Genug gesagt

Veröffentlichung  18. April 2014    Regie  Nicole Holofcener    Darsteller  Julia Louis-Dreyfus  James Gandolfini  Catherine Keener
Foto: Fox Deutschland
 IMDb-Wertung
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Wie hieß der Film noch gleich, den ich neulich gesehen habe? Genug gesagt. Ah ja… Wie? Eigentlich konnte ich mir gar nicht vorstellen wer französischen Filmen mit deutschen Titeln wie Der Nächste, bitte! oder auch Und nebenbei das große Glück den ersten Rang in Hinblick auf Belanglosigkeit und null Wiedererkennungswert abtreten könnte. Doch der Titel zu Nicole Holofceners neuester Ü50-Wohlfühl-Comedy, ist mit seiner so deutlich zur Schau getragenen Gleichgültigkeit ein echtes Ärgernis für mich. Wenn man dann versucht Freunde dazu zu bringen für den 90-Minüter ein bisschen DVD-Geld springen zu lassen, wird es nicht einfacher. Wer spielt denn mit? Jennifer Lawrence, Tom Hiddleston, Scarlett Johansson (zumindest auf IMDb bei den meistgesuchtesten Prominenten aufgeführt)? Nee, Julia Louis-Dreyfus mimt die alleinerziehende Protagonistin Eva. Klick macht da nix. Frühere Serien-Projekte von Louis-Dreyfus sprachen mich allein vom Media Markt-Cover nicht an – siehe Veep – die Vizepräsidentin oder auch The New Adventures of Old Christine. Selbst bei den Episodenbildern zu dem Zweitgenannten wird es nicht besser. Wenn ich schon sehe, dass die Gute dort in einem lustig buntem Pyjama auf der Couch ihr Popcorn futtert und ihre Haare trotzdem aussehen wie frisch von Udo Walz’ aufgestockt, will ich nicht mehr neugierig und offen für Neues sein. Also schaute ich mir Genug gesagt wegen James Gandolfini an. Um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Er ist der geschiedene Albert, dessen Pointen immer ein wenig den richtigen Moment verpassen. Was gut so ist. Und ich schaute mir den Film wegen Tavi Gevinson an. Das Mädchen, das bereits mit elf Jahren einen Modeblog mit einem massigen Besucherandrang unterhielt und laut Zeit Online „Der coolste Teenager der Welt“ ist. Da stieg die Neugier wie Tavi denn nun „in echt“ spricht und ob sie wohl schon flügge geworden ist. Auch in der Hinsicht wurde ich nicht enttäuscht. Als beste Freundin von Evas Tochter (gespielt von Tracey Fairaway, The Bling Ring) bekommt sie beispielsweise all die leckeren Häppchen einer komischen Mutter-Tochter-Beziehung auf den Teller gelegt. Aber was soll ich sagen? Letztlich blieb ich doch hauptsächlich an dem Gesicht von Julia Louis-Dreyfus hängen. Manchmal erinnerte sie mich in ihrer Art und Weise an Sarah Jessica Parker. Manchmal an Kristen Wiig, wenn sie die Mundwinkel nach unten zieht oder sich die Nase nach oben kräuselt. Ein Bild, welches mir überhaupt nicht mehr aus dem Kopf gehen will, ist sie auf den Treppenstufen vor ihrem Haus sitzend. Gerade wurde ihr von Tavis Filmmutter „Lesbe!“ entgegengeschimpft und Eva beginnt laut und irre zu lachen, sie scheint so richtig amüsiert über den Ausspruch zu sein, und dann stoppt sie abrupt. Sie guckt ernst, traurig und irgendwie verbittert. So viel Ausdruck kann man nirgends lernen und eine Keira Knightley (die mir Eine dunkle Begierde versaut hat) wird so was nie können. Aufgrund meines neu erwachten Respekts möchte ich nun auch ihren Namen auswendig lernen. Julia Louis-Dreyfus, Julia Louis-Dreyfus, Julia Louis-Dreyfus… Und: Nicole Holofcener, Nicole Holofcener, Nicole Holofcener. Mir wird ganz warm. Eigentlich dachte ich, dass ich die Regisseurin und Drehbuchautorin gar nicht kennen würde. Dann stellte ich fest, dass auch Please Give und Freunde mit Geld aus ihrer Feder stammen (ich muss unbedingt zeitgemäßere Sprüche finden und nicht nur darüber lamentieren, dass mir auf die Schnelle keine einfallen) – Kleinoden, die ich wegen ihrem Gefühl für den richtigen Moment schon längst in mein Filmherz geschlossen hatte. Doch bei ihrem Namen habe ich erst aufgehorcht als sie beim Writers-Roundtable von The Hollywood Reporter mit dabei war. Ihre trocken humoristischen Sätze gefielen mir. Mit ihren klaren Aussagen, die trotzdem einen großen Unterhaltungswert hatten, konnte sie mir so richtig imponieren. Der Entschluss die Komödie mit dem ungnädigen Namen zu sehen, stand also fest. Und nach dem Schauen, dem beständigen „Should I stay or should I go?“-Wirrwarr im Film sowie Sätzen à la „Es ist anstrengend immer lustig zu sein“, bin ich mir nun sicher, dass ich da etwas Besonderes entdeckt habe. Genug gesagt will zwar kein Generationsfilm sein, auch wenn man sich mit Themen rund um Kinder, die das Haus verlassen, zweiten Ehen und der Suche nach Sicherheit auseinandersetzt. Aber mir hat man mit dem Werk ein klein wenig die Angst vor dem Älter werden nehmen können.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  06. April 2014    Worte  688
Permalink  http://www.farbensportlich.de/genug-gesagt/    Farbe  #354d7a
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