Das 2008er Drama von der französisch-schweizerischen Regisseurin Ursula Meier lebt von in sich ruhenden Bildern, wundervoll inszeniert. Man wird eingesogen in eine ferienartige Zurückgezogenheit, atmet flirrend heißen Freiheitsduft mit ein und aus. Selbst der Titel Home suggeriert eine intime Wohlfühloase. Nur sieht Isabelle Huppert, Mutter zweier Töchter sowie eines kleinen Sohnes alles andere als nach blühenden Leben aus. Ihre Erscheinung wirkt erschreckend abgemagert, die Augen sind von tiefdunklen Schatten umgeben. Man ahnt Schlimmes. Und so soll es schließlich auch kommen. Die ehemals stillgelegte wird im Handumdrehen zu einer stark befahrenen Fahrbahn samt langanhaltenden Urlaubstaus. Die zusammengeschweißte Familie scherzt zuerst, verzweifelt bald und mauert schlussendlich dagegen. Was zuerst nach einem kuscheligen Familienabend aussieht, wird bald zum Alptraum und so recht weiß man nicht wer hier zuerst verrückt wird. Ursula Meier zeichnet ein beängstigendes Bild von dem Begriff Heimat. Ist es nicht selbstverständlich wegzuziehen, sobald das zu Hause gar nicht mehr der eigenen Erholung dienlich ist? Nun gut, die älteste Tochter Judith (Adélaïde Leroux) stört sich recht wenig an den Gaffern, die ihr aus dem LKW heraus zuhupen, sobald sie sich im knappen Bikini unter freiem Himmel stundenlang sonnt. Also alles eine Einstellungssache? Jeder in der Familie versucht auf seine Weise verbissen dem normalen Alltag nachzugehen. Doch unter der lustig fröhlichen Oberfläche brodelt es. Klaustrophobie und Stress überwiegen schon bald nicht mehr nur bei den Hausinsassen, sondern auch beim besorgten Betrachter. Wohin soll das führen? Die Frage stellt man sich mehr als nur ein Mal und Home ermöglicht die vielfältigsten Perspektiven der Betrachtung. Umso bedauernswerter ist es, das die DVD keinerlei Zusatzfeatures liefert und somit den gebannten Zuschauer hilflos im Sessel zurücklässt.