Jonathan

Veröffentlichung  07. April 2017    Regie  Piotr J. Lewandowski    Darsteller  Jannis Niewöhner  André Hennicke  Julia Koschitz
Foto: farbfilm verleih
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Vater-Sohn-Konflikt: Wer ist hier eigentlich wessen Problem?

Jetzt mal ganz tief durchatmen: Jonathan zeigt ganz unmittelbar alltägliche und weniger alltägliche Probleme. Dem kann man sich kaum entziehen – und das sollte man auch nicht wollen.

Jonathan (Jannis Niewöhner) ist eigentlich ziemlich einsam. Er ist gerade mal 23 Jahre jung und fühlt sich schon irgendwie festgefahren. Während Gleichaltrige studieren oder sich sonst wie verwirklichen, arbeitet er auf dem Bauernhof seiner Familie. Daneben ist keine Zeit für Freunde, da er sich immer auch noch aufopferungsvoll um seinen Vater (André Hennicke) kümmert. Der hat nämlich Krebs und lässt so gut wie keinen an sich heran. Gerade mal Pflegerin Anka (Julia Koschitz) findet mit ihrer sorglosen Art einen Zugang zu ihm. Jonathan sehnt sich nach der Nähe von Anka. Mit ihr an seiner Seite wäre er weniger allein. Aber er wünscht sich genauso, dass sein Vater endlich mal mit ihm über den Unfalltod seiner Mutter spricht. Doch stattdessen häufen sich die Ungereimtheiten, als urplötzlich auch noch ein Jugendfreund des Vaters (Thomas Sarbacher) auftaucht.

Ein bisschen Hass, ein bisschen Hoffnung

Hauptdarsteller Jannis Niewöhner hat zwar schon als Zehnjähriger im Tatort mitgespielt, aber so richtig konnte er sich erst mithilfe der Sci-Fi-Verfilmungen Rubinrot, Saphirblau und Smaragdgrün einen Namen machen. Doch nun möchte er zeigen, dass er mehr drauf hat, als nur den Schönling in einer kindgerechten Romanze zu mimen. Genau dafür ist Jonathan da. Das Drama scheint eine One-Man-Show zu sein. Daran können auch die starken Leistungen von André Hennicke und Julia Koschitz nichts ändern. Diese wirken neben Niewöhner sogar wie Statisten. So wie der 24-Jährige nun präsentiert, was für ein wahnsinnig facettenreiches Können noch in ihm steckt, muss auch seine Figur über sich hinauswachsen. Nur so schafft er es nicht zwischen all den Problemen komplett unterzugehen. Fragt man Jannis Niewöhner, was ihn an der Rolle reizte, antwortet er:

Die Wut, die Liebe, die Trauer und das Glück, die Erschöpfung und die Sehnsucht nach einem Ausbruch, alles zusammen und gegeneinander. Jonathan ist mir in eigener Form sehr nah, so dass ich in jedem Moment beim ersten Lesen des Drehbuchs bei dieser Rolle war und mitgefühlt habe.

Spannung halten

Regisseur Piotr J. Lewandowski hat es drauf für gute Verwirrung zu sorgen. Immer wieder schafft er in seinem Debüt neue Fragezeichen. Und genau in dem Augenblick, in dem es kaum noch auszuhalten ist, erlaubt er bisher ungeahnte Einblicke in das so idyllisch wirkende Familienleben. Nach und nach erfahren wir, was unter der Oberfläche brodelt, was sich Jonathan vom Leben wünscht und auch, was es mit dem mysteriösen Besucher auf sich hat. Lewandowski nimmt sich viel Zeit, um Spannung aufzubauen und diese so weit es geht auszubreiten. Mit diesen ausgedehnten Kribbelmomenten hebt er ein schnödes Vater-Sohn-Drama auf eine höhere Ebene. Wir haben nicht mehr allein die verbalen Konfliktausbrüche, sondern die noch so viel sensibler beobachteten Zwischentöne. Und speziell bei diesen macht sich bemerkbar, dass der in Warschau geborene Filmemacher in Jonathan teils auch seine eigene Vergangenheit aufarbeitet. Hier funktioniert nichts nach Schema F – es geht weit darüber hinaus.

Jonathan ist nicht typisch, deutsches Problemkino. Da steckt tatsächlich mehr dahinter. Mehr Story, mehr Bauchweh, mehr Gefühl.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  07. April 2017    Worte  511
Permalink  http://www.farbensportlich.de/jonathan/    Farbe  #292f21
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