Kakkmaddafakka

Album  Hest    Veröffentlichung  25. Februar 2011
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Die norwegische Band mit dem besten Namen, bekannt für souveräne Liveshows und dem Humor im Blut. Im Interview zeigen sich Sänger Axemax und ein Teil des Kakkmaddachoirs (Bubbsy Boy) von ihrer redseligen Seite und hinterlassen den Eindruck sehr angenehme Gesprächspartner zu sein. So konnte das Ende des Interviews nur durch die Akku-Schwäche des Aufnahmegeräts eingeläutet werden.

Axemax: Hey, wie fandest du das Konzert?

Super! Ich hab euch schon mal auf dem Melt! Festival gesehen und war da schon ganz begeistert.

Axemax: Ja, das Melt! Festival ist großartig. Wir haben da zwei Jahre hintereinander gespielt. Es ist auch einfach eine Ehre dort auftreten zu dürfen.

Kann man denn im nächsten Jahr wieder mit euch rechnen?

Axemax: Bei zwei Jahren hintereinander ist es eher unwahrscheinlich. Aber vielleicht klappt es ja doch noch, wenn man zum Beispiel ganz viele Mails ans Melt! Festival schickt.

Bubbsy Boy: Ich würde gern wieder dahin. Es ist schon fast eine Tradition dort Urlaub zu machen.

Axemax: Wenn wir auf dem Melt! sind, schaffen wir es einfach nicht ins Hotel. Es ist schon ziemlich hardcore. Man fühlt sich als wäre man beim Militär.

Bubbsy Boy: Ja genau. Das ist einfach super. Im ersten Jahr als wir dort spielten, zog ich mir eine Verletzung zu und kaum verließ ich das Festival, musste ich auch schon direkt ins Krankenhaus, um mich operieren zu lassen. Das ist schon sehr hardcore!

Axemax: Vielleicht nicht für einen Deutschen, aber für Schwächlinge wie uns ist es ziemlich anstrengend.

In eurem Videoblog sprecht ihr über Städte, die ihr mögt. Dabei unterteilt ihr aber Business und Vergnügen. Wieso möchtet ihr das so deutlich herausstellen, wo es doch so wirkt als ob ihr einfach immer und überall Spaß habt?

Axemax: Ich bin heute zum dritten oder vierten Mal in Berlin. Um hier gegen halb neun anzukommen, musste ich zuvor von Holland eine zehn stündige Fahrt mit dem Auto zurücklegen. Dann musste ich vor lauter Hunger essen, danach den Soundcheck machen und schlussendlich auch noch das Konzert spielen. Ja und morgen verlasse ich die Stadt wieder. Es ist also schon ein Vergnügen hier zu sein, jedoch werde ich kaum etwas von der Stadt sehen können. Somit ist es ein großer Unterschied zu einem normalen Urlaub. Obwohl ich auch schon in Berlin Urlaub gemacht habe. Berlin ist eine meiner liebsten Städte. Hier bin ich gern als Tourist, aber auch immer wieder gern für ein Konzert mit der Band. Wenn wir jedoch für ein Konzert gebucht sind, werden wir wohl kaum den Alexanderplatz oder zum Beispiel die Überreste der Mauer zu sehen bekommen. Halt all die Sachen, die du als Tourist besichtigst.

Bubbsy Boy: In einem unserer Blogs sagen wir auch, dass Reykjavik eine fantastische Stadt ist. Da kamen wir auch nur hin, um ein Konzert zu spielen. Jedoch war das ein sehr kleiner Auftritt in einem Laden und nachdem wir fertig waren, hatten wir noch viel Spaß in der Stadt, da wir eben ein ziemlich frühes Konzert gespielt hatten. Hinzu kam noch, dass wir am selben Abend keine Verpflichtungen hatten, erst wieder am nächsten Abend und so konnten wir die Zeit gut nutzen. Wir konnten die Stadt wirklich richtig sehen, da wir danach noch einmal einen Tag frei hatten.

Axemax: Das war ein echtes Vergnügen!

Aber ist es denn wirklich das Ziel wie ein Tourist eine Stadt kennen zulernen, wenn man doch als Band die Möglichkeit hat durch ein Konzert die Stadt durch die Menschen zu erfahren?

Axemax: Wir sind in der perfekten Situation. Wir können umherreisen und all die großartigen Menschen kennen lernen. Meine Freunde, die normale Jobs haben, werden vielleicht nie die Möglichkeit haben zum Beispiel euch einmal zu treffen. Für mich und für euch ist das hier ein Vergnügen. Das ist ein großartiger Erfolg für uns!

Bubbsy Boy: Ich möchte noch sagen, dass Berlin wirklich eine meiner allerliebsten Städte ist!

Axemax: Meine doch auch! Ich glaube sogar, dass ich hier herziehen könnte. Auch wenn ich sagen muss, dass Bergen die großartigste Stadt überhaupt ist. Vielleicht eben auch weil es meine Heimatstadt ist. Aber Bergen ist so unheimlich klein und gleichzeitig auch so groß. Man kann überall hin laufen. Es ist keine große Distanz vorhanden. Zur gleichen Zeit ist es aber immer noch so groß, dass du auf der Straße nicht nur bekannte Gesichter siehst. Es ist also eine gelungene Kombination von einer Groß- und Kleinstadt.

Bubbsy Boy: Ich nenne Bergen immer wieder gerne die kleinste Metropole auf der ganzen Welt!

Axemax: Die einzige Sache, die ich gegen Großstädte wie Berlin, New York oder auch Oslo habe, ist, dass man solch große Distanzen bewältigen muss. Zum Beispiel ist es zu Fuß ein nicht enden wollender Weg bis zum nächsten Club oder Ähnlichem. Das stresst unglaublich. Heute Abend haben wir uns dazu entschieden hier zu bleiben, aber irgendwie ist doch immer das Verlangen da noch irgendwo hinzugehen. Ich stelle mir nur so vor, wenn ich hier eine Wohnung hätte und mal eben schnell zum nächsten Gitarrenladen wollen würde. Der ist dann wahrscheinlich am anderen Ende der Stadt und es würde mich eine verdammte Stunde kosten dahin zu gelangen.

Über Berlin wird oft gesagt: Egal wohin du möchtest, plane mindestens dreißig Minuten Fahrzeit ein!

Axemax: Eben! Und in Bergen erreichst du in zehn Minuten einfach alles!

Bubbsy Boy: Die Ausnahme ist ein Besuch bei den Eltern. Das dauert länger als zehn Minuten.

Axemax: Oh ja! Man kann sich davon schon gelangweilt fühlen. Gerade im Winter, wenn nichts geschieht und es um vier Uhr am Nachmittag dunkel ist. Das macht depressiv. Da hilft nur noch ganz viel Fisch!

Bubbsy Boy: Seit Neuestem gibt es auch Sushi-Burger!

Axemax: Jedenfalls wäre Berlin die perfekte Stadt, wenn sie nur ein wenig kleiner wäre.

Bubbsy Boy: Ach nein! Ich mag Berlin so wie es ist! Als ich das erste Mal für zwei Tage hier war, fühlte ich mich von Berlin völlig akzeptiert. Ich nahm ein Taxi, fuhr von Club zu Club, war die ganze Nacht wach und hatte keine Angst davor, dass ich ausgeraubt werde oder so was. Wenn ich Hilfe benötigte, waren mir die Leute sofort behilflich. Die Berliner sind so wahnsinnig freundlich und hinzu kommt noch, dass ihr das beste Bier der Welt habt!

Axemax: Wir waren im letzten Monat in London. Da habe ich nichts gemacht, sondern wirklich nur auf den Treppenstufen vor dem Hotel gesessen und Zigaretten geraucht. Ich wollte mir einfach nicht die Mühe machen. Wahrscheinlich klingt das eingebildet, aber ich möchte eben mal einen Vergnügungstrip nach London machen.

In eurem Video zu „Pick Me” habt ihr euch Kostüme angezogen und schauspielert was das Zeug hält. Mögt ihr es, wenn ihr euch auf diese Weise für einen Moment jemand anderes sein könnt?

Axemax: Wir möchten, dass unsere Fans glauben, dass wir ein bisschen etwas von Superhelden haben (lacht). Das ist jetzt vielleicht auch eingebildet von mir.

Bubbsy Boy: Ich hatte leider keine Zeit in dem Video involviert zu sein. Aber ich denke es drückt den Wunsch von Kakkmaddafakka aus, etwas zu tun, was einfach Spaß macht. Musikvideos von neuen Bands sehen oft so aus, dass die Band auf einem Dach steht und den Song runterspielt. Aber mit dem „Pick Me” Video wird eine Geschichte erzählt. Wir wollten unbedingt etwas Spaßiges und Neuartiges zugleich kreieren, denn sonst sind die Leute gelangweilt.

Axemax: Ja, es ist eine Kombination aus dem Wunsch sich wie ein Superheld anzuziehen und die Leute zu unterhalten.

Bubbsy Boy: So was sieht man sonst nicht! Jeder möchte solch ein Video machen, aber nur wir machen es wirklich!

Axemax: Unsere Generation hat keinen Hass mehr auf die Achtziger, Siebziger und Neunziger – halt all den alten Kram. Wir können wieder Gitarrensolos verwenden, die Haare im Wind fliegen lassen und alles ganz slashermäßig editieren. Wir können uns wie Superhelden anziehen, aber in den Achtzigern, also in der Zeit als unser Manager in unserem Alter war, hat er gedacht, dass so etwas einfach nur total dumm ist. Aber unsere Generation ist da anders. Wir wuchsen mit Aqua und den Spice Girls auf. Wir sind die Spice Girls-Generation! Uns ist einfach alles egal! Es ist möglich Britney Spears und gleichzeitig auch Radiohead zu mögen.

Bubbsy Boy: Es gibt keine Grenzen mehr!

Axemax: Die einzige Musik, die ich nicht mag ist Anastacia. Weißt du wen ich meine? Diese Frau mit der Brille. Bei jeder anderen Musik würdest du mich niemals dazu bekommen, dass ich sage, dass ich es nicht mag. Ich kann sagen, dass es mich langweilt oder es schlecht ist, aber ich werde nicht sagen, dass ich es nicht mag.

Bubbsy Boy: Ja, und die Mentalität, die hinter dem Video steht, ist, dass eben alles möglich ist. So wie wir auch auf die Bühne mit einem Song von Scooter gehen und mit einem Hip Hop Song das Set beenden können.

Axemax: Und das nächste Mal fangen wir mit Les Misérables an!

Bubbsy Boy: Das ist einer der Gründe, weshalb es so viele Fans von Kakkmaddafakka gibt. Sie wissen, dass wir das for real machen. Da ist nichts Aufgesetztes dabei. Wir machen das, worauf wir Lust haben und die Leute mögen das.

Axemax: Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem beide Elternteile klassische Musiker sind. Deshalb habe ich eine lange Zeit genau diese Musik konsumiert. Doch mit zehn Jahren lernte ich dann die Beatles kennen und danach dann immer mehr guten Hip Hop. Davon war ich begeistert. Ich mag es, wenn sie fluchen, ich mag die Beats. Darauf folgte dann wieder eine Beatles-Phase bis ich mich fragte, was danach wohl kommen sollte. So fand ich immer mehr über die großartige Musik der Siebziger heraus und schließlich wühlte ich mich durch die Achtziger, die ich im Moment bevorzuge. Frag mich noch mal in ein paar Jahren, da hat sich das wahrscheinlich noch mal geändert. Aber jetzt höre ich sehr, sehr viel Toto. Selbst in den Neunzigern hatte man gute und schlechte Songs.

Bubbsy Boy: Aber man hasst eben nicht etwas für das, was es ist, sondern dafür, dass es schlecht ist.

Ich finde es wichtig, dass man manchmal etwas wirklich hasst.

Axemax: Natürlich! Das bringt mich darauf wie wir mit der Band begonnen haben. In der Vergangenheit sah ich Bands Konzerte geben, die die gesamte Zeit auf der Bühne nach unten auf ihre Gitarren schauten und depressive Lieder sangen mit Texten, mit denen ich nichts anfangen konnte. Ich meine, wir leben im reichen Teil der Welt – wie kann man da so deprimiert sein? Mit meinem Background wollte ich genau an dieser Stelle ansetzen und das komplette Gegenteil zu Bands wie Radiohead machen. Ich möchte nicht respektlos gegenüber Radiohead erscheinen, aber verdammt, sie nennen sich Entertainer. So wirkt es jedoch nicht auf mich, wenn sie da nur herumstehen mit ihren Haaren im Gesicht und nach unten schauen. Das Gegenteil von dem zu sein, das war unser Ziel und Startpunkt mit der Band. Du hast also Recht, wenn du sagst, dass es gut ist, etwas wirklich zu hassen. Aber für mich heißt das, dass ich zum Beispiel die Attitüde hassen kann, aber ich muss nicht gleich die Musik hassen. So kann ich die Attitüde von Radiohead hassen, ohne jetzt viel über die Band zu wissen. Sie wollen nur irgendwie besonders sein. Besonderer Kaffee, besonderer Tee. Darum geht es ja auch in unserem Song “Cool”.

In dem Song “Cool” stellt ihr euch als Gegensatz zu dieser coolen Person dar, wenn ihr zum Beispiel singt „When we’re walking you’re running, when we’re driving you’re flying”. Aber was seid ihr denn dann? Einfach nicht cool?

Axemax: Ich versuche so cool zu sein! Wir vergleichen ständig wer der Coolste ist. Es geht nur zu weit.

Bubbsy Boy: Ja, cool zu sein ist, bedeutet nicht, dass du der Coolste bist. Es ist viel mehr du selbst zu sein und damit cool zu sein.

Axemax: Eine große Inspiration für den Song war aber der Gedankengang, was denn wohl als nächstes kommen könnte. Plötzlich, so seit 2007, ist es cool eine Brille zu tragen. Und ich denke mir nur: oh Gott! Genauso gruselig ist der Trend, dass man wieder eine Zahnspange haben möchte. Das ist doch nicht wirklich cool! Wenn du ein Nerd bist, dann bleibst du das auch! Es ist nicht cool ein Nerd zu sein! Es hilft nicht, wenn man so etwas macht, es hilft nicht dabei dich cooler zu machen. Es ist zu traurig das zu sagen, aber es ist so.

Ihr habt vor einigen Jahren ein Album gemacht, von dem ihr denkt, dass es nicht gut ist…

Axemax: Wir denken nicht, dass es nicht gut ist, sondern es ist nicht gut.

Ok, aber was macht es denn zu einem schlechten Album? Mögt ihr die Songs nicht mehr oder sind die Aufnahmen einfach zu schlecht?

Axemax: Zuerst einmal waren Big P und Sti gerade mal fünfzehn Jahre alt, ich war achtzehn. Wir hatten keine Ahnung, was wir da eigentlich machten. In Norwegen wuchs die Anzahl unserer Fans stetig und damit auch die Albumnachfrage. Deshalb dachten wir, egal, lass es uns einfach was aufnehmen. Zu der Zeit mochten wir auch das Resultat und wollten eine große Sache daraus machen, aber letztlich hat es uns mehr geschadet.

Wie habt ihr euch weiterentwickelt?

Axemax: Jetzt sind wir sehr kritisch mit allem, was wir machen. Die Liveshows waren schon immer gut. Natürlich werden auch die besser, aber das war noch nie unser Problem. Unsere große Sorge ist es wie wir das auf CD kriegen. Wir kämpfen so sehr dafür, aber wissen wirklich nicht was wir da tun können. Wir gehen im Januar zurück ins Studio und werden wieder sehr hart daran arbeiten. Die Songs für ein gutes Album haben wir ja, aber trotzdem ist es sehr schwierig ein Produkt zu kreieren mit dem wir glücklich sind, so dass wir es einfach veröffentlichen und wieder auf Tour gehen können. Doch im Moment ist es das Schlimmste, was ich jemals machen musste. Es ist so enttäuschend. Aber wir müssen dieses Problem endlich beheben!

 

 

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Rubrik  Interview    Autor      Datum  09. Dezember 2009    Worte  2,248
Permalink  http://www.farbensportlich.de/kakkmaddafakka/    Farbe  #35424a
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