Get Out

Veröffentlichung  07. September 2017    Regie  Jordan Peele    Darsteller  Daniel Kaluuya  Allison Williams  Bradley Whitford  Catherine Keener
Foto: Universal Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Universal Pictures Germany

Horror-Vision untersucht Rassenbeziehungen

Was wäre, wenn es die weißen Eltern deiner Freundin auf deinen schwarzen Kopf abgesehen hätten? Get Out verpackt echte gesellschaftliche Probleme in eine absurd-komische Grusel-Geschichte.

Chris (Daniel Kaluuya) arbeitet als Fotograf in New York. Für das kommende Wochenende plant er allerdings die Eltern seiner Freundin Rose (Allison Williams) kennenzulernen. Was diese noch nicht wissen: Chris ist Afroamerikaner. Doch zum Glück heißen ihn Dean (Bradley Whitford) und Missy (Catherine Keener) sofort in der Familie willkommen. Nur so ganz ist Chris nicht von der Gastfreundschaft überzeugt. Denn mehr und mehr Situationen geben ihm Anlass die heile Fassade der Familie Armitage zu hinterfragen. Dazu zählt, dass die schwarzen Angestellten des Hauses wie geistesabwesend wirken und ihnen trotz Grinsen im Gesicht schon einmal die Tränen kommen können. Steckt da mehr dahinter oder verliert sich Chris so langsam in seiner Rassen-Paranoia?

Grusel mit Lizenz zum Nachdenken

Hinter Get Out steckt der amerikanische Comedian Jordan Peele, der uns zuletzt die verrückte Katzen-Action Keanu beschert hat. Dieses Mal wird es sogar noch abgedrehter! Denn Chris wird tatsächlich zum Opfer einer sektenähnlichen Verschwörung. Als er das erkennt, sind seine ersten Gedanken natürlich Hilfe zu rufen und zu verschwinden. Doch Mutter Missy kann den Besucher in Trance versetzen und damit bewegungsunfähig machen. Warum das alles passiert, offenbart sich erst im großen Finale. So lange versteckt Peele gekonnt Hinweise entlang der Storyline, um uns Zuschauer immer wieder auf falsche Ideen zu bringen. Werden hier Menschen verschleppt? Oder gefällt es den Armitage einfach nur Schwarze zu foltern? Diese Form des Miträtselns macht den Film umso viel spannender, als es billige Schock-Effekte je könnten. Peele hat außerdem erkannt, dass sich auch Horror-Filme dazu eignen sich mit gesellschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen.

Was ist schon normal?

Im Mittelpunkt von Get Out stehen die Vorurteile zwischen Schwarzen und Weißen – und die Frage, ob die einen wirklich besser als die anderen sind. Chris muss sich seit jeher mit Alltagsrassismus auseinandersetzen und hat deshalb ein besonders empfindliches Gespür für seine Umwelt. Wenn er etwa von einem Polizisten nach seinem Ausweis gefragt wird, obwohl seine Freundin mit dem Auto einen Unfall gebaut hat, dann ist das schon sehr grenzwertig. Noch schlimmer wird es bei einem Fest mit Nachbarn und Freunden auf dem Familienanwesen. Dort scheint sich jeder bis auf Chris pudelwohl zu fühlen. Der Grund: Die Gäste begaffen ihn, als sei er ein seltenes Ausstellungsstück. Hauptdarsteller Daniel Kaluuya verkörpert seine Rolle mit wahnsinnig viel Ausdruck. Als Chris erlebt er die vielfältigsten Gemütszustände quasi auf einmal – von verliebt über wahnhaft bis total panisch. Durch seine Augen fragen wir uns, wo Diskriminierung beginnt und wo sie endet. Nach dem Schauen des Films wird es garantiert einiges zu besprechen geben.

Get Out ist für Fans von anspruchsvollem Horror, der sich mehr aus Gesprächen als Gewalt ergibt. Die Geschichte ist originell erzählt und obendrein noch gesellschaftlich höchst relevant.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  04. September 2017    Worte  463
Permalink  http://www.farbensportlich.de/get-out/    Farbe  #150d0a
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