Jung & schön

Veröffentlichung  14. November 2013    Regie  François Ozon    Darsteller  Marine Vacth  Géraldine Pailhas  Charlotte Rampling
Foto: Weltkino Filmverleih GmbH
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Foto: Weltkino Filmverleih GmbH

Von dem Erwachsenwerden und der Selbstbestimmung

Als Isabelle (Marine Vacth, Mein Stück vom Kuchen) mit ihrer Familie in den Sommerurlaub fährt, ist sie noch Jungfrau. Am Ende der Ferienzeit ist sie 17-jährig und hatte zum ersten Mal Sex mit einem Jungen (Lucas Prisor). Zurück in Paris richtet sie sich ein erotisches Profil in einem Online-Portal ein, über das Männer sich mit ihr zum Sex verabreden können. Erst nach einem unglücklichen Zwischenfall mit einem Stammkunden (Johan Leysen, The American) bekommen ihre Mutter (Géraldine Pailhas, 5×2 – Fünf mal zwei), der Stiefvater (Frédéric Pierrot, Mademoiselle Populaire) sowie ihr jüngerer Bruder (Fantin Ravat) Wind von Isabelles freiwilliger Prostitution. Denn plötzlich steht die Polizei vor der Tür.

8 Frauen, Das Schmuckstück, Swimming Pool – der französische Regisseur und Drehbuchautor François Ozon liebt es starke und schöne Frauen in den Mittelpunkt seiner Filme zu rücken. Für sein neuestes Drama suchte er sich zielgerichtet die 23-jährige Marine Vacth aus. Als Schauspielerin und Model arbeitend, vereint sie die Attribute jung, schön sowie intelligent und melancholisch auch außerhalb der Filmwelt, in der sie sich als Isabelle in Jung & schön befindet. Der 95-Minüter ist ganz und gar auf Marine Vacth ausgerichtet. Zu Beginn wird ihre Figur von dem kleinen Bruder durch ein Fernglas beim Sonnenbaden beobachtet, im Mittelteil können sich die älteren Freier an ihrem makellosen Körper nicht satt sehen und gen Ende stiert vor allem Isabelles Mutter ihre Tochter ratlos an. Dabei bleibt die Darbietung von der Newcomerin Vacth gleichbleibend distanziert und unterkühlt. Ozon bietet dem Betrachter eine stimmungsvoll inszenierte Coming-of-Age Geschichte, die sich jedoch bei dem Wieso, Warum in Schweigen hüllt. Es werden keinerlei Traumata offen gelegt und an Geld mangelt es der Familie ebenso wenig. Verständigungsversuche liefern hauptsächlich die Chansons von François Hardy, welche stets zur Einleitung eines neuen Kapitels (der Film ist in die 4 Jahreszeiten eingeteilt) eingespielt werden und Marines Vacths verschlossener Figur die Worte förmlich in den Mund legen.

François Ozons Jung & schön ist keine Darstellung der Prostitution in Frankreich und der damit einhergehenden Problematik. Vielmehr werden auf die Probleme einer jungen Frau hingewiesen, die sich den Veränderungen ihres Körpers stellen muss als sie bemerkt, dass sie mit einem Mal auch eine neue, erotische Wirkung auf die Außenwelt hat. Durch Marine Vacths undefiniert und dekorativ erscheinende Funktion wirkt das Drama jedoch blutleer. Die Botschaft Ozons ist bis zum Schluss nicht fassbar, auch einen doppelten Boden wie in früheren Werken Ozons sucht man vergebens, und gleichzeitig hält der Film auch keinen echten Unterhaltungswert bereit. Für den Zuschauer bleibt letztlich die Überlegung, ob er sich mit einer bildschön fotografierten Alt-Männer-Fantasie zufrieden geben kann oder doch mehr von einer an sich so komplex erscheinenden Thematik erhofft.