Jake Bugg

Album  Hearts That Strain    Veröffentlichung  01. September 2017
Foto: Universal Music Foto: Universal Music

„Ich kann überall Songs schreiben“

Grüße aus Nashville! Den britischen Singer-Songwriter Jake Bugg hat es für sein viertes Album in die Vereinigten Staaten verschlagen. Dort traf er sich unter anderem mit seinem guten Kumpel Dan Auerbach, machte mit ihm gemeinsame Sache, und ließ sich von David Ferguson produzieren. Wenn man sich Buggs Laufbahn so anschaut, kann man nur anerkennend nicken. Er versteht es Stillstand zu vermeiden und trotzdem stilsicher zu bleiben.

Als wir uns zum Telefoninterview verabreden, steht die Veröffentlichung von Hearts That Strain kurz bevor. Noch genießt er die Ruhe vor dem Sturm in London, unterschreibt dort schon mal die neue Platte für die Fans – denn für die, so betont er immer wieder, macht er das schließlich alles.

Du scheinst noch recht entspannt zu sein, so knapp vor dem Release.

Nach außen bin eigentlich immer ein ziemlich ruhiger Typ. Aber innerlich ist das jetzt der Moment, der sehr nervenzerreißend für mich ist. Ich weiß vor einer Albumveröffentlichung nie, was ich erwarten soll und was die Leute davon halten werden. Wenn es die Fans nicht mögen, kann ich womöglich kein weiteres Album machen. Was schrecklich wäre, denn ich habe es sehr genossen, dieses Album aufzunehmen.

Was war bei Hearts That Strain der Masterplan?

Den gab es nicht. Ich war mir gar nicht im Klaren darüber, was ich für ein Album machen und wie es klingen sollte. Das stellte für mich alles ein großes Abenteuer dar. Am Ende war ich regelrecht überrascht, was rausgekommen ist. Aber im positiven Sinne. Generell habe ich bei der Arbeit am neuen Album unglaubliche Erfahrungen gemacht. Daran sind vor allem Nashville und die tollen Musikern dort, schuld. Es war so cool mit Dan Auerbach! Ich meine, wir kannten uns ja schon, weil ich vor einiger Zeit mal mit den The Black Keys auf Tour war. Dass nun zu vertiefen und dabei noch gute Songs machen, war genial. Ich konnte auch wirklich viel dazulernen.

Was ist so besonders an Nashville?

Nashville ist ganz anders als der Rest von Amerika und auch der Rest von der Welt. Es ist ein Ort voller Musik. Da herrscht so eine Wahnsinnsatmosphäre, also als Musiker muss man da einfach hin. Aber auch wenn man kein Instrument spielt – dort wird man echt cool und easy in die Gemeinschaft aufgenommen.

Wenn du gerade vom Musikersein sprichst: Wann hattest du diesen Augenblick, an dem du dir gesagt hast, dass du nun ein echter Musiker bist?

Mit 13 Jahren wusste ich es. Ich habe auch schon ewig Gitarre gespielt. Und als ich für mich beschlossen hatte, Musiker zu sein, tat ich alles, um sicherzustellen, dass ich das für immer mache. Ich wollte auch unbedingt Touren. Das macht mir nämlich am meisten Spaß. Da kann ich ja auch mittlerweile all meine Alben ineinanderfließen lassen und die alten Stücke im Stil der neuen wieder aufleben lassen. Ich habe das Gefühl, dass ich im Konzert besser verstanden werde. Mein liebster Live-Song ist übrigens „Kingpin“.

Kannst du dich an den ersten Song erinnern, den du geschrieben hast?

Ich glaube, er hieß „Atmosphere“. Es ging darin um das Gefühl von Nostalgie, wenn man über die Dinge in seinem Leben reflektiert, die einen glücklich machen. Es könnte sogar sein, dass der Song irgendwo im Internet herumschwirrt. Er ist aber nicht so toll. Aber das ist klar, dass ich das jetzt sage. Ich will mich ja auch immer weiterentwickeln. Veränderung ist mir wichtig. Sobald man seinen Stil etwas ändert, bleibt es interessant. Ich will auch nicht, dass ich von meinen Lieblingskünstlern ständig die gleiche Musik vorgesetzt bekomme. Es zeichnet einen guten Musiker aus, neue Umstände annehmen und adaptieren zu können.

Wer wäre in deiner Traumband?

In dieser sollten Jimi Hendrix Gitarre, Danny Thompson Bass, Robert Johnson Akustikgitarre und James Gadson Schlagzeug spielen. Letzterer hat ja wirklich schon auf meinem letzten Album gedrummt, was so cool war!

Woher hast du eigentlich dein ganzes Musikwissen?

Na aus dem Internet. Da habe ich alles von meinen Idolen aufgesogen. Ich schaute nach, wer sie beeinflusst hat und so ging das immer weiter. Ich guckte mir zig Dokus an, zum Beispiel über Leonard Cohen, um so viel über Musik zu erfahren, wie es nur irgendwie geht. Heute schaffe ich das leider nicht mehr so oft. Jetzt will ich meist einfach nur ein bisschen mit Computerspielen abschalten und keine neuen Infos in mich reinpumpen. (lacht)

Wie wichtig sind dir Album- und Songtitel?

Sie liegen mir schon am Herzen, aber es ist nicht leicht insbesondere einen Albumtitel zu wählen. Er muss ja alle Songs irgendwie mit einem Mal greifen können, er sollte also eine echte Bedeutung haben.

Du scheinst aber generell nicht so analytisch an die Sachen heranzugehen.

Wenn ich anfange, wirklich über Musik nachzudenken, ist das nicht gut. Meine Devise lautet: einfach machen. Sobald ich mit dem Schreiben beginne, schotte ich mich von allem ab. Der Ort, an dem ich dann gerade bin, ist ziemlich egal. Ich kann überall schreiben. Aber sobald es ums Beenden der Songs geht, werde ich doch etwas analytischer. Da muss ich auch mal Kompromisse machen.

Gibt es Kompromisse, die du nie eingehen würdest?

Ich mag es nicht, Leuten sagen zu müssen, dass sie großartig sind, nur weil sie es so gerne hören würden. Ich finde es nicht gut, wenn man mich zu etwas überreden möchte. Und wenn ich nicht glücklich bin, werde ich auch nicht für irgendwen lächeln. Das ist einfach nicht mein Ding.

 

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Rubrik  Interview    Autor      Datum  01. September 2017    Worte  870
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