Fast & Furious 6

Veröffentlichung  23. Mai 2013    Regie  Justin Lin    Darsteller  Vin Diesel  Paul Walker  Dwayne Johnson  Luke Evans  Michelle Rodriguez
Foto: Universal Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Universal Pictures Germany

Alle Straßen enden hier

Es wird wieder gefahren! 12 Jahre nach The Fast and the Furious (2001) rast die nunmehr fünfte Fortsetzung in die Lichtspielhäuser. Regisseur Justin Lin (Teil 3 bis 6) spart dabei nicht an waghalsigen Stunts und schnellen Autos mit quietschenden Reifen.

Agent Hobbs (Dwayne Johnson, G.I. Joe – Die Abrechnung) ist einem Elite-Team halsbrecherischer Fahrer auf der Spur. Seine Jagd führt ihn durch zwölf Länder, doch der skrupellose Anführer Owen Shaw (Luke Evans, Kampf der Titanen) ist ihm immer einen Schritt voraus. Hobbs sagt sich: Wölfe fängt man nur mit Wölfen. Deshalb bittet er die Crew um Dom Toretto (Vin Diesel, xXx – Triple X) und Brian O’Connor (Paul Walker, Takers) um Hilfe. Diese haben sich nach ihrem letzten 100-Millionen-Dollar-Coup, bei dem sie ein Gangster-Imperium in Rio zur Strecke gebracht haben, über die ganze Welt verteilt und sehen keinen Grund etwas zu riskieren. Aber dann offenbart ihnen Hobbs, dass die Tod geglaubte Letty (Michelle Rodriguez, Resident Evil) für Shaw arbeitet. Dom will herausfinden, was mit seiner großen Liebe geschehen ist und willigt ein Shaw zur Strecke zu bringen – im Gegenzug verlangt er von Hobbs Strafbefreiung für sich und seine Freunde. Das folgende Duell mit dem mächtigen Widersacher wird natürlich auf der Straße entschieden.

Für die Familie ist kein Einsatz zu hoch

Im sechsten Teil der rasanten Fast & Furious-Reihe werden Fragen aufgeworfen, von denen man gar nicht wusste, dass sie bisher unbeantwortet blieben. Mit Luke Evans steht dem Team um Diesel und Walker ein überaus selbstsicherer Rivale gegenüber, der sich als Drahtzieher hinter vielen Ereignissen aus der Vergangenheit erweist. Es ist den Machern damit gelungen einen Nachfolger zusammen zu stricken, der die Vorgänger würdigt und den inhaltlichen Rahmen zwischen Teil 4 bis 6 schließt. Es gelingt ihnen außerdem in Sachen Action noch ein paar Tonnen Autoschrott oben drauf zu legen. Die kreativen Parameter werden konsequent weiterentwickelt und mit frischen Impulsen aufgewertet: was mit Untergrund-Straßenrennen begann, mündet nun in einem feinmaschigen Netz aus ausgeklügelten Raubüberfällen. Dazu kommen in diesem Teil unter anderem modifizierte Formel-1-Bulliden mit verstärktem Außenskelett und 500-PS-Motor, ein Panzer der die physikalischen Gesetze überwindet und ein riesiges russisches Antonov-Frachtflugzeug zum Einsatz. Über 33 Millionen Fans konnte das Franchise damit bereits auf Facebook begeistern – Gesamteinnahmen von über 1,5 Milliarden Dollar sprechen für sich. Mit jedem Teil werden Takt und Dringlichkeit angezogen. Aufwühlende Cliffhanger machen das Gesamtpaket perfekt (Actionstar Jason Statham kündigt sich bereits imposant als Gegenspieler für den nächsten Teil an).

Es ist sehr befriedigend zu erleben wie all die Handlungsstränge der Vergangenheit plötzlich zusammenpassen. Fast & Furious 6 wird die Zuschauer dazu inspirieren, auch all die bisherigen Filme noch einmal anzuschauen. Wenn wir in der Lage sind, Antworten zu liefern und Szenen der früheren Filme zu erklären, wenn wir weitere Entwicklungen ankündigen können, dann ist das Filmemachen richtig cool. (Vin Diesel)

Fast & Furious 6 setzt ganz auf die Themen Familie und Heimat und geht der zentralen Frage nach wie weit man bereit ist zu gehen um das Verlorene zurück zu bekommen. Wir erleben zu Beginn Charaktere, die sich mit Geld alles kaufen können – und doch unzufrieden sind. Ihre Vergangenheit lässt sie nicht los und durch das Leben auf der Flucht fürchten sie ständig entdeckt zu werden. Diesem Dämon wollen sie sich stellen. Ohne allzu tiefgründig zu werden, schicken die Frauen ihre Männer ins Gefecht für Recht und Freiheit. Mit allerhand Slapstick und zahllosen Onelinern besteht keine Gefahr, dass die Emotionen überhandnehmen. Dafür sorgen spätestens die rasanten Kampf- und Action-Sequenzen, die mit besonders gefährlichen Sprüngen von, auf und über sich bewegende Objekte zu begeistern wissen. Neben amerikanischen Klassikern wie dem 1969er Dodge Daytona oder dem 1969er Ford Anvil Mustang und jede Menge PS-starker Militärfahrzeuge bekommt auch ein Alfa Romeo Giulietta als italienischer Außenseiter aus der Kompaktwagenklasse einen besonderen kraftintensiven Auftritt. Der europäische Touch sowie der Hauptschauplatz London stehen der Serie sehr gut. Teil 6 zeigt sich von einer neuen Facette, überfordert den Zuschauer nicht und will vor allem eines: unterhalten.

Wie Vin Diesel unlängst in einem Interview mit Hitfix verriet, tragen die Ideen für weitere Fortsetzungen bereits Früchte. Demnach soll Teil 7 die Tür zu einer neuen Trilogie öffnen. Die Richtung für drei weitere Teile sei bereits klar. Lediglich Regisseur Justin Lin wird wegen Unstimmigkeiten über den geplanten jährlichen Veröffentlichungsrhythmus den Posten für Horror-Spezialist James Wan (Saw, Insidious) frei machen. Lange wird sich die Fast & Furious-Reihe jedoch nicht mehr auf ihrem Asphalt-Monopol ausruhen können. Denn mit der Filmadaption der genauso bekannten wie belieben Computerspielreihe Need for Speed steht 2014 bereits der nächste Geschwindigkeitsrausch in den Startlöchern. Mit Schauspieltalenten wie Aaron Paul und Imogen Poots verspricht dies ein ebenso interessantes Projekt zu werden. Fast & Furious ist gut daran beraten seinen Figuren im Zuge des Fortsetzungswahns noch mehr Ernsthaftigkeit einzuverleiben und Platz für Trauer um Verluste einzuräumen. Zumindest um die langfristige Auto-Action brauchen wir uns, auch Dank Transformers 4, in der nahen Zukunft keine Sorgen zu machen.

Hier findest du unsere Rezension zum siebten Fast & Furious-Teil.