Lion

Veröffentlichung  14. Juli 2017    Regie  Garth Davis    Darsteller  Dev Patel  Sunny Pawar  Rooney Mara  Nicole Kidman
Foto: Universum Film
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Unsere Familie hat uns zu der Person gemacht, die wir heute sind

Lion erzählt die wahre Geschichte eines jungen Inders, der mit fünf Jahren sein Zuhause verlassen musste und erst 25 Jahre später mit der Hilfe von Google Earth wieder zurückkehren konnte.

Saroo (Suny Pawar) wohnt mit seiner Familie in einem kleinen indischen Dorf, von wo aus er seinem großen Bruder überall hin folgt. Eines Nachts muss ihn dieser aber auf einem Bahnsteig zurücklassen, um Geld zu verdienen. Der hungrige Fünfjährige will nur noch etwas nach Essen suchen, als er schließlich in einem haltenden Zug einschläft. Nach einer traumatischen, tagelangen Zugfahrt findet er sich jedoch am anderen Ende des Kontinents in Kalkutta wieder. Das ist zwar noch in Indien, jedoch spricht man dort eine völlig andere Sprache. Auf sich allein gestellt, irrt er wochenlang durch die gefährlichen Straßen der Stadt und entgeht nur knapp einer Schlepperbande. Saroo hat Glück und landet schließlich in einem Waisenhaus. Dort wird er von den Australiern Sue (Nicole Kidman) und John Brierley (David Wenham) adoptiert. Viele Jahre später lebt der erwachsene Saroo (Dev Patel) mit seiner Freundin Lucy (Rooney Mara) in Melbourne. Eigentlich könnte er rundum glücklich sein. Doch die Frage nach seiner Herkunft lässt ihn einfach nicht los. Also fährt er Nacht für Nacht die Landkarte Indiens mit Google Earth ab und hofft sich an Details aus seiner Kindheit zu erinnern.

Ein sehr langer Weg nach Hause

Jedes Jahr verschwinden bis heute ganze 100.000 Kinder in Indien. Sie enden als Bettler auf der Straße oder sogar als Arbeiter in Fabriken. Nur wenigen bleibt es vergönnt in einem Heim aufgenommen zu werden und damit die Chance auf ein normales Leben zu haben. Saroo Brierley war so ein Junge. Seine Biografie „A Long Way Home“ beschreibt diese unendlich lange Reise bis nach Australien und wieder zurück. Mit der Verfilmung wollen die Macher um Regisseur Garth Davis (der zuvor in der Werbebranche tätig war) auf die schlimme Situation der heimatlosen Kinder in Indien aufmerksam machen. Das gelingt ihnen so gut, dass am Ende von Lion kein Auge trocken bleibt. Man möchte dringend selbst helfen! Das geht ganz konkret, in dem wir auch hier in Deutschland auf eine faire Herstellung der Produkte achten, die wir kaufen. Wurden Arbeiter ausgebeutet oder sogar Kinder beschäftigt? Fair-Trade-Siegel und Gütezeichen geben Auskunft. Sie helfen die Anreize für die Ausbeutung in Indien und überall auf der Welt zu senken. Dann müssen irgendwann hoffentlich auch keine Kinder mehr verschleppt und zur Billigarbeit gezwungen werden.

Ein Gedanke, der einen nicht los lässt

Hauptdarsteller Dev Patel (Slumdog Millionär) ist gebürtiger Brite. Für seine Rolle in Lion bereitete er sich gleich mehrere Monate vor und reiste mit dem Zug durch Indien, besuchte Heime und schrieb dazu noch Tagebuch. Damit erarbeitete sich Patel einen eigenen Schatz an Erinnerungen, auf den er bei seiner Darstellung von Saroo zurückgreifen konnte. Besonders eindrücklich gelingt ihm das, wenn er bei seinen Recherchen die Nächte nur vor dem Computer verbringt. Auf der einen Seite strahlt er wirkliche Besessenheit aus und auf der anderen Seite fühlt er sich einfach nur leer. Ihm fehlt es an einem Gefühl für seine Heimat und er setzt alles daran das zu ändern – bis er wieder vor Erschöpfung auf der Couch einschläft. Ein normales Leben sieht anders aus! Aber für Saroo fühlt sich sein behütetes Leben einfach nur falsch an. Treffen mit Freunden und Partys sind überschattet von der Ungewissheit, ob es seiner leiblichen Familie gut geht. Dev Patel bringt diese innere Zerrissenheit bravourös auf die Leinwand.

In Lion geht es um ganz elementare Dinge wie das Bedürfnis, ein Zuhause zu finden und zu entdecken, wer man ist. Das Drama trifft die richtigen Töne und öffnet wie schon Slumdog Millionär die Tore in eine bisher fremde Welt.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  14. Juli 2017    Worte  612
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