Mein Stück vom Kuchen

Veröffentlichung  15. September 2011    Regie  Cédric Klapisch    Darsteller  Karin Viard  Gilles Lellouche  Audrey Lamy
Foto: StudioCanal Deutschland
 IMDb-Wertung
Foto: StudioCanal Deutschland

Der französische Regisseur Cédric Klapisch veröffentlicht mit Mein Stück vom Kuchen nach seinen Erfolgsfilmen So ist Paris und L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr einen weiteren humorvollen wie gesellschaftskritischen Kinohit. Für Klapisch stellt es ein besonderes Interesse dar Individuen und ihr Verhalten in einer Gruppe zu beleuchten. Dieses Mal nimmt er sich die frisch arbeitslos gewordene France (Karin Viard), um sie in das Großstadtleben von Paris zu werfen. Denn nachdem die dreifache Mutter eine von 1200 Fabrikarbeitern ist, die ihren Job in der Industriestadt Dünkirchen verliert, wird ihr mit einem Mal der Boden unter den Füßen weggezogen. Erst durch die Hilfe von Bekannten kann sie sich wieder etwas fangen und kämpft nun verbissen gegen ihr Schicksal an, in dem sie eine Blitzausbildung zur Reinigungskraft vollzieht und schließlich bei dem Börsenhai Steve (Gilles Lellouche) anfängt. Als die resolute France auch schon bald den zeitaufwendigen Job als Kindermädchen für Sohn Alban (Lunis Sakji) übernimmt, lernt Steve es auch mal von seiner Arbeit aufzuschauen und France mehr zu schätzen. Doch erst als der taffe Geschäftsmann aufgrund seiner Arbeit nach London reisen muss und France bittet ihn zu begleiten, ändert sich die Beziehung um hundertachtzig Grad.

Aber gut aufgepasst! Klapisch ist für seine scheinbar berechenbaren Filme bekannt, die jedoch ganz plötzlich die herkömmlichen Formeln durcheinander bringen, um den Zuschauer teils vor den Kopf zu stoßen, aber in jedem Fall zu überraschen. Denn in dem einem Moment lacht man noch über den falschen Akzent von France während sie Hemden bügelt, um sich im nächsten Augenblick selbst zu unterbrechen, da eine bedrückende Szene folgt, in welcher der egoistische Steve das äußerst junge Model Tessa (Marine Vacth) fast schon gewaltvoll zum Sex überredet. Hier wird nichts verblümt dargestellt und gleichzeitig auch vor keinem guten Lacher halt gemacht. So weiß Klapisch ein kompliziertes Thema wie die gegenwärtige Beklommenheit auf dem Arbeitsmarkt nach der 2008er Krise für ein großes Publikum unterhaltsam aufzubereiten, ohne dabei in Albernheit abzudriften. Vielmehr erschuf er mit der Sympathieträgerin France, die um alles in der Welt für sich und ihre Kinder zu kämpfen gelernt hat, eine „Anti-Pretty Woman“. Sie ist eine gestandene Frau, die sich nicht als Opfer abstempeln lässt, sondern immer weiter und höher will. Diese Furchtlosigkeit befördert sie trotz des wenigen Geldes zum Überflieger und reißt somit auch den Betrachter des Films jede Minute auf’s Neue mit.