt zur Selbstliebe ist. Diese filmische Auseinandersetzung geschieht zum Glück komplett ohne Klischees. Regisseur Téchinés nutzt vor allem die Natur und viele Totalen, um stets alle Beteiligten im Blick zu behalten und so die Entwicklungen behutsam darzustellen. Eine Szene, in der sich Damien und Thomas mitten in der Wildnis prügeln, wird so gar zu einer Explosion der Emotionen. Und ein anderes Mal wirkt Thomas auf seinem Schulweg durch schneeige Landschaften sinnbildlich wie der Außenseiter, der er auch in der Schule ist. Die Bilder sagen in diesem Drama nun mal oft mehr als tausend Worte!

Faszinierende Irritation

Wir alle wissen: Aufwachsen ist kein Zuckerschlecken. Und ein widersprüchliches Innenleben gehört mindestens genauso dazu, wie der Wunsch nach einer starken Außenwirkung. Mit Siebzehn zeigt nun, dass man manche Dinge einfach nicht so steuern kann, wie man das gerne hätte. Und zu diesen gewissen Dingen gehören manchmal auch das Verlangen nach einer bestimmten Körperlichkeit, Wärme und Zuwendung oder auch das heimliche Drängen danach Grenzen zu überschreiten. Sowohl der Schauspieler Corentin Fil, als auch Kacey Mottet Klein spielen ihren Rollen so mühelos, dass es große Freude macht die Entwicklungen ihrer Rollen mitzuerleben. Insbesondere, wenn man erkennt, dass ihre Charaktere oft nur aufeinander reagieren, ohne bewusst darüber nachzudenken, was sich da gerade zwischen ihnen abspielt. Ihre Gefühle, die sie eigentlich für einander hegen, bleiben lange Zeit unausgesprochen – und kommen doch dank der schauspielerischen und inszenatorischen Leistung beim Zuschauer an. Das ist beeindruckend und intensiv zugleich.

Mit Siebzehn ist ein Film über den Moment, wenn man plötzlich nicht mehr klar denken kann. Die Auseinandersetzungen zwischen Thomas und Damien sind zunächst rau, aber entfachen auch eine eigenwillige Anziehungskraft. Ein Drama, das man sich auf jeden Fall aufgrund seiner leisen Finessen öfter angucken und immer wieder etwas Neues entdecken kann.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  17. März 2017    Worte  565
Permalink  http://www.farbensportlich.de/mit-siebzehn/    Farbe  #7d99a5
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