Max Jury

Album  Max Jury    Veröffentlichung  03. Juni 2016
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Auf dem Papier ist Max Jury 23, aber wenn er singt, hört man seine alte Seele. Das von Bob Dylan beeinflusste Debüt benannte er nach sich. Der Singer-Songwriter verdeutlicht: Das ist erst der Anfang!

Wir treffen Max Jury an einem dieser ersten richtig warmen Tage des Jahres. Der Musiker aus Des Moines, der schon mit Lana Del Rey auf Tour war, behält trotz der kitzelnden Sonne seine innen gut gefütterte Cordjacke an. Damit wirkt er aber auch ziemlich lässig. Wenn er spricht umso mehr. Grund genug, den Versuch zu wagen ihn auch mal aus der Reserve zu locken. Anstatt des normalen Frage-Antwort-Prozedere lassen wir ihn also nach und nach Fragen auf kleinen Zetteln aus einer Box ziehen, die sich andere Künstler in ihren Songs gestellt haben. Unter den Fragestellungen sind wirklich harte Brocken, die nicht einmal ein Über-Star wie Bob Dylan leichtfertig beantwortet hätte. Doch Pustekuchen: Max Jury bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Selbst wenn er über Aliens spricht, ergibt das irgendwie Sinn.

Why are we all here? (Imogen Heap)
Ich frage mich das selbst ständig. Gerade erst vor fünf Minuten wieder. (lacht) Ich denke so oft daran, dass Musik für mich der einzige Weg geworden ist mal kurz nicht darüber nachzudenken. Also werde ich einfach weiter Songs aufnehmen und touren, um nicht über das große Ganze grübeln zu müssen. So kann ich es im Bestfall unter den Teppich kehren bis ich 90 Jahre alt bin und dann auf ein Leben zurückblicke, in dem ich mich hoffentlich als ein guter Mensch entpuppt habe. Aber weißt du, ich wüsste wirklich gerne, warum wir alle hier sind, auch wenn es wenn es wahrscheinlich viel mehr Spaß macht durch das Leben zu gehen und davon keinen blassen Schimmer zu haben. Ich glaube, ich werde einfach weiterhin versuchen ein guter Mensch zu sein, in dem ich auch mal selbstlos handele. Das ist als Songschreiber gar nicht mal so leicht, weil man sich bei dieser Profession konstant um die eigene Achse dreht. Man erzählt in den Liedern viel über sich und über die Leute um einen herum. Und dann hofft man, dass es Zuhörer gibt, die einen mögen. Trotzdem will ich von dieser Ego-Nummer auch hin und wieder Abstand haben.

What are you doing the rest of your life? (Dusty Springfield)
Seit drei Jahren widme ich mich nun schon rund um die Uhr und ganz hauptberuflich meiner Musik. Ich hoffe natürlich, dass ich genau das auch noch in zehn Jahren mache. Ich möchte dann auf eine Diskografie zurückschauen können, auf die ich stolz bin. Das Touren sollte mir auch immer noch Freude bereiten. Auch wenn es sicher eine Zeit gibt, in der ich mal weniger unterwegs sein möchte. Denn ich fände es wirklich schön, wenn ich mal eine Familie haben würde. Ein paar Kinder, die um mich herumrennen, würden mich glücklich machen.

What’s your secret? (Nada Surf)
Uh… diese Frage könnte wirklich in jede Richtung gehen… (lacht) Aber ich beantworte sie mal in Hinblick auf meine Musik. Da ist es so, dass ich wirklich schwer schufte. Ich weiß zwar, Perfektion gibt es nicht, aber dennoch versuche ich sie zu erreichen. Also feile ich so gut es geht an meinen Aufnahmetechniken und an meinem Live-Set. Klar, andere Musiker könnten zehnmal so hart wie ich arbeiten und ich wüsste es nicht. Aber irgendwas muss da sein, denn ich bin nicht mit extrem genialen Fähigkeiten auf die Welt gekommen. Ich bin als Fan zur Musik gekommen und dann habe ich mich so lange auf meinen Hosenboden gesetzt, bis ich ein Album veröffentlichen konnte. Und nun bin ich viel unterwegs, was mit Verlusten einhergeht, die man erst einmal akzeptieren muss. Im Moment habe kein umfassendes Sozialleben, ich schlafe nicht viel, aber dafür arbeite ich viel. Um das durchzuhalten, muss man wissen, das man genau das machen will. Und es gibt ja zum Glück auch immense Vorteile am Musikerdasein. Ich liebe das Reisen. Wenn man wie ich aus Des Moines, Iowa, stammt, glaubt man nicht daran, dass man noch viel von der Welt sehen wird. Aber nun sehe und entdecke ich so viel, dass ich daran wachsen kann.

Are you lonesome tonight? (Elvis)
Na das passt ja jetzt… Also ich werde heute noch von Berlin nach London fliegen. Da lebe ich zwar nicht, aber ich habe dort trotzdem bei einem älteren Pärchen ein Zimmer. Das wird wohl ziemlich einsam für mich werden und ich würde mich freuen, wenn ich mich noch mit Freunden treffen könnte. Aber ich werde erst gegen 23 Uhr in London landen und dann wahrscheinlich ziemlich müde gegen 1 Uhr nachts ins Bett fallen. Ich kann ja darüber einen Song schreiben. (lacht) Außerdem habe ich früher schon genug und exzessiv gefeiert, dazu hätte ich sicher auch eine Menge erzählen können als die Frage zu meinem Geheimnis kam. Nun bin ich ganz auf meine Musik fokussiert. Da ist es ganz gut, wenn man einen klaren Kopf bewahrt.

What are you waiting for? (Beyoncé)
Oh ja, Queen B! Ich liebe sie! Aber auf was warte ich denn nun? Ich weiß nicht. Irgendwie bin ich wirklich ein Wartender. Ein schüchterner und nervöser Typ. Nicht zu nervös, aber auch nicht gerade aggressiv. Ich möchte niemanden unter Druck setzen. Also warte ich ab. Wenn ich im Club ein Mädchen sehe, spreche ich sie nicht einfach an. Ich bleibe stehen, wo ich bin, und warte. Rückblickend bereue ich dann immer mein Verhalten. Ich muss daran echt was ändern und aktiver werden.

Whatever happened to my rock and roll? (Black Rebel Motorcycle Club)
Ich höre ganz gerne Mal The Clash und The Ramones. Aber was halte ich vom heutigen Rock’n’Roll? Das ist schwer zu beantworten. Denn meiner Meinung nach kommen derzeitig die wirklich kreativen Songs nur aus dem HipHop-Bereich. Innovativer Rock ist mir schon länger nicht mehr untergekommen.

Is there life on Mars? (David Bowie)
Da muss doch etwas sein, oder? Wir können nicht die Einzigen im gesamten Universum sein. Das zu glauben, erscheint mir sehr engstirnig. Ich glaube an Aliens. Wieso sollte es also nicht auch Leben auf dem Mars geben? Das Universum ist grenzenlos, was übrigens eine Sache ist, die mich regelrecht verrückt macht. Und sogar ein bisschen ängstigt. Je länger ich bei dem Thema verweile, desto mehr muss ich auch über den Tod nachdenken. Oh Gott, das könnte jetzt noch ziemlich düster werden, lass es uns bitte wieder aufhellen!

How many roads must a man walk down before you call him a man? (Bob Dylan)
Ich denke, er meint damit, dass man erst in viele verschiedene Richtungen gehen und unterschiedliche Dinge sehen und erleben muss, bevor man erwachsen wird. Wissen erlangt man nicht durch Stillstand. Man muss auch mal Scheitern, um dazuzulernen. Ich mache Musik seit ich 18 bin und das lief nicht gerade reibungslos ab. Doch wie sollte man auch besser werden, wenn man immer nur der Gewinner ist? Das funktioniert nicht. Trotzdem wünschte ich, dass manches leichter wäre.

How do you want to be remembered? (Magic!)
Es wäre großartig, wenn ich für jemanden eine ganz besonders wichtige Person wäre. Und es würde mich auch sehr freuen, wenn man sich später noch an mich als jemanden erinnern würde, der gute Musik zu der Zeit beigesteuert hat. Für mich macht Musik immer alles ein bisschen besser, sie stützt mich. „Beauty“ von The Shivers ist dafür so ein Beispiel. Ich wünschte, ich könnte genau dieses Gefühl weitergeben an meine Zuhörer.