Halbe Brüder

Veröffentlichung  29. Oktober 2015    Regie  Christian Alvart    Darsteller  Paul Würdig  Fahri Yardim  Tedros Teclebrhan
Foto: Universal Pictures Germany Foto: Universal Pictures Germany

Blut ist dicker als Wasser

Das kommt dabei heraus, wenn sich ein Tatort erprobter Regisseur, Deutschlands bekanntester Rapper, ein YouTube-Star und ein professioneller Schauspieler für ein Roadmovie zusammentun.

Julian (Paul Würdig, besser bekannt als Sido), Yasin (Fahri Yardim) und Addi (Tedros „Teddy“ Teclebrhan) haben nichts gemeinsam – außer ihrer Mutter. Die war zwar Nonne, hat es mit dem Enthaltsamkeitsgelübde allerdings nicht allzu ernst genommen. Nach ihrem Tod lernen sich die Männer überraschend beim Notar kennen und wollen am liebsten sogleich wieder ihrer Wege gehen. Doch es wartet ein ansehnliches, aber gut verstecktes Erbe auf sie. An dieses ist jedoch nur ein Herankommen, wenn sie von nun an zusammenarbeiten. Lust hat darauf eigentlich keiner, aber alle können das Geld in ihrer aktuellen Lage gut gebrauchen. Julian hat es sich mit einem rachsüchtigen Geldeintreiber verscherzt, Yasin möchte aus dem Schatten des reichen Adoptivvaters treten und Addi will damit endlich seine HipHop-Karriere starten. Ihr Weg zum Geldsegen führt sie nicht nur quer durch die Republik, sondern auch an den Rand des Wahnsinns.

Profis und Schauspiel-Amateure auf Augenhöhe

Für Publikumsliebling Sido, der mit seiner ersten Hauptrolle im Film Blutsbrüdaz 2011 gleich mal eine halbe Million Menschen ins Kino lockte, ist die Schauspielerei eine gelungene Abwechslung. Nach vier Soloalben fühlt sich der Berliner Rapper auch auf der großen Leinwand immer wohler. Dort scheint er als immer etwas hinterlistiger Typ seine ganz eigene Charakternische gefunden zu haben, in die sich ebenso seine neue Figur, der Trickbetrüger Julian, einfügt. Fahri Yardim tauchte als ausgebildeter Schauspieler dagegen schon häufig an der Seite von Til Schweiger und Co. auf. Entgegen seiner quirligen Natur verkörpert er in Halbe Brüder jedoch einen Spießer mit Autoritätsproblem. Ganz im Gegenteil zu Tedros „Teddy“ Teclebrhan, der es als Comedian bereits gewohnt ist auf der Bühne zu stehen und für den Film noch eine Schippe Dreistigkeit drauflegen durfte. Der Möchtegern-HipHopper konnte vor der Kamera vor allem mit seinem Improvisationstalent punkten. Autor und Regisseur Christian Alvart ist besonders stolz auf solche „Meta-Jokes“, die allein darauf basieren, dass das Trio ein bisschen gegen seinen eigentlichen Typ besetzt wurde. So tut Sido im Film etwa so als hätte er so gar keine Ahnung von HipHop und scherzt naiv über Klischees des Genres.

Familie ist, was du daraus machst

Halbe Brüder erzählt eine Geschichte über einen Deutschen, einen Türken und einen Afrikaner, die mit der Zeit zu echten Brüdern werden. Auf ihrem Weg von Berlin über Frankfurt und Köln bis in den Norden auf die Insel Fehmarn werden die Drei vor große Probleme gestellt, die sie nur lösen können, wenn sie an einem Strang ziehen. So kommen die Männer sich nicht nur von Etappe zu Etappe immer näher, sondern erfahren auch, was Familie für sie bedeutet. Für den Zuschauer ist dieser kurzweilige Trip nicht nur amüsant anzuschauen, sondern auch als Einladung zu verstehen mehr über das eigene Familienbild nachzudenken.

Bunte Culture-Clash-Komödien stehen gerade hoch im Kurs des Publikums. Halbe Brüder springt auf diesen Zug auf, gewinnt mit einer stimmigen Besetzung und bietet eine spaßige Zeit auf der Couch.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  29. Oktober 2015    Worte  492
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