Jason Statham

   Film  Parker    Veröffentlichung  07. Februar 2013    Regie  Taylor Hackford
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Jason Statham ist kein typischer Hollywood-Schauspieler. Vielmehr ist er ein souveräner Action-Darsteller (wie man zum Beispiel an The Expendables oder The Transporter sehen kann), der sich nichts aus Falschheiten, aber dafür umso mehr aus sportlichen Aktivitäten in all seinen Formen macht. Der Anfang 40-jährige Brite unterstreicht fortwährend im Gespräch zu seinem neuen Kinofilm Parker, dass er sich keinesfalls mit anderen Schauspielern vergleichen kann. Gestenreich erklärt er, dass er nicht der völlig aus sich heraustretende Lincoln-Akteur Daniel Day-Lewis ist, sondern derjenige, der Kampftechniken erlernen kann, die für Andere eine echte Schwierigkeit darstellen würden. Statham leistet sich keine Patzer während einer Kampfszene, denn die Gefahr dahinter nimmt er sehr ernst. Dennoch erklingt nach fast jeder Antwort von ihm ein raumerfüllendes, kehliges Auflachen. Generell lacht er sehr gerne und viel. Selbst wenn es darum geht, dass er für seine Eltern ein wahres Problemkind war und sie genau deshalb vollkommen abgestumpft zu sein scheinen, was die harten Action-Szenen ihres Sohnes betrifft. Doch nun soll der Mann im tadellos sitzenden Anzug und den überaus weißen Zähnen selbst zu Wort kommen.

Sie genießen es in Ensemble-Filmen wie The Expendables und Snatch – Schweine und Diamanten mitzuspielen. Was genau hat Sie dann an der Rolle des prinzipientreuen Einzelgängers Parker angezogen?

Jason Statham: Ich mochte die Bücher und die Geschichte zu den Büchern genauso wie ich diese Art von Action-Filmen mag. Zudem war es fantastisch mit einem Filmemacher zusammenzuarbeiten, der solch eine großartige Liste an Filmen in seinem Katalog vorzuzeigen hat und es stellte eine gute Chance für mich dar mit Schauspielern wie Nick Nolte und Michael Chiklis gemeinsame Sache machen zu können.

Nachdem der Profi-Dieb Parker bei einem Auftrag über’s Ohr gehauen wurde, steht ihm bei seinem folgenden Rachefeldzug die abgebrannte Immobilienmaklerin Leslie Rodgers, gespielt von Jennifer Lopez (Plan B für die Liebe), tatkräftig zur Seite. Auch zu Lopez findet Statham nur lobende Worte.

Jason Statham: Sie ist eine sehr erfolgreiche, glamouröse und wunderschöne Frau, die sich sehr wohl fühlt in ihrer Haut. Sie hat schon so viel in ihrem Leben erlebt. Mit all den Ehen und Scheidungen. Und trotzdem ist sie sehr stark und glaubt an sich. Wenn ich etwas von ihr lernen konnte, dann diese Liebe zum Leben.

Nur weiß Statham seine Liebe zum Leben auf eine ziemlich ungewöhnliche Art zu zeigen. Seine Freizeit nutzt er nur allzu gern für Extremsportarten und seine Devise ist dabei, dass Grenzen eigentlich nur im Kopf existieren.

Jason Statham: Ich mache zum Beispiel Martial Arts und Olympic Lifting. Früher war ich Turmspringer. Aber das ist nicht einfach nur hochklettern und ins Wasser springen. Man übt zuvor viel auf dem Trampolin und macht auch Gymnastik. Solche Übungen ermöglichen ein räumliches Bewusstsein und körperliche Gewandtheit, so dass man sich später nicht verletzt und ein Selbstbewusstsein für das Springen erhält. Außerdem mache ich Kampf-Training, um mit Selbstsicherheit vor die Kamera treten zu können. Andere Schauspieler haben vielleicht zwanzig Jahre Erfahrung an der Schauspielschule gesammelt – ich habe dagegen eine zwanzigjährige körperliche Schulung. Ich bin gut in Action-Filmen und wäre es wahrscheinlich weniger in irgendwelchen Shakespeare-Verfilmungen.

Aber gänzlich sei er von dem Mitwirken in einer Liebesgeschichte dann doch nicht abgeneigt.

Jason Statham: Ich wäre sehr froh darüber bei einem Liebesfilm mitzumachen, wenn er von jemand cleveren wie zum Beispiel David O. Russell gemacht wäre. Ich schätze gerade an Silver Linings die Comedy-Elemente. Wenn jemand wie er mich fragen würde, müsste ich für meine Zusage noch nicht einmal das Drehbuch gelesen haben. Er ist ein brillanter Filmemacher. Aber ich würde nie in einer Liebesgeschichte mitspielen wollen, wenn die Geschichte schwach ist und der Regisseur keine Ahnung von dem hat, was er tut. Ich will nicht etwas anderes machen, nur um etwas anderes zu machen.

Bevor Statham überhaupt einen Fuß ins Filmgeschäft setzte, nahm er unter anderem als Turmspringer bei den Olympischen Spielen teil und arbeitete als Model bei French Connection. Doch 1998 engagierte Guy Ritchie ihn vom Fleck weg für Bube, Dame, König, grAS.

Jason Statham: Ich gelangte ins Filmbusiness, weil ich Parfüm und Schmuck an Straßenecken verkaufte. Das habe ich gemacht seit ich die Schule abgeschlossen hatte. Guy Ritchie suchte eine Person, die sich in dieser Welt bewegte und diese Sprache sprach. Für Bube, Dame, König, grAS war ich damit die perfekte Besetzung.

Auch für die Romanverfilmung Parker von dem Regisseur Taylor Hackford (Ray) ist er eine durchaus gelungene Wahl. Mit der Disziplin eines Sportlers ging er an die Arbeit heran, murrte nicht einmal über die unliebsame Perücke und zog die Stunts ein weiteres Mal selbst durch. Schlimme Verletzungen soll es dabei aber keine gegeben haben.

Jason Statham: Ich habe mir noch nie etwas wirklich Schlimmes während eines Drehs getan. Aber an meinen Ellenbogen und Knien habe ich mich schon verletzt, ich habe mir Bänderrisse zugezogen und ziemlich oft verdrehe ich mir sogar den Daumen. Was albern ist, wenn man bedenkt was für verrückte Sachen ich schon gemacht habe und ich mir dabei nur immer wieder den Daumen verletze. Doch wenn ich mit anderen kämpfe, gibt es keine Fehler. Das ist auch wichtig. Das Kämpfen mit Schauspielern ist ein Witz, weil sie nicht das Training wie ich haben. Das kann gefährlich sein.

Parker erweist sich Stathams Meinung nach trotz aller Kampf-Szenen als ein Ausbruch aus seiner Norm. In diesem Film sei er viel verletzlicher als sonst, würde mehr Schläge und mehr Probleme mit den Bösewichten einstecken müssen. Wie kann er denn überhaupt nach solch einem aufreibenden Dreh richtig abschalten?

Jason Statham: Es fällt mir sehr leicht die Arbeit auszublenden und zu entspannen. Zum Beispiel fahre ich gern in den Bergen Ski, gehe schwimmen und tauchen. Auch das Abhängen in einer Bar mit Freunden kann Anspannungen lösen. Bier trinken wirkt sehr therapierend!

So humorvoll er auch von seinen Freizeitaktivitäten und der Arbeit erzählt, so umfassend sucht er aber auch immer wieder nach neuen Adrenalinkicks, die viele Gefahren in sich bergen. Die Eltern müssen doch krank vor Sorge sein?

Jason Statham: Ach, ich bin schon als kleines Kind von Bäumen gefallen. Sogar aus dem Kinderwagen bin ich herausgeklettert, wenn meine Mutter gerade nicht geschaut hat. Ich war immer ein Problemkind. Meine Eltern gucken sich gern meine Filme an und stören sich auch nicht an Kampfszenen. Sie sind so liebenswürdig. Selbst wenn es sich um einen schlechten Film mit mir handelt, sagen sie, dass er gar nicht so schlecht gewesen wäre und ich nicht darauf hören sollte, was die Kritiker sagen. Aber das tue ich eh nicht. Ich mache mir Sorgen, wenn die Leute nicht ins Kino gehen. Natürlich verstehe ich, dass die Meinung der Kritiker die Kinogänger beeinflussen kann. Was manchmal schon ein Problem sein kann. Letztlich sollte man nicht glücklich mit einer schlechten Kritik sein, aber auch nicht mit einer guten. Denn darin steckt nicht die Wahrheit. Die kommt vom Mann auf der Straße.

Der Action-Thriller Parker startete im Januar bereits in Amerika und erhielt recht durchschnittliche Rezensionen von den Kritikern. Jason Statham ist eben doch eher in einer stereotypen Rolle zu sehen – wobei er es weiß seinen Charakter gekonnt in Szene zu setzen. Ganz im Gegensatz zu Jennifer Lopez, die in dieser Rolle eher fehlbesetzt erscheint. Nun darf man gespannt sein wie sich die Kinozahlen in Deutschland entwickeln werden. Im Gespräch konnte Parker-Hauptdarsteller Statham jedenfalls schon einmal eine Handvoll Sympathiepunkte sammeln.

Hier findest du unsere Rezension.