Jackie: Die First Lady

Veröffentlichung  09. Juni 2017    Regie  Pablo Larraín    Darsteller  Natalie Portman  Billy Crudup  Peter Sarsgaard
Foto: Tobis Film
 IMDb-Wertung
Foto: Tobis Film

Natalie Portman zeigt uns alle Facetten der First Lady

Da ist alles dabei: Wir sehen Jackie Kennedy Onassis als Karrierefrau, als trauernde Witwe und anfangs sogar als verschüchterte Präsidentengattin. Dieser Film setzt ihr ein Denkmal für die Ewigkeit.

Am 22. November 1963 wird US-Präsident John F. Kennedy (Caspar Phillipson) mitten in Dallas, im US-Staat Texas, erschossen. Neben ihm: seine Frau Jackie (Natalie Portman). Diese hält ihren sterbenden Gatten noch in dem Armen und ist selbst ganz blutverschmiert. Der Film will aber nicht detailliert für uns die Abfolge des Attentats nacherzählen, sondern vielmehr die sieben Tage danach in den Fokus nehmen. Denn in diesen lernen wir Jackie sehr gut kennen. Wir sehen, wie sie eine Beerdigungszeremonie für ihren Mann auf die Beine stellt. Eine, die der von Abraham Lincoln in nichts nachsteht und mithilfe der man sich für immer gut an das Staatsoberhaupt erinnern kann. Wir sind aber auch ganz nah dabei, als sie ihre letzten Tage im Weißen Hause verbringt und sie immer noch nach außen hin versucht die Würde zu bewahren. Aber vor allem sind wir die Beobachter eines spannenden wie auch angespannten Interviews mit dem Journalisten Theodore H. White (Billy Crudup), der im Life Magazine über die schrecklichen Vorkommnisse aus der Sicht von Jackie Kennedy Onassis berichten möchte.

Der Ausnahmezustand wird in Ruhe gezeigt

Der chilenische Filmemacher Pablo Larraín (No, Post Mortem) hat sich mit seinem englischsprachigen Debüt gleich ein besonders schweres Thema ausgesucht. Die Geschichte der Kennedys ist gut bekannt und musste bereits oft genug für Filme herhalten – siehe JFK – Tatort Dallas (1991) oder auch Unternehmen Staatsgewalt (1973). Was will man dem nun hinzufügen? Larraín macht es richtig und hält sich gar nicht lange an dem eigentlichen Attentat auf. Er geht viel lieber immer wieder nah an Jackie heran, um so ein intimes Portrait zu zeichnen. Und dafür nimmt er sich Zeit, jede Menge sogar. Er lässt die Dialoge in den Hintergrund treten, um so mit der Kamera lieber erneut um das so expressive Gesicht von der Jackie spielenden Natalie Portman zu kreisen – und genau diese Ruhe weiß Eindruck zu machen!

Im Scheinwerferlicht

Natalie Portman haut als Jackie wirklich um. Sie gibt uns in der Laufzeit von über anderthalb Stunden eine große Vielfalt an unterschiedlichen Seiten der First Lady. Mal mimt sie die Eiskalte, dann die Glamour-Queen und gleich darauf eine unglaublich weiche, zerbrechliche Frau. Erst diese Widersprüche lassen das Werk zu etwas Außergewöhnlichem avancieren. Denn nimmt man es mal ganz genau, passiert in dem Film nicht sehr viel. Oftmals wirkt Pablo Larraíns Werk wie eine Aneinanderreihung wundervoll arrangierter Analogfotografien. Aber in diesen macht sich Portman perfekt. Sie lässt ihre Figur zu einem echten Star werden – verständlich und unnahbar zugleich.

Jackie: Die First Lady ist das Psychogramm einer Frau, die ambivalenter nicht hätte sein können. Genau das macht das Drama auch so sehenswert. Wir dürfen einmal extrem nah an die damalige Ehefrau von John F. Kennedy herantreten, ohne jedoch helfen zu können, als ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  09. Juni 2017    Worte  492
Permalink  http://www.farbensportlich.de/jackie/    Farbe  #456455
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