Der große Crash – Margin Call

Veröffentlichung  29. September 2011    Regie  J.C. Chandor    Darsteller  Kevin Spacey  Zachary Quinto  Stanley Tucci  Jeremy Irons
Foto: Washington Square Films
 IMDb-Wertung
Foto: Washington Square Films

Der bedrückende Erstling des Regisseurs J.C. Chandors befasst sich mit der Finanzkrise 2008, die zu allererst bei Brokern, Börsenmaklern und Vermögensberatern an die Tür klopfte. Dieses erbarmungslose Wachrütteln nennt man den Margin Call. Denn dies ist in der Börsensprache der Moment, in dem selbst an der Wall Street echtes Geld ins Spiel kommt. Wurde dieses Thema nun schon mehr oder weniger oft im Kino thematisiert (ob als Doku in Inside Job oder als Spielfilm in Wall Street – Geld schläft nicht und Company Men), findet dieses Werk durch seine Nähe zum Schicksal des Individuums inmitten der steinharten Börsenbranche Aufmerksamkeit.

Aufgrund der Finanzkrise wird der Risiko-Analyst Eric Dale (Stanley Tucci) entlassen, nicht aber ohne seinem ehemaligen Schützling Peter Sullivan (Zachary Quinto) einen USB-Stick mit höchst brisanten Daten zur finanziellen Lage der Firma mit auf dem Weg zu geben. Nachdem er dem gekündigten Vorgesetzten versichert vorsichtig zu sein, nimmt sich der ambitionierte Sullivan dem Material an und stellt schnell fest, dass die Zahlen, die er vor sich sieht, den Niedergang der Firma beschreien. Der große Crash – Margin Call bewegt sich in dem limitierten Zeitraum von 24 Stunden, in denen keiner der hochrangigen Firmenmitglieder eine ruhige Minute hat, geschweige denn zum Schlafen kommt. Will Emerson (Paul Bettany), Sam Rogers (Kevin Spacey), Jared Cohen (Simon Baker), Sarah Robertson (Demi Moore) und John Tuld (Jeremy Irons) erörtern in tiefster Nacht eine folgenschwere Rettungsaktion von globalem Ausmaß. Was für sie von allergrößter Wichtigkeit ist, wird für den gesamten Finanzsektor zu einer tickenden Bombe. Denn wer die eigenen Schulden auf die Anderen umwälzt, der tut zwar sich, aber niemandem sonst einen Gefallen.

Im Besonderen durch die Wahl des beschränkten Zeitfensters und der kaum wechselnden Räumlichkeiten ist Chandors ein erschreckend einleuchtendes Werk gelungen. Das Verständnis für solch ein Thema erlangte der Regisseur durch seinen Vater, der sich vierzig Jahre als Mitarbeiter der Investmentbank Merill Lynch zur Verfügung stellte. So konnte er des Weiteren Gespräche mit Branchenveteranen führen und ihnen auf den Zahn fühlen wie das Geschäft nun genau funktioniert. In 109 Minuten werden somit authentische wie auch aufschlussreiche Einblicke gewährt in den Augenblick des Entscheidens über Dinge von weltweiter Relevanz, in moralische Engpässe sowie alltägliche Absurditäten. So müssen beispielsweise die Frischlinge der Firma den Höherrangigen und Alteingesessenen die finanzielle Unternehmenssituation in Normal-Sterblichen-Sprache erklären. Immer und immer wieder. Der Humor sucht sich also selbst in solch einem beklemmenden Film, wie es Der große Crash – Margin Call ist, seinen Weg. Es wird zynisch über die horrenden Beträge, mit welchen man täglich jongliert, gelacht und großspurig über den Fakt geprahlt, dass man im Jahr ganze 70.000 Dollar nur für Prostituierte auszugeben vermag. Da bleibt dem Zuschauer das eine oder andere Mal selbst das kurze Auflachen im Halse stecken und man fragt sich wie groß wohl mittlerweile die Lücke zwischen Arm und Reich geworden ist. J.C. Chandors Finanzdrama bildet in jedem Falle die Dringlichkeit, etwas in wenigen Sekunde entscheiden zu müssen, überragend gut ab.