Freeheld – Jede Liebe ist gleich

Veröffentlichung  26. August 2016    Regie  Peter Sollett    Darsteller  Julianne Moore  Ellen Page  Steve Carell  Michael Shannon
Foto: Universum Film
 IMDb-Wertung
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Kampf einer Todkranken für Gerechtigkeit

Das macht wütend: Wegen ihrer sexuellen Orientierung wird einer Polizistin nicht der letzte Wunsch erfüllt. Freeheld – Jede Liebe ist gleich will auf Diskriminierung im Alltag aufmerksam machen.

Lieutenant Laurel Hester (Julianne Moore) hat gelernt ihr Privatleben vor jedem geheim zu halten. So kommt es, dass lange Zeit nicht einmal ihr Partner und guter Freund Dane Wells (Michael Shannon) etwas über ihren Alltag abseits der Arbeit weiß. In ihrer Freizeit fährt die 50-Jährige sogar bis in den nächsten Bundesstaat, um dort ungestört und völlig unerkannt Volleyball zu spielen. Genau dabei trifft sie auch auf die junge Mechanikerin Stacie Andree (Ellen Page). Die beiden verlieben sich ineinander, kaufen schon bald Haus und Hund zusammen und lassen sich selbst auf eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein. Trotzdem bleibt es für Laurel unglaublich wichtig, dass ihre Beziehung geheim bleibt. Als Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten, sorgt bereits für genug Aufsehen. Aber dann geschieht das Unglück: Bei Laurel wird Lungenkrebs im Endstadium diagnostiziert. Eine Chance auf Heilung gibt es nicht. Das Einzige, was jetzt noch für sie zählt, ist ihre Lebensgefährtin Stacie. Nur für sie outet sie sich letztlich schweren Herzens in der Öffentlichkeit. Der Hintergrund: Sie möchte, dass auf Stacie ihre Rentenansprüche übertragen werden. Doch in diesem Moment macht sich bemerkbar wie weit verbreitet konservatives Denken und Homophobie sind. Beim Staat New Jersey sowie bei einem Großteil ihrer Kollegen stößt sie auf Ablehnung. Lediglich ihr Partner Dane und der LGBT-Aktivist Steven Goldstein (Steve Carell) setzen sich vehement für ihren letzten Wunsch ein.

Eine reale Geschichte, die stinkwütend macht

Liebe versetzt Berge? Leider trifft das nicht immer zu. Freeheld – Jede Liebe ist gleich basiert auf einer wahren Begebenheit und liefert ein trauriges Beispiel für die Gesellschaft. Im Jahr 2005 kämpften Laurel Hester und ihre Partnerin tatsächlich für ihr Recht auf Gleichberechtigung. Wie das US-Drama von Peter Sollett (und zuvor eine gleichnamige Doku) nun zeigt, rannte das Paar damit vor allem gegen Wände. Die Engstirnigkeit, die stereotypen Vorstellungen und der kleine Rahmen, der im Allgemeinen als normal und angesehen gilt, machen schon beim Zuschauen krank. Laurel muss sich von manchen Polizisten anhören, dass sie aufgrund ihrer Lockenpracht und der taillierten Kleidung gar nicht wie eine Lesbe wirken würde. Andere wiederum wollen ihr jegliches Engagement im Job und für die Kollegen absprechen, nachdem sie von ihrer sexuellen Orientierung erfahren haben. Mittlerweile hat sich an der Rechtslage in den Vereinigten Staaten einiges geändert: Seit dem 26. Juni 2015 ist eine gleichgeschlechtliche Ehe in den USA erlaubt. Präsident Obama erklärte dazu: „Fortschritt erleben wir auf diesem Weg oft in kleinen Schritten. Manchmal geht es zwei Schritte nach vorne und wieder einen zurück. Aber er wird immer vorangetrieben von den beharrlichen Bemühungen engagierter Bürger.“ Die Frage, die dennoch bleibt: Würde Laurel Hester deshalb heute weniger Unverständnis und Hass entgegengebracht werden als vor elf Jahren? Dass man dies wohl kaum mit einem sicheren „Ja!“ beantworten mag, beweist die Aktualität und Relevanz des Films.

Geniales Cast, lahme Umsetzung

Freeheld – Jede Liebe ist gleich hat eine wahnsinnig spannende Darsteller-Riege zu bieten. Julianne Moore, die gerade noch einen Oscar für ihre Performance als Alzheimer-Patientin in Still Alice (2014) einheimste, spielt auch hier absolut glaubwürdig eine Frau, die sich voller Stärke und Würde ihren Problemen stellt. Ellen Page gibt im burschikosen Look erst die selbstsichere Flirt-Maschine und dann die einfühlsame Klette. Genauso sympathisch und herrlich überdreht: Steve Carell. Der muss mal nicht den Familiendaddy mit jeder Menge Komplexen mimen, sondern darf sich stolz und laut in den Vordergrund spielen. Die Chemie stimmt, man schließt einen jeden der Schauspieler sofort ins Herz. Das große Problem bleibt die schnörkellose Inszenierung von Peter Sollett (Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht). Es lässt sich einfach kein Moment nennen, der visuell heraussticht. Und so geht es bei den Dialogen weiter: Die Gefühle, die sich zwischen Laurel und Stacie entwickeln, werden in ihren Gesprächen auf eine absurd platte Weise heruntergerissen. Als die Spitze des Eisbergs erweist sich jedoch die Musik von Hans Zimmer und Johnny Marr (Ex-The-Smiths). Die erinnert an eine besonders billige Vorabend-Serie, bei der man extra-dramatische Töne erklingen lässt, wenn eine neue Wahrheit ans Licht kommt. Aufgrund der toxischen Mixtur aus geschmacklosen Sounds, fader Bebilderung und dem viel zu eng gestrickten Handlungsspielraum, in dem sich das Cast bewegen muss, entpuppt sich das Drama als echte Enttäuschung.

Gut gemeint, ist noch lange nicht gut gemacht: Freeheld – Jede Liebe ist gleich liegt zwar eine spannende, wahre Begebenheit zugrunde, aber die Geschichte wird dermaßen oberflächlich und kitschig erzählt, dass es einem lediglich die Wuttränen in die Augen treibt.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  24. August 2016    Worte  748
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