Good Neighbours

Veröffentlichung  15. November 2011    Regie  Jacob Tierney    Darsteller  Jay Baruchel  Emily Hampshire  Scott Speedman  Xavier Dolan
Foto: Ascot Elite Filmverleih
 IMDb-Wertung
Foto: Ascot Elite Filmverleih

Auch viele freundliche Menschen können zusammen eine tödliche Mischung ergeben

Bei seinem Einzug in ein schönes Stadthaus im kanadischen Montreal macht Victor (Jay Baruchel, Duell der Magier) Bekanntschaft mit Katzenfreundin Louise (Emily Hampshire) und Rollstuhlfahrer Spencer (Scott Speedman, Barney’s Version). Alle wohnen im selben Haus und freunden sich schon bald an. Gelegentliche Flurgespräche werden so zu regelmäßigen gemeinsamen Essen. Zwischen ihnen und den anderen Hausbewohnern spinnt sich langsam eine clevere Geschichte, die die Frage nach Schuld und Sünde immer wieder neu definiert. So wird nicht nur thematisiert, dass in der Stadt gerade ein Serienmörder unterwegs ist, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Nein, Good Neighbours nimmt sich auch den alltäglichen Problemen an: es geht um soziale Phobien und wie man sich nach außen hin präsentiert. Denn im Schutz der eigenen vier Wände lauert die eigentliche Gefahr, wenn die Menschen ihr wahres Ich zeigen können. Louise etwa pflegt eine sehr innige und ungewöhnliche Beziehung zu ihren Katzen, Victor ist ihr gegenüber übertrieben hilfsbereit und Spencer ist förmlich anzusehen, dass sein freundliches Lächeln nur Fassade ist. Abgerundet wird die verquere Hausgemeinschaft durch die tratschende Vermieterin, die immer den Hausflur umdekoriert, um möglichst nah am Geschehen zu sein. Hinzu kommt eine frustrierte Hausfrau im luftigen Morgenmäntelchen, die nicht nur ihrem Mann mit feinstem französischen Akzent das Leben zur Hölle macht, wenn er mal wieder auf Geschäftsreise muss, sondern auch ihre Nachbarn mit Beschwerdeanrufen terrorisiert. Alle beobachten einander genau. Und plötzlich stolpern Victor, Louise und Spencer über ihre persönlichen Ungereimtheiten. Mit dem wachsenden Misstrauen fangen auch die Wände an die dunklen Geheimnisse ihrer Bewohner freizulegen. Bis schließlich die Mordserie gefährlich nahe kommt…

Die allgemein vorhersehbaren Personenkonstellationen, die sich über mehrere Monate nur langsam entwickeln, steuern geradewegs auf einen recht spannenden Showdown zu. Die Wechsel zwischen Gut und Böse ab der zweiten Hälfte des Films stimmen milde und so behält man Good Neighbours als einen Film in Erinnerung, der vorsichtig doch noch mit Thrillerelementen aufwarten kann. Denn es wird klar: jeder ist auf eine andere Art bereit Grenzen zu überschreiten. Der düstere Krimi verbreitet zwar weitestgehend keine sonderlich beklemmende Stimmung, eignet sich aber bestens dafür, um mal wieder über die Qualitäten der eigenen Nachbarn nachzudenken.