Friday Night Hero

Album  Tourist In Your Own Town    Veröffentlichung  02. Oktober 2009
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Friday Night Hero sind eine bescheidene Band. Große Gesten auf der Bühne, doch dahinter stehen fünf auf dem Boden gebliebene Brightoner Jungs, die ganz klar wissen worauf es ihnen ankommt: Konzerte spielen! Dafür leben sie und so pathetisch sich das anhört, so ehrlich ist ihr Anliegen. Im Magnet Club in Berlin veranstalteten sie im Rahmen der Partyreihe „Whip It Good” am zweiten Oktober ihre Record Release Party zu ihrem Debutalbum Tourist In Your Own Town, welches bei Capitol East Road Records erschienen ist. Mit ihrer ersten Singleauskopplung „Faster” zeigen sie, wie es in Zukunft für sie laufen soll.

Wie fühlt ihr euch nun nach diesem Konzert?

Ziemlich gut. Der Beginn fühlte sich schleppend an, doch am Ende lief es sehr gut.

Glückwunsch zum heutigen Album Release. Seid ihr erleichtert?

Das Album wurde schon vor längerer Zeit aufgenommen, es war ein langer Prozess bis zur Veröffentlichung. Heute können wir endlich loslassen und gleichzeitig den Gipfel dieses gesamten Prozesses zelebrieren. Wir sind sehr glücklich mit dem Resultat. Wir hoffen mit der Tour können wir die Songs genauso gut klingen lassen wie auf dem Album.

Ist der Zuspruch von dem deutschen Publikum der Grund dafür, dass ihr hier schon öfter gespielt habt und nun sogar eure Release Feier in Berlin machen wolltet?

Vordergründig ist hierbei, dass wir bei einem deutschen Label unter Vertrag sind und ein deutsches Management haben. Das ist der Grund weshalb wir hier sooft gespielt haben. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht, haben sehr positive Reaktionen von dem Publikum bekommen. Also dachten wir, dass wir das hier machen könnten. Aber wir werden auch eine Release Party in England veranstalten. Viele von uns waren noch nie in Berlin. Das ist alles sehr neu und vielleicht sogar etwas zu viel für uns. Die letzten vier Tage waren sehr intensiv.

Habt ihr denn jetzt ein wenig Zeit zum Atmen?

Mehr oder weniger. Wir fliegen am Sonntag zurück nach England und das haben wir mit Absicht so gelegt. Morgen wollen wir den Tag der deutschen Einheit miterleben. Wir werden zum Brandenburger Tor gehen und alles in uns aufnehmen.

Zu welcher deutschen Band habt ihr ein enges musikalisches Verhältnis?

Alex: Ich persönlich mag Klez.e sehr gern, welche ich in meiner Heimatstadt Luxemburg gesehen habe. Ihre Musik inspiriert mich sehr. Neulich haben wir auch die Band Fotos in Hamburg getroffen und die sind nicht nur wegen ihrer Tour mit der besten Band der Welt Phoenix großartig.

Vern: Für mich waren in den Neunzigern Blumfeld mit ihrem Album L’Etat et Moi ein starker Einfluss in Bezug auf das Gitarrenspiel. „Superstarfighter” ist einer meiner Lieblingssongs aller Zeiten.

Dave: Ich habe keine bestimmte Band vor Augen, aber für mich ist Berlin immer mit David Bowie verbunden. Heroes ist so bedeutend!

Jason: Vor kurzem haben wir mit Reamon in London gespielt. Vielleicht haben wir nicht viele Gemeinsamkeiten, aber es war toll mit solch einer großen deutschen Band spielen zu dürfen.

Ist es eure Art den Hut vor der deutschen Sprache zu ziehen, in dem ihr manchmal eure Songs auf Deutsch singt?

Alex (lacht): Wegen meiner deutschen Wurzeln war es ein natürlicher Prozess. Wir haben es ausprobiert, aber letztlich sind wir eine englische Band, eine Band aus Brighton. Also machen wir das, was wir am besten können.

Ihr seid vom Total Guitar Magazine ausgezeichnet worden. Wie wichtig sind Titel wie „Band Of The Month” für euch?

Vern: Es klingt ein bisschen wie ein Klischee, aber wir sind nicht wirklich interessiert daran. Das Wichtigste ist definitiv der Song. Wenn ich mir eine Band live anschaue, erfreuen mich natürlich technisch gute Musiker, aber höher als das steht für mich der Song.

Alex: Ich kann zwar Songs schreiben, aber es ist gut jemanden wie Vern in der Band zu haben. Er ist ein technisch guter Gitarrist und gemeinsam können wir die Songs zu etwas Großem machen.

Dave: Ein guter Freund von mir, Andy Nixon, hat mal gesagt, dass er nicht möchte, dass die Leute nach der Show zu ihm kommen und sagen, dass sie seine Technik beim Schlagzeug spielen mochten, sondern dass sie das Konzert wegen der Songs lieben. Auch ich möchte, dass die Leute sich selbst und die Musik genießen können. Am Ende spielt eben jegliche Technik keine Rolle mehr.

Alex: Wo du das so sagst, fällt mir gleich eine Sache ein, die ich in England gelernt habe: die Musiker sind dort sehr gut. Du kannst dir zehn unterschiedliche Bands in verschiedenen Pubs anschauen – vielleicht magst du die Songs nicht, aber die Musiker sind immer gut. Deshalb bin ich auch sehr glücklich vier Leute in meiner Band zu haben, die exzellent an ihrem Instrument sind. Ich fühle mich privilegiert mit ihnen spielen zu dürfen.

Rest der Band (bricht in Lachen aus): Oh, hör schon auf!

Jason: Der Titel an sich ist nicht wichtig, aber es ist gut zu wissen, dass jemand aus der Musikindustrie meint, dass wir das Richtige tun. Das bestätigt dich in dem, was du tust.

In einem Youtube Video habe ich gesehen, dass ihr ziemlich enttäuscht darüber ward nicht den Award als „Best Live Act” bei den Indy Music Awards gewonnen zu haben. Was macht euch denn im Gegensatz zu anderen Bands zu so einer guten Liveband?

Alex: Ich weiß nicht. Einfach schon für diesen Award nominiert worden zu sein, heißt, dass du höher als viele andere Bands in Bezug auf Liveshows eingestuft wirst. Es stimmt, dass Titel nichts bedeuten. Wenn du jedoch zu solch einer Veranstaltung hingehst und diese ganze Zeremonie miterlebst, möchtest du gewinnen. Aber am nächsten Morgen sind wir dann nach Köln geflogen, spielten ein Konzert und bekamen unseren Vertrag. Dann waren wir wieder glücklich.

In einer Review habe ich gelesen, dass ihr eine der raren Bands seid, die die Fähigkeit haben Emotion und Energie auf der Bühne zu vermischen. Fühlt ihr euch damit in eurem Schaffen innovativ?

Jason: Ich weiß nicht, ob das ein Plan von uns ist. Aber es ist schön, wenn Leute dieses Gefühl haben. Es ist einfach das, was dabei herauskommt, wenn wir zusammenkommen.

Dave: Für mich waren die Konzerte ausschlaggebend, um bei dieser Band involviert zu sein. All meine Energie und Leidenschaft steckt in den Shows und hoffentlich spiegelt sich das dann auch wieder.

Alex: Für mich spielt es keine Rolle, ob es innovativ ist oder nicht. Die Songs sind über ganz spezielle Dinge geschrieben und wenn man sie live spielt, versucht man diese Atmosphäre von der Songschreibung wiederzukreieren. Ich versuche in diese Situation wieder hineinzukommen, wenn ich live spiele. Manchmal klappt das, manchmal eben nicht. Aber das ist das Ziel: mit der Öffentlichkeit darüber zu kommunizieren, worüber der Song handelt.

Vern: Ich versuche immer mehr zu sein als nur eine Zusammenfassung meiner Einflüsse. Ich versuche immer etwas Besonderes dazuzugeben.

Denkt ihr, dass ihr in der Zukunft andere Musiker mit eurer Musik beeinflussen werdet?

(alle Lachen)

Alex: Hoffentlich. Das wäre das Wunderbarste in der Welt! Als ich in Luxemburg aufgewachsen bin, gab es diesen starken Britpop Einfluss von Oasis und Blur. Deshalb bin ich nach England gegangen. Ich wollte unbedingt Musiker sein. Und wenn jemand einmal sagen würde, dass er wegen Friday Night Hero Musik macht, dann wäre ich der glücklichste Mensch der Welt.

Was macht denn ein Friday Night Hero nach solch einer guten Show?

Jason (lacht): Oh, das werden wir noch sehen! Alkohol wird fließen! Und später versuchen wir das Hotel zu finden. Wo sind wir eigentlich? Ok, wir sind definitiv in Berlin.

Alex: Wir kamen durch einen Freund zu dem Namen. Er meinte nach einer langen Nacht, in der er nicht wusste, wo er war und wie er nach Hause kommen sollte und ihn letztlich jemand nach Hause brachte, dass diese Person sein Friday Night Hero war. Wir dachten, dass das wie ein guter Name klingt. Wir wollen damit sagen, dass jeder für eine Nacht ein Held sein kann, indem er etwas Gutes für jemand Anderen tut. Dabei muss es sich aber nicht zwingend um einen Freitag handeln. Wenn wir jedoch für unser Publikum einen Abend retten können, macht uns das schon sehr glücklich.

Jason: Also haltet euch den Abend frei!

Für das Publikum möchtet ihr also schon so etwas wie Helden sein?

Alle: Ja!

Vern (lacht): Ich möchte nur am Freitagabend in mein Spider-Man Kostüm schlüpfen. Deshalb mache ich das hier.

Alex: Heute waren nicht wir die Helden, sondern die Leute im Publikum, die ausgelassen getanzt haben.

Benötigt ihre eine offensichtliche Reaktion vom Publikum? Ihr mögt es nicht, wenn sie still stehen?

Jason: Wir sind es gewohnt. Das Publikum in Brighton ist so, eben weil dort so eine große Auswahl an Bands ist, dass sie sehr wählerisch sind, wo sie nun Reaktionen zeigen.

Rich: Ich habe erst mit Jason über dieses Thema gesprochen. Er fragte mich, ob ich für jede einzelne Show einer langen Tour hundertprozentigen Enthusiasmus aufbringen könnte und eine gute Performance generell anschalten könnte. Ich sagte, dass man immer weiter machen kann so lange das Publikum etwas zurückgibt. Dann ist es egal wie müde man ist oder wie lang man auf Tour ist.

Alex, ist es einfach für dich dieses Selbstbewusstsein vor dem Publikum aufzubauen und sie direkt anzufeuern?

Alex: Nein. Wir spielten am Freitag in Brighton und es war ein gutes Gefühl. Die Menschen wurden ganz verrückt. Dann kamen wir hier her und ich denke, wir erwarteten das Gleiche. In Hamburg war es schwierig. Aber in dem Club, in welchem wir spielten, gab es schon so viele großartige Auftritte, dass das Publikum so etwas gewohnt ist. Unser heutiges Konzert war ein gutes Beispiel: am Anfang dachte ich, dass es sehr schwer ist, die Leute zu motivieren. Doch im Laufe des Abends sind alle mitgegangen.

Jason: Ja, letztlich hat jeder getanzt. Das ist das, was man sehen möchte. Man sieht von der Bühne aus, dass alle hoch und runter springen und genauso viel schwitzen wie man es selbst tut.

Dave: Wenn man einen Beat spielt und dann sieht, dass jeder zu diesem Beat tanzt, ist das großartig.

Ist die Nacht besser als der Tag? Könnt ihr Songs auch am Tage schreiben oder benötigt ihr die Nacht dazu?

Dave: Am Abend schreibt man emotionalere Songs. Da ist man in der richtigen Stimmung, die Atmosphäre stimmt und man hat etwas erlebt.

Jason: Am Tag findet der Alltag mit all seiner Arbeit statt.

Alex: Ich habe noch nie am Morgen geschrieben. Ich schreibe abends, wenn ich zum Beispiel traurig bin. Die richtige Stimmung zum Songs schreiben habe ich nur abends.

 

 

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Rubrik  Interview    Autor      Datum  12. Oktober 2009    Worte  1,671
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