Husky

Album  Ruckers Hill    Veröffentlichung  10. April 2015
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Jetlag, der größte Feind des Musikers. Auch Husky Gawenda und Gideon Preiss sind vor den Tücken, die ein so endloser Flug von Australien nach Deutschland mit sich bringt, nicht gefeit. Sie reiben sich die Augen, trinken unentwegt Wasser und machen immer wieder ein paar schräge Witze zur Aufmunterung – diese Überlebenstipps haben die Zwei sichtlich perfektioniert. Außerdem steht ihnen noch ein Konzert im FluxBau sowie eine Handvoll Interviews in Berlin bevor. Dafür müssen sie einfach fit sein. Also, auf geht’s: Husky stellen sich als wahre Profis heraus und wollen ihr Gegenüber auch unbedingt für ihr neues Album Ruckers Hill begeistern. Und das schaffen sie schließlich auch mit links.

Mit „Saint Joan“ von eurer neuen Platte konntet ihr 2014 die „Vanda and Young Songwriting Competition“ für euch entscheiden. Nach der Preisübergabe meintet ihr, dass ihr absolut keine Ahnung hättet, worin man die 50.000 Dollar investieren könnte. Liegt das Geld nun immer noch gut sortiert unter eurem Bett zu Hause?

Husky Gawenda: Ja, sollen wir dir jetzt unsere Adresse nennen? (lacht) Es ist wirklich schwierig zu sagen, was man damit machen soll. Es gibt schier unendlich viele Möglichkeiten! Um sich auch außerhalb von Australien Gehör zu verschaffen, muss man ziemlich viel Geld in die Hand nehmen. Und wir haben allein deshalb in der Vergangenheit schon einen großen Batzen an Schulden angesammelt. Gute Gitarren und Keyboards sind zudem auch sehr teuer… Wir könnten das Preisgeld also ohne Problem in nur einer Minute ausgeben. Nur haben wir uns vorgenommen ein bisschen vorsichtiger zu sein. Obwohl wir ja eigentlich damit ins Casino wollten, aber unser Manager hat uns davon abgeraten. Dabei dachte ich, dass wir das Geld dort verdoppeln würden… (lacht) Aber natürlich hat er Recht: Wenn wir am Ende alles verspielen, müssten wir unser nächstes Album noch auf dem iPhone aufnehmen und es „iPhone 7“ nennen. (lacht)

In einem Interview zu dem Gewinn hieß es von eurer Seite auch, dass ihr nun auch versuchen wollt mehr an andere Songschreiber zurückzugeben. Habt ihr schon damit begonnen?

Husky: Klar, es ist schön, wenn mehr Songschreiber anerkannt und unterstützt werden. Wir brauchen nämlich noch viel mehr davon auf der Welt! Aber habe ich angefangen zurückzugeben? Ich weiß nicht… Im Moment bin ich sehr darauf fokussiert gute Musik zu machen und hoffe, dass dadurch eine Verbindung zu anderen Menschen entstehen kann.

Wann fühlt es sich für euch nach „guter Musik“ an?

Gideon Preiss: Das ist etwas, das weiß man einfach wenn es passiert. Auch wenn dies nicht oft der Fall ist. Für die Realisierung eines Albums benötigt man unzählige Stunden des Neuschreibens und Neuarrangierens. Nur in den wenigsten Momenten hat man das Gefühl etwas wirklich Gutes zu kreieren. Aber genau dieser kleine Funke lässt einen dann weitermachen…

Husky: Aber auch der Augenblick, in dem jemand zu dir kommt und sagt, wie viel ihm deine Musik bedeutet. Das ist einfach der Wahnsinn!

Seid ihr auch schon einmal zu einem Musiker gegangen und habt ihm von eurer Liebe zu seiner Musik erzählt?

Husky: Wir haben natürlich auch Helden. So wie Leonard Cohen. Der ist immer toll. Aber auch aktuell Jonathan Wilson und Father John Misty. Super Alben! Ihre Arbeit ist absolut inspirierend. Aber ich muss nicht unbedingt nach einem Konzert zu ihnen hingehen und sagen wie gut ich sie finde. Dann würde ich doch schon eher mit ihnen kollaborieren wollen.

Gideon: Ich finde es auch sehr wichtig Vorbilder zu haben. Denn sie können dich fördern. Dich besser machen. Und das ist genau das, was Kunst kann. Sie erbaut. Sie bringt dich an einen guten Ort.

Kunst ist bei euch sehr positiv belegt.

Gideon: Ja! Kunst macht es schließlich möglich eine ganze Bandbreite an Gefühlen zu fühlen.

Husky: Genau. Sie kann dich aus deiner Komfortzone herausbringen, weil sie dich mit Gefühlen konfrontiert, denen du sonst vielleicht aus dem Weg gegangen wärst. Manchmal braucht man so etwas, auch wenn es bedeutet traurig zu sein. Das kann wirklich gut tun. Ich werde oft gefragt, ob ich eine melancholische Person bin, weil ich so viele melancholische Songs schreibe. Aber ist es nicht eh so, dass es in einem Großteil der Kunst darum geht, traurig zu sein? Das ist doch ein Gefühl, das wir alle kennen. Und wir können uns dadurch besser miteinander verbinden.

Mich würde interessieren was es mit der Textzeile „My hometown has cursed me“ in „I’m Not Coming Back“ auf sich hat?

Husky: Es geht darum, dass es oft so scheint als würde nichts so klappen wie man es sich vorgestellt hat. Da kann man sich schon mal wie verflucht vorkommen. Man fragt sich dann was man getan haben muss, das man so viel Schlechtes verdient hätte? In „I’m Not Coming Back“ mache ich meine Heimatstadt dafür verantwortlich. Denn es ist einfacher nur die Stadt zu beschuldigen. Diese kann man ja auch schnell wieder verlassen. Dabei müsste man den Grund für die Probleme meist bei sich selbst suchen. Aber diese Konfrontation sieht um einiges schwieriger aus. Vor sich selbst kann man auch nicht wegrennen…

Und wie fühlt ihr euch jetzt?

Husky: Gut und schlecht zugleich. Dieser verdammte Jetlag… Eigentlich haben wir uns sehr auf die Zeit in Berlin gefreut…

Habt ihr auf dem Flug hierher ein paar spannende Filme angeschaut?

Gideon: Ja, wir haben uns Whiplash und Wild angeschaut. Zwei großartige Filme!

Ich könnte mir eure Musik sehr gut zu einem Film wie Wild vorstellen. Wem würdet ihr danken, wenn ihr einen Oscar für die beste Filmmusik gewinnen würdet?

Husky: Natürlich unseren Familien, weil sie uns immer so gut es geht unterstützen. Aber kannst du dich zufällig noch an die Rede von Cuba Gooding Jr. erinnern als er 1997 den Oscar als Bester Nebendarsteller für Jerry Maguire bekam? So eine Rede würde ich auch halten. Er schrie die ganze Zeit nur völlig aufgeregt: „Wow! Wow! Ich liebe jeden! Wow! Ich liebe Gott! Wow!“ Und selbst als schon wieder die Musik anging, machte noch für weitere fünf Minuten so weiter. (lacht)

Fühlt ihr euch denn mit eurer Musik ausreichend wertgeschätzt?

Gideon: Auf jeden Fall. In Australien werden wir bestens gefördert und können außerdem viel reisen. Das lieben wir! Es warten auch überall immer ziemlich viele Fans auf uns, die uns sehnlich erwarten und viel Merchandise kaufen. (lacht)

Husky: Jedes Mal, wenn ich auf der Bühne stehe, kann ich es gar nicht glauben, dass da wirklich so viele Leute vor mir stehen, die sich unsere Musik anhören. Das macht mich glücklich.

Bei eurem letzten Album habt ihr euch beklagt, dass es schwierig war an gutes Equipment heranzukommen. Hat sich eure Lage diesbezüglich, auch durch den unverhofften Geldsegen, verbessert?

Husky: Irgendwie haben wir trotzdem vieles genauso gemacht wie beim letzten Mal. Klar, manche Sachen haben wir in einem vernünftigen Studio aufgenommen. Aber das Meiste entstand dann doch wieder in meiner Wohnung. In einem kleinen, einfachen Studio außerhalb von Melbourne. Wir mögen es eben gern etwas intimer.

Aber ihr hattet schon ein bisschen bessere Möglichkeiten als nur eure iPhones, oder?

Husky: Schon, aber einen Song haben wir tatsächlich mal nur mit dem iPhone aufgenommen. Da haben wir bis drei gezählt und dann alle zusammengespielt. Das hat sogar richtig gut geklungen. Danach haben wir wirklich darüber geredet wie es wohl wäre, wenn wir nur mit unseren iPhones ein Album aufnehmen würden. Und wieso eigentlich nicht? Die Option steht also noch im Raum.

Habt ihr vor irgendetwas in der Zukunft richtig Angst?

Gideon: Die ganze Welt ist verdammt beängstigend!

Husky: Ein neues Album zu machen, ist immer beängstigend. Ich habe jeden Tag Angst, wenn ich mich hinsetze und versuche einen Song zu schreiben. Auf dieses weiße Blatt Papier zu starren, macht Angst. Man weiß einfach nie, wann einen die Muse küssen wird. Und oft genug fühlt es sich so an, als würde das nie passieren. Dann beginnt man zu glauben, dass einem nie etwas einfallen oder man nie etwas Gutes schreiben wird. Aber zum Glück kommt immer was! Der Trick ist, einfach dazusitzen und es auszuhalten. Irgendwann geht es schon los. Selbst Picasso hat gesagt, dass die Kreativität dich erst finden muss. Du kannst also nicht einfach erwarten, dass sie immer einfach da ist. Du musst dasitzen und sie auf dich zukommen lassen. Ohne Ablenkung. Und nicht zwischendrin noch bei gutem Wetter schwimmen gehen. (lacht)

Gideon: Genau. Wenn du etwas erreichen willst, auf das du wirklich stolz sein kannst, musst du eben auch richtig hart dafür arbeiten.

 

 

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Rubrik  Interview    Autor      Datum  07. April 2015    Worte  1,350
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