Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte

Veröffentlichung  14. Oktober 2010    Regie  Joann Sfar    Darsteller  Eric Elmosnino  Lucy Gordon Laetitia Casta
Foto: Universal Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Universal Pictures Germany

Gainsbourg übertrifft die Realität

Macht man etwas falsch, wenn man kostenlos ins Kino kann? Mit Sicherheit nicht. Denn: einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Bedeutet: ein Geschenk bemängelt oder kritisiert man nicht. Ich versuche mich also zurück zu halten.

Zur Einstimmung auf den Film (und um dem Anspruch dieser Seite gerecht zu werden) gibt es schon mal ein Stück Musikgeschichte auf die Ohren: Serge Gainsbourg & Jane Birkin mit Je T’aime… Mon Non Plus.

Der Film Gainsbourg portraitiert das bewegte Leben des Serge Gainsbourg (Eric Elmosnino). Dieser avancierte durch seinen provokanten Lebensstil zu einer schillernden Figur der französischen Kultur des 20. Jahrhunderts. Im Film erleben wir die bedeutsamen Stationen des Chansonnier, angefangen mit Gainsbourgs Kindheit im Nazi-besetzten Frankreich der 40er Jahre über seinen beeindruckenden Aufstieg in den Sechzigern bis hin zu seinem Tod im Jahre 1991. Im aufregenden Leben Gainsbourgs begegnen uns zahlreiche Frauen. Dazu zählen unter anderem Brigitte Bardot (Laetitia Casta), eine weitere französische Ikone, und Jane Birkin (Lucy Gordon), mit der Gainsbourg den Titel Je T’aime… Mon Non Plus eingesungen hat. Für die schöne Lucy Gordon war es die letzte Rolle, da sie sich kurz vor Veröffentlichung des Films das Leben nahm.

Das Drehbuch stammt aus der Feder des mehrfach ausgezeichneten französischen Comiczeichners Joann Sfar, der auch Regie führte. Erwähnenswert: die gezeichnete Vorlage des Films erschien in einem umfangreichen Comicband. Neben den Zeichnungen versucht Sfar einige weitere originelle Elemente aus dem Storyboard im Film zu übernehmen. So fasziniert die Umsetzung Gainsbourgs alter Ego “Fresse”. Die zum Leben erweckte Puppe mit zu großen Gliedmaßen steht stellvertretend für seine innere Zerrissenheit. Was anfänglich noch überaus belebend daherkommt, nutzt sich im Laufe des zu langen Films schnell ab. Erinnerungen an Science of Sleep und Wo die wilden Kerle wohnen werden wach. Man tut sich schwer mit Dingen, die es schon gab.

Ich bin ohne viel Vorwissen in den Film Gainsbourg gegangen. Und obwohl mich dieser Umstand bestimmt einige Witze gekostet hat, war Gainsbourg ein interessanter Film in dem wirklich viel geraucht wurde. Selbst der junge Gainsbourg wird als kettenrauchender Kunstakademie-Schüler dargestellt. In einer Szene, in der alle Erwachsenen ein Akt malen, wird Gainsbourg, mit dem Rücken zum nackten Model sitzend, vom Malermeister immer nur auf ein Stillleben verwiesen. Das ist lustig! Weiterhin gehören die neu eingespielten musikalischen Stücke zu den Highlights des Films. Wie auch im Film Control (Sam Riley spielt und singt Ian Curtis) gelingt es Hauptdarsteller Eric Elmosnino sich gekonnt in die Rolle des Serge Gainsbourg einzufinden. Doch der lange Filmtitel Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte hält nicht was er verspricht. In Sachen Beziehung ist Gainsbourg ein klassischer Macho, in den sich schöne Frauen verlieben.

Was bleibt ist jedoch das dumpfe Gefühl Serge Gainsbourg als Menschen nicht wirklich verstanden zu haben. Die Dramaturgie des Films verfällt der gängigen Gefahr eines Biopics lediglich aufeinander folgende Lebensstationen abzuarbeiten. Leider zeigt der Film wenig vom skandalösen Gainsbourg. Ich bin nicht wirklich überzeugt und würde mir den Film auch ungern ein zweites Mal anschauen.

Wie immer bei Programmkino: ich kann mich auch irren.

Mehr Musik von Serge Gainsbourg gibt es hier.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  15. Oktober 2010    Worte  466
Permalink  http://www.farbensportlich.de/gainsbourg-liebte-die-frauen/    Farbe  #571206
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