Goose

Album  Synrise    Veröffentlichung  18. Oktober 2010
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

The Rising of the Synths

Höher, besser, schneller, Goose! Sie sind die belgischen Pioniere an den Synthesizern. Zweimal das gleiche Album machen, liegt dem Quartett nicht. Und so läutet Synrise eine neue Ära ein. Voller Siebziger und Achtziger Einflüssen sind sie nun mehr Disco denn je. Schon im Titel des ersten Songs besingen sie ihr Motto „Can’t stop me now”. Richtig so! Nach all der Tourerei konnten sich Goose endlich neuen Klangideen widmen. Während der Tour wäre es für sie unmöglich gewesen neues Material zu schreiben. Die Fans, die einfach nicht genug bekommen konnten von den Livequalitätealn der Band, sind also selbst Schuld! Letzten Endes hat sich aber die Wartezeit gelohnt und Bert, Mick, Tom und Dave warten mit einem Brett an Album auch zum Zuhause genießen auf.

Es freut mich sehr, dass ihr Zeit habt, um unser Magazin mit einigen Worten von euch zu bereichern. Euer Album Synrise ist seit dem 18. Oktober draußen und ihr spielt einige Shows in Europa. Das ist doch eine wunderbare Ausgangssituation für ein Interview!

Ja, ist es!

Nach all den Jahren, die eure Band nun schon existiert: was bedeutet Goose für euch?

Wir haben als eine Gruppe von Freunden begonnen, die zusammen Musik kreieren und spielen wollten. Nicht einfach nur als Hobby, viel eher spürten wir das Bedürfnis uns auszudrücken. Dies ist noch heute der Fall. Als wir „Bring it on” veröffentlichten, fanden wir ein Publikum, das unsere Musik schätzt. Von da an waren wir befähigt unsere Musik mit anderen durch Konzerte, DJ-Sets, Remixe und Alben zu teilen.

Wolltet ihr im Studio ein perfektes Livealbum erschaffen?

Als wir an Synrise arbeiteten, dachten wir nicht zu viel darüber nach wie es wohl live klingen würde. Das hätte uns kreativ zu sehr eingeschränkt. Auf der anderen Seite LIEBEN wir es Liveshows zu spielen! Die „Bring it on”-Tour machte es möglich, dass wir in die verschiedensten Länder und Kontinente reisen konnten, wo wir dann so viele neue Menschen kennenlernten. Dies alles waren auch Einflüsse. Das ist der Grund warum Synrise so viel mehr Liveinstrumente enthält als das vorherige Album. Diesmal gingen wir in ein anständiges Aufnahmestudio, die JET Studios in Brüssel. Diese Studios haben einen großartigen Soundraum, wo wir echte Drums aufnehmen konnten, um einen natürlichen, analogen, liveklingenden Sound herzustellen. Das kann man zum Beispiel in „After” hören.

Denkt ihr, dass eure Musik mit derselben Intensität wirkt, wenn man sie zu Hause anstatt im Club hört?

Es ist definitiv ein Album, das man zu Hause hören kann. Man kann sich im Sofa zurücklehnen und sich vom Album auf eine musikalische Reise mitnehmen lassen. Die Songs sind ziemlich visuell, fast schon wie ein Soundtrack zu einem Film, der nicht existiert. Andererseits enthält das Album auch sehr viele Clubtracks. Zum Beispiel der Titeltrack „Synrise” oder auch „Words”. Wir lieben es immer noch die Leute zum Tanzen zu bringen!

Was ist harte Musik für euch? Ist eure Musik nach diesem Verständnis hart?

Harte Musik hat eine bestimmte Wirkung auf den Zuhörer. Hart kann gut sein, besser als Licht. Zum Beispiel „Words” kann als harter Track angesehen werden, weil es in gewisser Hinsicht ein extremer Song ist. Im Besonderen wenn du den Song zum ersten Mal hörst, kriegt er auf jeden Fall die komplette Aufmerksamkeit.

Da euer zweites Album noch nicht all zu lange in den Läden steht, sei die Frage gestattet, was es denn nun genau mit dem Albumtitel auf sich hat?

Nun ja, es kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Es kann als „rising of the synths” verstanden werden, was sehr präsent auf dem Album ist. Da ist dann auch noch das Wort „sin” in „Synrise”, was für das Düstere des Albums steht. Jeder Song ist zum Beispiel in Moll geschrieben. Doch neben all der Dunkelheit enthalten die Songs auch viel Hoffnung.

Es ist also für jeden was dabei! Das bringt mich zu der Frage, ob ihr beim Songs Schreiben und Aufnehmen eure Fans immer im Hinterkopf habt?

Der Prozess sieht so aus, dass wir uns zum Schreiben und Aufnehmen im Studio einschließen. Wir wollen zu viele äußerliche Einflüsse vermeiden. Deshalb haben wir diesmal auch niemanden zum Probehören eingeladen. Wir fühlten, dass das etwas ist, das wir komplett allein machen müssen. Erst als alles fertig war, waren wir auch bereit loszulassen und mit unseren Freunden und Fans zu teilen.

Wie sind die Reaktionen auf Synrise bis jetzt?

Die meisten Reaktionen sind sehr gut. Einige Leute hatten wohl erwartet, dass wir ein „Bring it on volume 2″ veröffentlichen würden. Diese Leute sind jetzt wahrscheinlich enttäuscht. Aber wir wollten uns nicht wiederholen. Für uns wurde es Zeit für etwas Neues. Etwas, dass uns reizen konnte. Und es scheint als würden die meisten Menschen diesen Gedanken zu schätzen wissen.

Wie geht ihr mit Komplimenten und Kritik um?

Wir sind alle Vier sehr bodenständig. Manchmal vielleicht sogar etwas zu bescheiden. Als wir zum Beispiel eine Show auf einem Festival vor absolut wahnsinnigen 10.000 Leuten spielten, kam danach jemand zu uns, um uns zu gratulieren und unsere Reaktion darauf war nur: „Danke, wir glauben es war ok.” Wenn wir auf der Bühne sind, haben wir nicht viel Zeit, um das Publikum zu fokussieren, weil wir höchstkonzentriert sind und außerdem die Lichter einen ziemlich blind machen und somit die Sicht auf die Leute verhindern. So gibt es meist erst im Bus den Moment, wenn wir die DVD der Show sehen und wir denken: „Oh Gott, guck dir all die Leute an, die ganz wild sind, das ist großartig!” Nach der „Bring it on”-Tour realisierten wir, dass wir nicht vergessen sollten uns selbst zu genießen, gerade weil auf Tour einfach alles ziemlich hektisch ist. Wir wissen auch, dass nicht jeder unsere Musik mögen kann. Deshalb ist es für uns klar, dass Leute uns auch kritisieren. Kritik kann auf der einen Seite nützlich sein und man lernt davon, aber manche Kritik macht leider auch keinen Sinn und dann ignorieren wir das einfach.

Wie habt ihr euch im Studio eine Atmosphäre erschaffen, in der ihr kreativ und produktiv werden konntet?

Nachdem wir einen Großteil der Songs geschrieben und die Demos in unseren Homestudio aufgenommen hatten, zogen wir in ein professionelles Studio, die JET Studios um, um dort das Album mit nur sechs Wochen Zeit aufzunehmen. JET ist ein sehr magischer und atmosphärischer Ort, der reich an Geschichte ist. Es ist das älteste Studio in Belgien, wo schon Edit Piaf und The Rolling Stones in früheren Tagen aufgenommen haben. Songs wie „Words” und „Hunt” hätten wir nicht machen können ohne diesen speziellen Vibe.

Wo ihr gerade von „Words” sprecht: wie wichtig sind euch denn die Worte zu euren Songs?

Die Musik kommt zuerst, dann die Texte. Die Musik diktiert wie die Texte sein sollten. Manchmal werden die Worte zum Zentrum des Songs, manchmal ist gar kein Bedürfnis an Worten vorhanden und dann lassen wir denn Song als Instrumental.

Mit eurem Erstling „Bring it on” habt ihr seit 2007 live gespielt. Wie konntet ihr jede Nacht die gleichen Songs spielen? Wie habt ihr es für euch selbst jedes Mal auf’s Neue interessant machen können?

Die Songs haben sich sehr weiterentwickelt während der Tour. Da wir die Songs ständig live spielten, gab es auch eine konstante Entwicklung. Wir fügten kleine Dinge hinzu, manchmal zum ersten Mal mitten in der Show und konnten so sofort die Reaktionen beim Publikum sehen.

Könnt ihr mir eine positive Wendung in eurer Bandgeschichte nennen?

Die Möglichkeit Shows in Japan und Australien zu spielen, war einfach nur fantastisch!

Auf Tour verbringt ihr viel Zeit im Tourbus. Was macht ihr in all der Zeit im Bus, um euch bei Laune zu halten?

Wir schauen sehr gern Filme im Bus. Oft versuchen wir auch einfach nur etwas Schlaf während der Fahrt abzukriegen. Manchmal reden wir über Leute, die wir bei der letzten Show getroffen haben oder erzählen einander irgendwelche dummen Geschichten…

Ihr habt Remixe für die unterschiedlichsten Künstlern gemacht – zum Beispiel für die Scissor Sisters und Shitdisco. Habt ihr euch Bands ausgesucht, die ihr besonders mögt oder wie habt ihr die Songs ausgewählt?

Wenn wir Remixe machen, müssen wir eine bestimmte Verbindung mit einem Song oder Künstler fühlen. Manchmal fertigen wir Remixe an, weil der Künstler ein Freund von uns ist oder weil wir einfach den Song sehr genießen und denken, dass wir noch etwas hinzufügen könnten.

Und welcher Song funktioniert einfach auf jeder Party?

Around the world von Daft Punk!

Wir hatten ja nun gerade Halloween. Welches Kostüm ist euer Favorit für solche Anlässe?

Kürzlich haben wir die Serie True Blood für uns entdeckt. Und da es einfach faszinierende Kreaturen sind, würden wir immer das Vampir-Kostüm präferieren!