Martha Marcy May Marlene

Veröffentlichung  12. April 2012    Regie  Sean Durkin    Darsteller  Elizabeth Olsen  Sarah Paulson  John Hawkes  Hugh Dancy
Foto: 20th Century Fox Germany
 IMDb-Wertung
Foto: 20th Century Fox Germany

Hier ist etwas nicht in Ordnung.
Irgendetwas ist passiert.

Als Martha (Elizabeth Olsen, Silent House) ihre Schwester von einem Münztelefon irgendwo im Nirgendwo nach Jahren der Funkstille anruft, bricht sie in Tränen aus. Doch als die besorgte Lucy (Sarah Paulson, The Spirit) sie dann schließlich abholt, ist Martha ganz ruhig und in sich gekehrt. Was genau ist vorgefallen und weshalb hat sich das Mädchen so viele Jahre bei keiner Menschenseele gemeldet? Um der Sache auf den Grund zu gehen, nimmt die ältere Schwester sie zu sich und ihrem Mann Ted (Hugh Dancy, In guten Händen) in das geräumige Ferienhaus in Connecticut. Martha driftet immer wieder ab, erinnert sich an Versatzstücke der letzten Jahre, in denen sie in einer scheinbar sektenähnlichen Gemeinschaft gelebt hat. Im Besonderen der gefährliche wie auch faszinierende Anführer Patrick (John Hawkes, Winter’s Bone) bereitet ihr schlaflose Nächte. Ihre Verstörtheit fällt mit der Zeit auch dem Paar zur Last, welches sich eigentlich nur um eigenen Nachwuchs kümmern möchte, und die Situation spitzt sich rasant zu. Denn zwischen den Schwestern scheint Vieles unausgesprochen und Martha ist immer angespannter, fühlt sich in der Einsamkeit bedroht. Oder wird sie gar noch immer verfolgt?

Die Abhandlung über ein tief sitzendes Trauma

Das Debüt mit dem umständlichen Titel Martha Marcy May Marlene von dem Regisseur und Drehbuchautoren Sean Durkin kommt mit einem Knall. Wenn auch einem lautlosen. Selten war ein Werk so gewaltsam und schockierend ohne dabei viele Worte oder schnelle Bildfolgen zu verwenden. Ganz ruhig, langsam wird die Anspannung für den Zuschauer fast unerträglich gemacht. Dabei traumwandelt Martha Mal beängstigend gefühlslos, Mal selbst wie eine menschliche Bedrohung durch das riesenhafte Haus. Es wird sich ganz auf die verletzliche Intensivität eines jeden Blickes, kleiner Gesten und der Angst in der Stille konzentriert. Die Handlung bleibt stets im kleinen Rahmen, so dass die Zeitsprünge nachvollziehbar und die psychischen Gefahrenzustände der Protagonistin greifbar sind. Martha fühlt sich verloren und wie taub in dieser neu entdeckten Welt aus Gesetzen und Fragen. Inwiefern hat sie eine Zukunft nach dieser traumatischen Erfahrung? Wo steht sie nun in ihrem Leben und inwieweit ist sie selbst eigentlich straffällig geworden?