Flight

Veröffentlichung  20. Juni 2013    Regie  Robert Zemecki    Darsteller  Denzel Washington  Don Cheadle  Kelly Reilly
Foto: Paramount Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Paramount Pictures Germany

Ein beispielloser Totalabsturz

Robert Zemecki (Forrest Gump) erschafft mit Flight ein komplexes Drama, bei dem der Zuschauer weniger durch die schweren Umstände in Mitleidenschaft gerät als durch die starken Figuren, welche die Spannungskurve kunstvoll zu leiten wissen.

Farbensportlich ist Teil der großen Blogger-Aktion zum Heimkino-Start von Flight am 20. Juni 2013. Gemeinsam mit fünf anderen Blogs haben wir einige schrecklich-schöne Anekdoten zum Thema Fliegen zusammengestellt.

Blogger gehen in die Luft

Flugzeugerlebnisse. Auch wenn ich noch nicht all zu oft oder gar weit geflogen bin, habe ich davon einige zu berichten. Ob verrückt, komisch, romantisch oder doch einfach nur stressig. Die Emotionspalette ist weitreichend. Dabei sind meine Erfahrungen, so global gesehen, nicht unbedingt welterschütternd gewesen, doch für das Einnehmen von Kopfschmerztabletten hat es alle Male gereicht. Dazu muss ich fairer Weise erwähnen, dass mein Lieblingsbuch als Kind Der kleine Angsthase war. Immer wieder wollte ich die Geschichte hören, mit der ich mich so vortrefflich identifizieren konnte. Auch als ich selbst das Lesen gelernt hatte, griff ich ein ums andere Mal zu dem schmalen Buch mit dem abgestoßenen Ecken.

An genau dieses Werk erinnerte ich mich als in dem traditionsreichen (ja… alten) Stansted Express saß, welcher mich in weniger als einer Stunde von London City zum Stansted Flughafen bringen sollte. Doch zu diesem Zeitpunkt schien die Welt untergehen zu wollen. Es regnete als wollte der Himmel Fausthiebe an England verteilen und Bäume hielten diesem (ach so untypischen) Unwetter letztlich nicht mehr stand. Die Tuckerbahn blieb aufgrund eines suizidalen Baumes direkt auf den Gleisen stehen und verharrte mehrere Stunde der Dinge, die denn da kommen mögen. Andere Menschen würden solch einen Moment locker nehmen, vielleicht einen Drink oder sonst etwas schön Benebelndes in sich hineinstopfen. Ich nicht. Kerzengerade mimte ich den Angsthasen. Was, wenn ich meinen Flug nicht schaffen würde? Wer würde meine Eltern informieren, dass ich höchstwahrscheinlich nie wieder aus dem Flughafenlabyrinth nach Hause, in die sicheren dörflichen Gefilde, finden würde? Zuvor klapperten meine Zähne nur bei dem Gedanken an einen weiteren, holprigen Easy-Jet-Flug aufeinander. Aber nun war die Sache größer, bedrohlicher und aussichtsloser. Aber was soll ich sagen? So dramatisch die von mir akribisch gezählten Minuten des Halts auf freier Strecke waren – letztlich saß ich noch einmal eine Stunde in dem Flugzeug selbst fest, da dieses bei solch einem unflätigen Wetter nicht starten konnte. Eine Zeit, die ich nicht etwa zum Entspannen nutzte, sondern versuchte das Adrenalin weiter fließen zu lassen, in dem ich mich in die „Was wäre, wenn das Flugzeug abstürzt“-Lektüre zu vertiefen. Ein Szenario, was ich schließlich ganz klar vor Augen hatte…

Im Gegensatz zu dieser Achterbahnfahrt meiner gebrechlichen Gefühle stellte sich mein nächstes Flugerlebnis, London – Berlin, dar. In typisch ängstlich vorsorglicher Manier hatte ich vor dem Urlaub rücksichtslos mein Konto geplündert, um rundum sorglos vor Ort für wenigstens eine Woche einen hedonistischen Lebensstil frönen zu können. Natürlich war das nur meine Fantasie, die sich in Gönnerlaune befand. So hatte ich am Tag meiner Abreise noch einen prächtig gefüllten Geldbeutel, der darauf drängte wenigstens im Flughafenareal etwas erleichtert zu werden. Dieses Mal hatte ich einen ganzen Tag am Flughafen eingeplant – sicher ist sicher. Hetzen wollte ich nicht. Gemächlich schlenderte ich durch Parfümabteilungen, blätterte Promi-Zeitschriften gewissenhaft durch, betrachtete die Bestseller-Liste im Buchladen und die quietschbunte Sonnenbrillenkollektion auf der anderen Seite. Ich wippte zu den Klängen irgendwelcher Sommersongs als ich plötzlich bei einer Lautsprecher-Durchsage aufhorchte. Mein Name wurde aufgerufen. Immer lauter, dringlicher. Und ich begriff rein gar nichts. Wie? Letzter Aufruf für Passagier XY? Ich entschied mich gegen eine Sonnenbrille mit gelben Gläsern (schließlich war der Urlaub ja so gut wie vorbei) und bewegte mich nervös zur nächsten Sicherheitskontrolle. Hatte ich erwähnt, dass ich gerade einmal geschafft hatte mein Gepäck abzugeben? Und plötzlich hieß es, dass das Flugzeug im Begriff war seine Türen zu schließen und es für mich nur noch eine geringe Chance gab den Flug in die Heimat zu erwischen. So nahm ich mit Tränen in den Augen meine Beine in die Hand und lief als wollte ich in die erste Reihe beim Lady Gaga-Konzert. Womöglich ist es meiner schrillen Stimme geschuldet, doch in letzter Sekunde schaffte ich es noch in das Flugzeug hinein zu hüpfen. Völlig kaputt, mit roten Wangen und einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen stolzierte ich den Gang entlang. Es muss wohl nicht weiter ausgeführt werden, dass man mir Blicke entgegen warf, die von wütend bis hin zu verwirrt reichten. Schließlich wartete man nur wegen mir bereits über eine halbe Stunde auf das Starten in die Luft.

Doch solche Peinlichkeiten, solche Momente der emotionalen Extreme lassen mich immer wissen, das ich ich bin. Einfach unverbesserlich.

Schaue auch bei Filmfreek, Filmherum, Ziemlich beste Filmkritiken, We Want Media und Film-Rezensionen vorbei, um mehr Geschichten um und über das Fliegen zu lesen.

Rezension

Ein Drogencocktail vor dem Flug hat noch niemandem geschadet. Das sollte auch keiner mehr bezweifeln nachdem Kapitän Whip Whitaker (Denzel Washington, Safe House) bei einem technischen Totalausfall als einziger ruhig bleibt und das Flugzeug so landen kann, dass nicht alle Passagiere dabei sterben, sondern “nur” sechs von 102 Insassen. Einen Sündenbock muss es natürlich trotzdem geben und Whitaker ist obgleich seiner unnachahmlichen Heldentat ein äußerst geeigneter Kandidat für diese Position. Denn sein Drogenmissbrauch ist offensichtlich. Deshalb will die Pilotengewerkschaft, dass sich der erfolgssichere Anwalt Hugh Lang (Don Cheadle, The Guard – ein Ire sieht schwarz) um seine Belange kümmert. Privat trifft Whitaker auf die ebenso im Drogensumpf steckende Nicole (Kelly Reilly, Sherlock Holmes: Spiel im Schatten), welche nicht nur sich, sondern auch ihn retten möchte. Ob Whip Whitaker im Folgenden aus dem chaotischen Leben ausbrechen kann und sein Glück findet?

Lügen über Lügen. Da kann einem schon mal schlecht werden. Die Probleme des Protagonisten werden in solch einer Intensität und Ausdauer gezeigt, dass man fast glauben mag, dass es sich hierbei um einen 138-minütigen Dokumentarfilm handeln würde. Allein beim Aushalten des detailliert geschilderten Flugzeugabsturzes kann einem der kalte Schweiß nur so in Strömen den Rücken herunterfließen. Nie wieder wird man freiwillig ein Flugzeug betreten wollen. Positives sucht man hier vergebens, lebensbejahende Wendungen lassen auf sich warten. Denzel Washington vollbringt dabei als selbstgerechter Alkoholiker eine ergreifende Meisterleistung und nimmt jedes Bild voll und ganz für sich ein. Da kann es schon mal vorkommen, dass solche Größen wie Don Cheadle und der obskure Drogenlieferant John Goodman (Argo) dermaßen verblassen, dass man sie nach Beendigung des Melodrams bereits wieder so gut wie vergessen hat. Schade ist, dass sich Drehbuchautor John Gatins (Real Steel – Stahlharte Gegner) und Regisseur Robert Zemeckis gar nicht erst die Mühe mit Hintergrundgeschichten machen beziehungsweise wie im Falle von Kelly Reillys vertrackter Figur nur kurz und unbefriedigend anreißen. Wiederum wird einer Gottesfrage, die bei genauerer Betrachtung nirgendwo hin führt und nur eine leere Hülle ist, sowie tragisch-kitschiger Musik viel zu viel Platz eingeräumt. Diese immer wieder eingestreuten Unnötigkeiten lenken von dem kraftvollen wie packenden Hauptcharakter ab, der alles gibt, alles ist und Flight letztlich zu einem rundum einnehmenden Werk avancieren lässt.

Hier findest du unsere Premierenfotos.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  19. Juni 2013    Worte  1,145
Permalink  http://www.farbensportlich.de/flight/    Farbe  #1b2237
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