Jack und Jill

Veröffentlichung  26. Januar 2012    Regie  Dennis Dugan    Darsteller  Adam Sandler  Katie Holmes  Al Pacino
Adam Sandler
 IMDb-Wertung

Verrückte Geschwisterliebe

Es ist mal wieder Zeit für die jährliche Adam Sandler-Komödie. Nach Meine erfundene Frau (2011), Kindsköpfe (2010) und Wie das Leben so spielt (2009) wird der 45-jährige Sandler in Jack und Jill gleich doppelt gefordert. Denn er schlüpft in die männliche und weibliche Hauptrolle des ungleichen Geschwisterpärchens. Die Regie übernahm in der siebten gemeinsamen Produktion Sandlers Stammregisseur Dennis Dugan (Leg dich nicht mit Zohan an, Happy Gilmore).

Der alljährliche Festtagsbesuch von Jacks Zwillingsschwester Jill (beide gespielt von Adam Sandler, Meine erfundene Frau) steht vor der Tür. Die erzwungene Familienpause passt Werbefachmann Jack gerade gar nicht, da er händeringend versucht Hollywoodikone Al Pacino (spielt sich selbst) für einen Werbespot zu gewinnen. Bei einem gemeinsamen Baskettballspiel lernt der realitätsfremde Al Pacino allerdings Jacks ungewöhnliche Schwester Jill kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Jacks versucht fortan Jill mit allen Mitteln für den Star zu begeistern, da der so wichtige Werbedeal für die Fast-Food-Kette Dunkin Donuts mit ihrer Zuneigung steht oder fällt. Seine Frau Erin (Katie Holmes, Batman Begins) und die beiden Kindern wollen Jill jedoch einfach nur eine tolle Zeit mit der Familie ermöglichen. Jack muss erst noch herausfinden, worin sein größeres Interesse liegt.

Jack und Jill gilt weitläufig als der schlechteste Adam Sandler-Film aller Zeiten. Die Kritiker sprechen eine Sprache, Mary Pols vom Time Magazine sagt: “More than 24 hours has passed since I watched the new Adam Sandler movie, and I’m still dead inside”, Peter Travers vom Rolling Stone führt weiter aus: “On a scale of 1 to 10 on the laugh meter, ‘Jack and Jill’ is a negative 10. A total bust, a stupefyingly unfunny and shamelessly lazy farce packed with cringe-worthy jokes and overt product placement.” Ja, der Film wirft mit abgedroschenen Zoten nur so um sich, doch kann man ihm auch die liebevollen Details zu Gute halten, die Sandler und Dugan der Geschwisterthematik abgewinnen können. Eingebettet in Statements echter Zwillinge wird vor und nach dem Film das richtige Gefühl davon vermittelt, wie stark die Bindung zwischen Zwillingen ist: auf der einen Seite hasst man sich, aber ohne den anderen würde es auch nicht gehen. So erzählt Jack und Jill auch eine Geschichte von Bruder und Schwester, die sich über die Jahre entfremdet haben und nun wieder zueinander finden. Während Jack sein Glück im sonnigen Los Angeles gefunden hat, opferte Jill ihre Träume und blieb bei der Mutter in der Bronx zurück. Unfähig persönliche Beziehungen einzugehen, wird sie seit jeher nicht nur von ihrem Bruder in eine Aussenseiterrolle gedrängt. Die gemeinsame Zeit erinnert sie daran, was ihnen aneinander gefehlt hat. Durch sympatische Ticks, wie der eigenen Zwillingssprache oder den beiden Kindern (sie trägt die gleichen Kleider wie ihre Puppen, er klebt sich ständig Dinge an den Körper), vermittelt Jack und Jill ein stimmiges wie auch kunterbuntes Bild einer Geschwisterbeziehung, die auch technisch einwandfrei in Szene gesetzt wurde. In keiner gemeinsamen Einstellung fällt Sandlers Doppelrolle als störender Verkleidungstrick auf. So schwer er als Frau auch zu ertragen ist, so natürlich fühlt sich die Interaktion der beiden Rollen an.

Adam spielt keinen Mann, der sich als Frau verkleidet; er spielt eine Frau. Er sollte nicht wie eine Transe wirken – wir wollten eine weibliche Persönlichkeit erschaffen, mit speziellen Eigenschaften und Charakterzügen. Andererseits konnten wir uns einen Spaß daraus machen, dass sie genau wie ihr Bruder aussieht. Jill ist eben nicht gerade eine recht feminine Fau. (Kostümdesignerin Ellen Lutter)

Kurzum werden Leute, die nichts mit Sandlers Humor anfangen können, auch mit diesem Film nicht ihr Seelenheil finden. Die Witze werden obendrein sketchartig aneinander gereiht und sind zu einem großen Teil schon aus dem Trailer bekannt (eine Unart von Hollywood “das Beste” vorweg zu nehmen). Doch trotzdem hat Jack und Jill auch seine schönen Momente und bereitet Freude – besonders in Form von Al Pacino, dem Godfather (spielte den Paten in der gleichnamigen Triloge), der sich selbst als eine besessene Figur verkörpert, die schlichtweg den Verstand verloren hat. Allein die letzte Szene mit ihm ist es wert sich Jack und Jill anzuschauen.