Liebe mich!

Veröffentlichung  20. August 2015    Regie  Philipp Eichholtz    Darsteller  Lilli Meinhardt  Christian Erich  Peter Trabner
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Einsamkeit in der Großstadt

Nur sechs Seiten Drehbuch und zehn Tage Dreh benötigte man, um die Geschichte einer selbstbewussten, jungen Frau, die in Berlin auf der Suche nach der aufrichtigen Liebe ist, absolut einnehmend umzusetzen. Hut ab!

Sarah (Lilli Meinhardt) möchte nicht mehr warten, sie will endlich den einen Mann fürs Leben finden. Doch ihr guter Kumpel Markus, mit dem sie übereilt eine Nacht verbringt, hat nicht vor dieser besondere Mensch für sie zu werden. Da in dieser Hinsicht die Meinungen der beiden aber auseinandergehen, klappt es schließlich auch nicht mehr mit der Freundschaft. Für Sarah heißt das: Weiter nach dem Richtigen suchen und ein neuer Laptop muss nach dem letzten handfesten Streit mit Markus auch noch her. Um das Geld für die teure Technik aufzubringen, vermietet sie erst einmal ihre Wohnung unter und zieht zurück zum überrumpelten Papa Dieter (Peter Trabner). Trotz dessen sich Sarah versucht wirklich Mühe zu geben, bleibt die Beziehung zum Vater holprig. Und ob der gutmütige Computerfachmann Oliver (Christian Ehrich) am Ende der Mann sein wird, der den chaotischen Alltag von Sarah ins Gleichgewicht bringen kann, bleibt auch abzuwarten.

Film-Förderung? Von wegen!

Um einen guten Spielfilm zu machen, braucht man wohl nicht viel mehr als eine Vision und eine Wahnsinnshauptdarstellerin. Regisseur Philipp Eichholtz hat beides. Der Newcomer wartete nicht auf die große Film-Förderung, sondern bezahlte ganze 4000 Euro aus eigener Tasche, um so endlich seine sehr persönlich gefärbte Geschichte erzählen zu können. Eichholtz wollte nämlich eine Hommage auf die Menschen schreiben, die andere fordern – die alles von ihrem Gegenüber abverlangen, aber an denen man auch wächst. Mit Protagonistin Lilli Meinhardt hatte er genau die Richtige gefunden. Mit jeder Faser ihres Körpers stellt sie auf der Leinwand dar, dass sie sich nicht anpassen will und gleichzeitig auf der Stelle all die schönen Dinge haben möchte, die das Leben zu bieten hat.

Augen auf: Lilli Meinhardt ist da

Die Anfang Zwanzigjährige gibt in „Liebe mich!“ Vollgas. Sie brüllt sich mitten auf Berlins Straßen die Seele aus den Leib, sie blickt mit fast schon schmerzhaft schmachtenden Blick in die Kamera und schmiegt sich mit solcher Passion an ihren Dad heran, dass man nur schwerlich nachvollziehen kann, dass dieser nicht mehr auf sein Töchterchen eingeht. Auf den Film-Neuling Lilli Meinhardt warten sicherlich noch weitere große Rollen, in denen sie ebenso große Emotionen erzeugt wie in dieser Low-Budget-Produktion, bei der das Improvisations-Motto „Alles ist erlaubt“ ganz und gar zelebriert wurde.

Philipp Eichholtz ist jetzt, trotz der Produktionsförderung von Oma, pleite. Aber diese grenzenlose Leidenschaft für das eigene Projekt hat sich gelohnt. „Liebe mich!“ ist ein schwer verdaulicher Brocken geworden, der dennoch weiß wie man eine ziemlich irre Protagonistin und das ziemlich hässliche Berlin wunderschön aussehen lässt.