Laura Marling, Privatclub

Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Laura Marling spielte am ersten April 2010 im ausverkauften Berliner Privatclub. So klein der Club, so groß die Erwartungen an die gerade mal zwanzigjährige Engländerin. Schon früh drängen sich die Neugierigen ganz nah an die Bühne, um sich gemeinsam mit Nic Dawson Kelly auf einen folkigen Abend einzustimmen. Er erzählt Geschichten von Musikern und Bettlern, doch die Unruhe ist in jedem Winkel des Kellerclubs zu spüren. „Ihr habt ab morgen Ferien, da ist jetzt Zeit zum Feiern!”, ermutigt Nic Dawson Kelly das Publikum, welches ihm prompt zuprostet.

Eine zurückhaltende Aufwärmübung, hört man kurz danach die nicht enden wollenden Applauswellen, welche nur für Laura Marling und ihre Band bestimmt sind, die sich zu Beginn erst einmal durch die Massen schieben müssen, um auf die Bühne zu gelangen. „Devil’s Spoke” folgt zugleich und ebnet den Weg für ein einstündiges Set voller schöner Momente, die man genau so ins Poesiealbum einkleben möchte. Festgehalten werden all die neue Stücke von ihrem Zweitling I Speak Because I Can, jedoch werden alte Bekannte wie „Ghosts”, „My Manic And I” sowie „Night Terror” noch viel herzlicher aufgenommen. Es sind Erinnerungen spürbar, ganz eigene Gefühle, die in jedem Einzelnen in diesem Raum plötzlich wachgerufen werden. So lange musste man auch auf diesen Augenblick warten das Stimmwunder live sehen zu können.

Entgegengesetzt der Erwartung ist die nun brünette Laura Marling erstaunlich redselig. In „Goodbye England (Covered In Snow)” beschreibt sie, dass sie sich am liebsten in England aufhält und ihr dieses Lied im Zusammenhang mit dem Gedanken an das bevorstehende lange Tourleben kam. Es folgen weitere Songerklärungen wie zu „Made By Maid”, welcher ihrer Meinung nach ohne Beschreibung gar kein Sinn ergibt. Man schmunzelt über sie sowie ihre Mimik und Gestik. Dabei erzählte sie selbst noch am Nachmittag bei einem Radiointerview, dass sie sich nicht immer so wohl auf der Bühne fühle, da sie nie etwas Witziges zu erzählen hätte. Aber nun sprudeln die Geschichten nur so aus ihr heraus.

Sie versucht sich in deutscher Sprache und erzählt von ihrem langweiligen Betriebspraktikum bei einem Manager, unterhält sich mit ihren Mitmusikern auf Deutsch über ihre Vorlieben wie Fußball und erklärt, dass dies die einzige Fremdsprache war, die sie in der Schule erlernt hat. Das Publikum dankt es ihr mit ausgiebigen Klatschen – insbesondere als nach der letzten Zugabe, den Titeltrack des Albums I Speak Because I Can ihnen ein „Ich liebe Deutschland!” entgegen geschmettert wird. Ja, so viel positive Energie kann nur auf Gegenseitigkeit stoßen. Vielen Dank, Laura, für den tollen Abend!

 

 
Rubrik  Konzert    Autor      Datum  02. April 2010    Worte  409
Permalink  http://www.farbensportlich.de/laura-marling-privatclub/    Farbe  #a11e06
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