Loving

Veröffentlichung  15. Juni 2017    Regie  Jeff Nichols    Darsteller  Ruth Negga  Joel Edgerton  Will Dalton
Foto: Universal Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Universal Pictures Germany

Wenn das Schönste der Welt plötzlich verboten sein soll

Verlieben, verloben, verheiraten: so weit, so normal. Doch was tun, wenn man zwar den richtigen Deckel für seinen Topf gefunden hat, dieser aber nicht von der Gesellschaft akzeptiert wird?

Virginia in den 1960er-Jahren: Kaum lernen sich Mildred (Ruth Negga) und Richard (Joel Edgerton) kennen, vergucken sie sich auch schon ineinander. Doch die beiden dürfen ihren Schmetterlingen im Bauch nicht einfach so freien Lauf lassen. Da Mildred schwarz und Richard weiß ist, wird ihre Liebe nicht vom Staat toleriert. Trotzdem wollen sie heiraten und reisen dafür nach Washington, wo die verschiedenen Hautfarben kein so großes Problem sind. Aber leichter wird es danach nicht für das junge Paar. Denn in ihrer Heimat Virginia weigert man sich die frisch erworbene Heiratsurkunde anzuerkennen. Die zwei stehen nun vor der Entscheidung sich entweder der Allgemeinheit zu beugen und sich zu trennen oder weiterhin für die große Liebe zu kämpfen.

Berührendes Biopic

Das Schlimmste gleich vorweg: Die Geschichte, die uns US-Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols (Take Shelter, Mud) hier erzählt, ist keine ausgedachte. Vielmehr basiert Loving auf dem Leben von Richard und Mildred Loving, die für die Anerkennung ihrer Ehe bis zum Obersten Gerichtshof in den Vereinigten Staaten gingen. Tatsächlich wurde das Paar sogar verhaftet und zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil sie gegen das Rassenintegrationsgesetz verstoßen hätten. Danach wurden sie gezwungen aus Virginia wegzuziehen, da sie nicht gewillt waren sich zu trennen. Von Washington aus setzten die Lovings dann ihren kräftezehrenden Gerichtsstreit fort, um so wieder in ihr eigentliches Zuhause und in die Nähe ihrer Verwandten zurückkehren zu können. Ihnen wurde sogar ein Jahrestag gewidmet: Der 12. Juni ist in Amerika der „Loving Day“. Der Film von Nichols wickelt den Fall historisch korrekt und behutsam auf.

Leise Töne wirken länger

Obwohl sich in Loving viel vor Gericht abspielt, entspricht das Drama dennoch nicht dem stereotypen Gerichtsfilm. Wie schon in seinen früheren Filmen nimmt sich Jeff Nichols wirklich Zeit für seine zwei Hauptcharaktere. Diese lässt er nie aus den Augen und bringt uns so ihre Verbundenheit umso näher. Insgesamt ist der Zweistünder sehr ruhig für so ein nervenaufreibendes Thema geworden. Dass die Menschenrechte hier mit den Füßen getreten werden, merkt man vor allem an den Gesetzen, an denen keiner so richtig rütteln mag. Aber offen ausgetragene Kämpfe gibt es in diesem Film kaum. Der meiste Raum wird den Lovings gegeben, die im Laufe der Spielzeit verängstigt und verliebt zugleich beginnen sich ein gemeinsames Leben aufzubauen. Sie bekommen Nachwuchs, bauen ein Haus – eigentlich ganz normale Dinge für ein glückliches Paar. Aber eben doch überhaupt nicht normal in dieser Zeit für die zwei.

Loving überrascht auf ganzer Linie: Hier wird die Wut nicht laut herausposaunt, sie schwingt vielmehr in den kleinen, intimen Szenen mit. Auch die zwei Hauptdarsteller werfen sich nicht durch große, emotionale Reden in den Vordergrund, Ruth Negga und Joel Edgerton ziehen vor allem durch ihr intensives Zusammenspiel unfassbar stark in ihren Bann.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  15. Juni 2017    Worte  480
Permalink  http://www.farbensportlich.de/loving/    Farbe  #954939
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