Grand Budapest Hotel

Veröffentlichung  05. September 2014    Regie  Wes Anderson    Darsteller  Ralph Fiennes  Tony Revolori  Willem Dafoe
Foto: Fox Searchlight Pictures
 IMDb-Wertung
Foto: Fox Searchlight Pictures

Der Film mit der toten Katze

Alles beginnt und führt zu Gustave H. (Ralph Fiennes, James Bond 007 – Skyfall). Einem Mann, den die Frauen lieben. Zumindest die alten, runzligen. Eine davon ist Madame D. (Tilda Swinton, We Need to Talk About Kevin). Auch sie begibt sich in die Arme des Gentlemans und somit in sein Hotel – das rosarot strahlende Grand Budapest Hotel in dem Bergdorf Nebelsbad. In eben dieser pittoresken Szenerie fängt Zéro Moustafa (Tony Revolori, The Perfect Game) im Jahr 1932 als Lobby Boy an. Gustave H. nimmt sich auch seiner an und avanciert zum Mentor des familienlosen Jungen. Er lehrt ihn die Wichtigkeit von Verschwiegenheit sowie unsichtbar und unverzichtbar zugleich zu sein. Doch als Madame D. kurz nach ihrer Abreise in ihrem eigenem Wohnsitz tot aufgefunden wird, kann Gustave H. nicht länger seine Aufgabe als Gönner der Unbeachteten erfüllen. Denn zum einen wird er des Mordes beschuldigt und zum anderen ist ihm, nachdem er ein wertvolles Gemälde der Madame geerbt hat, die eifersüchtige Familie der Verstorbenen (allen voran Adrien Brody, Der Pianist, als Sohn Dmitri) auf den Fersen. Was folgt, ist eine atemlose Hetzjagd, bei der Gustave H. und sein Protegé Zéro ein ums andere Mal ihr vielseitiges Können unter Beweis stellen müssen.

Grand Budapest Hotel ist ein Film über Alleinstehende, über Starke, über Grusel und Historie, Einzelgänger und Familienbande. Ab der ersten Minute besteht kein Zweifel daran, das es sich um ein Werk von Braunton-Träger Wes Anderson handelt. Gestelzte Dialoge von Individuen mit mutigem Kleidungsstil und verpfuschter Biografie vor Puppenzimmer-Szenenbild sind ganz klar Anderson-Stereotype (siehe Die Royal Tenenbaums, Darjeeling Limited oder auch Moonrise Kingdom). Genauso wie die Wahl des Ensembles. Von Bill Murray (Lost in Translation) über Owen Wilson (Midnight in Paris) bis Jason Schwartzman (Bored to Death) ist fast alles in den rund anderthalb Stunden dabei. Aber bei einer näheren Betrachtung entziehen sich die meisten Figuren dem Zuschauer, lassen nur auf einen ersten Blick verzaubern. Beständiger zeigt sich da schon eher die Landschaft, die bei einer Skipisten-Verfolgungsfahrt genauso die kleinen Menschlein zu verschlingen droht wie das verschachtelte Hotel selbst. Die Bilder sind stets übergroß und protzig. Sie stehen in Konkurrenz mit der in Zwiebeltechnik vorgetragenen, wortreichen Handlung. So beschenkt Wes Anderson wieder einmal das Publikum mit Überforderung, die einen zweiten und dritten Guck-Anlauf unausweichlich werden lässt.