Life, Animated

Veröffentlichung  02. November 2017    Regie  Roger Ross Williams    Darsteller  Owen Suskund  Ron Suskind  Jonathan Freeman
Foto: NFP marketing & distribution*
 IMDb-Wertung
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Was Zeichentrickfilme Autismus entgegensetzen können

Im Mittelpunkt der Dokumentation steht der autistische Junge Owen Suskind, der mit drei Jahren plötzlich verstummt. Seiner Familie gelingt es nur durch Disney-Figuren wieder mit ihm zu kommunizieren.

Als Owen im Alter von nur drei Jahren plötzlich aufhört zu sprechen, ist das für seine Eltern ein großer Schock. Was haben sie nur falsch gemacht? Die Ärzte erkennen, dass es sich bei seiner Verhaltensstörung um Autismus handeln muss. Sie bestätigen Ron und Cornelia, dass Owen in seine eigene Welt abgetaucht ist. Nach vier Jahren streift sich sein Vater zufällig eine Handpuppe des Sprüche klopfenden Papageien Jago aus „Aladdin“ über und fragt: „Wie ist das eigentlich, wenn man so ist wie du?“. Völlig unerwartet reagiert Owen darauf mit Dialogzeilen aus dem Film. Seine ersten Worte seit Jahren! Für die überraschten Eltern ist schnell klar, dass Owen durch die Disney-Trickfilme nach und nach ins Leben zurückfinden könnte. Als diese Erkenntnis erst einmal da war, fiel es allen plötzlich viel leichter miteinander zu kommunizieren. In der Dokumentation werden nun klassische Film-Sequenzen mit Situationen aus dem Leben von Owen gegenübergestellt. Dadurch sieht man, wie die Identifikation mit Figuren wie Simba, Arielle und auch Jafar dem jungen Autisten dabei hilft seine eigene Gefühlswelt zu begreifen und die Realität zu interpretieren.

Trickfilme als moralischer Kompass

Der Oscar-prämierte Regisseur Roger Ross Williams (Music by Prudence) ist dafür bekannt, dass er sich stets mit den Außenseitern der Gesellschaft auseinandersetzt. Mit Life, Animated fühlt er sich nun in die Sichtweise eines Autisten ein, der seine eigene Lebenswirklichkeit gänzlich aus Geschichten zusammengestellt hat. Die große Besonderheit der Entwicklungsstörung ist es ja, dass sich Betroffene keinerlei sozialen Umgangsformen unterworfen fühlen. Für sie gibt es per se keine Richtlinien, wie die Welt zu funktionieren hat. Genauso wenig lassen sie sich darin einschränken emotionalen Impulsen nachzugeben. In dieser Hinsicht können sich die gesunden und „normalen“ Menschen sicherlich auch eine Scheibe von Autisten abschneiden. Wir lernen Owen aber nun als jemanden kennen, der in einer Welt aus Mythen und Fabeln lebt, die er aber zu analysieren versteht. Dadurch gelingt es ihm alltägliche Dinge des Erwachsenwerdens selbständig zu meistern.

Über die Schwierigkeiten des Menschsein

Life, Animated zeigt Autismus nicht als Behinderung, sondern als Anderssein. Außerdem erzeugt die Doku ein Bewusstsein dafür, dass wir es als Gesellschaft versäumen großartige Persönlichkeiten kennenzulernen, wenn wir andere Menschen kategorisch ausgrenzen. Durch die lange Zeit, die wir nun mit Owen Suskind verbringen, können wir einen außergewöhnlichen Geschichtenerzähler und Träumer kennenlernen. Wir sind sogar mit dabei, als er seinen College-Abschluss macht, sich eine eigene Wohnung mietet und sich erstmals verliebt. All diese Dinge sind für viele normal – aber für ihn alles andere als selbstverständlich.

Disneys Trickfiguren spielen eine wichtige Rolle bei der Therapie von Owen Suskind. Die Dokumentation Life, Animated ist eine Hommage an die universelle Sprache und emotionale Kraft animierter Charaktere und Geschichten.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  09. November 2017    Worte  462
Permalink  http://www.farbensportlich.de/life-animated/    Farbe  #2f8088
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