Inherent Vice – Natürliche Mängel

Veröffentlichung  25. Juni 2015    Regie  Paul Thomas Anderson    Darsteller  Joaquin Phoenix  Josh Brolin  Owen Wilson
Foto: Warner Bros. Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Warner Bros. Pictures Germany

Paranoia, Paranoia… Wohin man auch den Blick in den Swinging Sixties schweifen lässt: der Drogenkonsum hat seine Spuren hinterlassen. Auch Privatdetektiv Larry “Doc” Sportello (Joaquin Phoenix, Walk The Line) bleibt nicht von irren Wahnvorstellungen verschont. Oder passiert ihm am Ende doch noch all dieses Unheil in Wirklichkeit?

Erst klopft seine schöne Ex Shasta Fay Hepworth (Katherine Waterston, Boardwalk Empire) an die Tür und erzählt von ihrer Beziehung zu einem Immobilienhai namens Mickey Wolfmann (Eric Roberts, The Dark Knight). Die Liebe ist sogar so groß, dass sie den alten Herren um sein Vermögen erleichtern und danach in die Psychiatrie stecken möchte. Man beachte: diese Untat soll gemeinsam mit Wolfmanns Ehefrau (Serena Scott Thomas) und deren Liebhaber über die Bühne gehen. Irgendwas kann daran doch nicht stimmen, oder? Sportello will den neuen Mann an Shastas Seite trotzdem einmal genauer unter die Lupe nehmen. Doch kaum beginnt er mit dem Herumschnüffeln, verschwindet Wolfmann auch schon von der Bildfläche, Shasta ebenfalls. Bevor er aber dahinter kommt, was hier eigentlich für ein Spiel gespielt wird, macht ihm Hippie-Hasser und Superpolizist Christian “Bigfoot” Bjornsen (Josh Brolin, No Country for Old Men) das Leben zur Hölle. Das kann doch alles kein Zufall sein…

Magnolia-Regisseur Paul Thomas Anderson denkt gar nicht erst daran leichte Kost abzuliefern. Und eine schnöde eins zu eins Thomas Pynchon-Romanadaption ist auch nicht gerade seine Kragenweite. Schräg statt Mainstream lautet hier das Stichwort. Anderson hat zuletzt mit The Master unter Beweis gestellt, dass er Gefallen an undurchsichtigen Storys und einem großen Ensemble hat. Bei Inherent Vice – Natürliche Mängel legt er nun noch eine ordentliche Schippe oben drauf. Was für ein Trip! Bei der Erzählerstimme von Sängerin Joanna Newsom angefangen, über den vordergründigen Einsatz der psychodelischen Musik (der Soundtrack wurde von Radioheads Jonny Greenwood komponiert), bis hin zur Wahl der Schauplätze (träumerisch: Gordita Beach, Los Angeles). Zusammengenommen ergibt sich ein Werk, das weniger Detektiv-Arbeit als eine riesengroße Drogenwolke darstellt. Das schauspielerische und dialogische Verwirrspiel lädt vor allem dazu ein sich zurückzulehnen, ein bisschen dümmlich über die ironischen Seitenhiebe zu kichern und insbesondere nicht zu versuchen alles verstehen zu wollen – denn dann ist Paul Thomas Andersons neuester Streich erst so richtig gut.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  24. August 2015    Worte  356
Permalink  http://www.farbensportlich.de/inherent-vice/    Farbe  #3c6579
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