Marlon Williams

Album  Make Way For Love    Veröffentlichung  16. Februar 2018
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

An Trennungen wächst man, oder?

Zweites Album, ein ganz anderer Marlon Williams. Dieses Mal wird einem das Portrait eines Gefallenen, von der Liebe und dem Aus komplett Zerstörten, präsentiert. Doch zum Glück ist das Musik von gestern und der Neuseeländer ist mittlerweile so gut drauf, dass er wieder Zukunftspläne schmiedet – wenn auch ganz konventionelle.

Es ist Ende April. Es ist heiß. Vielleicht ist das ja schon Sommer. In Mitte wird eine Bombe entschärft, in Prenzlauer Berg sitzt Marlon Williams auf einer gelben Bank und singt „Nobody Gets What They Want Anymore“. Irgendwie verkehrte Welt. Das eine passt nicht zum anderen. So wie der überdimensionale Herzschmerz, den der 27-Jährige auf seinem Album Make Way For Love dahincroont. Das ist ganz schön viel. Und ganz schön ehrlich. Aua.

Im Interview guckt er einem unverwandt in die Augen, wenn er Sätze sagt wie „Mein größter Wunsch ist es, ein Haus, eine Frau und Kinder zu haben. Das können gar nicht genug Kinder sein.“ Dann streckt er sich in dem für seine Größe viel zu kleinen Stuhl und schiebt hinterher: „In meiner Wunschvorstellung habe ich mein Studio gleich hinter dem Haus, arbeite da morgens erst mal für einige Stunden und frühstücke danach ausgiebig mit der Familie. Mehr brauche ich nicht.“ Das Liebe für Williams an erster Stelle steht, ist nicht zu überhören. Seine zweite Platte dreht sich nur darum. Aber weniger im positiven Sinn. In Elvis-Manier leidet er dahin, erzählt von Panikmomenten, vom Schneemann-Dasein im Frühling und er fragt sich obendrein, ob er nach dem Beziehungsaus überhaupt noch Kontakt zur Ex haben darf. Ja wie ist denn das nun? Keine leichte Sache.

„Ich bin jemand, der sich nicht mehr bei Freunden und Familie meldet, sobald er in einer Beziehung ist.“

Die elf Songs mussten genau so geschrieben werden, um überhaupt die Trennung verarbeiten zu können. Darüber mit Freunden ein bisschen reden, würde bei einem derartigen Riss im Alltag nicht ausreichen. Wobei er sich, nachdem Schluss mit der Freundin war, die Aufmerksamkeit der Freunde erst wieder zurückerobern musste: „Ja, es stimmt schon. Ich bin jemand, der sich nicht mehr bei Freunden und Familie meldet, sobald er in einer Beziehung ist.“ Williams versucht die Extreme seiner Aussage wegzulachen und fügt hinzu: „Aber ich denke, ich werde jetzt nicht mehr so sein. Ich bin älter geworden und an der Trennung gewachsen.“

Auf der Suche nach der großen Liebe ist er trotzdem noch, selbst wenn das für einige zu naiv oder kitschig anmuten mag. Auf die Frage hin, welchen großen Träumen anderer er nichts abgewinnen kann, antwortet er prompt: „Ewig leben. Das ist doch Bullshit. Wieso sollte ich so was wollen? Was will ich mit der ganzen Zeit anfangen?“ Eine Möglichkeit wäre es ja, immer und immer mehr Musik zu schreiben, oder etwa nicht? „Ich wünschte, ich könnte das. Aber ich muss auch Touren. Und das kann mit der Zeit ziemlich an die Substanz gehen.“

Manchmal überkommt einen das Gefühl, dieser Marlon Williams würde Umwelt und Emotionen intensiver wahrnehmen als der Durchschnitt. Obwohl das Roadtrippen schlauchen soll, wirkt er im Gespräch und im Anschluss im Konzert dermaßen frisch und ausgeruht, dass man ihm ans Herz legen möchte, nebenbei noch Werbung für Gesichtspflegeprodukte zu machen. Den Influencerlook hat er definitiv drauf. Und beim Konzert bringt er mit seinem Wahnsinnscover von „Portrait of a Man“ mindestens der Hälfte des Privatclubs die Musik von Screamin’ Jay Hawkins näher. Wenn also die Liebe noch auf sich warten lässt, sind wenigstens schon die Follower da und halten gerne Händchen.