Fantastic Four

Veröffentlichung  10. Dezember 2015    Regie  Josh Trank    Darsteller  Miles Teller  Kate Mara  Jamie Bell  Michael B. Jordan
Foto: Constantin Film Verleih
 IMDb-Wertung
Foto: Constantin Film Verleih

Was ist da nur schief gelaufen?

Josh Trank (Chronicle) hat seiner jungen Karriere mit dem lieblosen Fantastic Four-Reboot keinen Gefallen getan. Da hilft es auch nicht, die Schuld am finalen Schnitt dem Verleih in die Schuhe zu schieben.

Was soll man von einem Film halten, von dem sich selbst der Regisseur pünktlich zum Kinostart distanziert? Auf dem Papier scheint doch alles zu stimmen. Ein hoffnungsvoller Filmemacher sucht sich talentierte Schauspieler und möchte einen Comic (zuletzt 2005 und 2007 äußerst flapsig umgesetzt) mit der nötigen Ernsthaftigkeit adaptieren. Das hat doch schon bei der X-Men-Neuauflage funktioniert und ein Franchise mit einem Knall wieder aufleben lassen. Doch bei den Fantastic Four im Jahr 2015 läuft gar nichts fantastisch.

Vier Außenseiter

Reed Richards (Miles Teller) entwickelt in der Garage seiner Eltern eine Teleportationsmaschine. Alle Teile, die er zum Bau benötigt, findet der Zwölfjährige auf dem Schrotthof seines Klassenkameraden Ben Grimm (Jamie Bell). Auf einer Erfindermesse wird das Ausnahmetalent von Dr. Franklin Storm (Reg E. Cathey) entdeckt, der ihn sogleich in seine Schule für Superbegabte einlädt. Dort findet Reed ein Umfeld vor, in dem er seine Idee weiterentwickeln und am Bau eines Shuttles mitarbeiten kann, das Menschen in eine andere Dimension transportieren soll. Zusammen mit Dr. Storms Sohn Johnny Storm (Michael B. Jordan), seinem Kommilitonen Victor von Doom (Toby Kebbell) und seinem Kindheitsfreund Ben, beschließt Reed Jahre später die Reise als Erster anzutreten. Sie landen auf einem Planeten voller Energiequellen, die schließlich explodieren und Victor in den Abgrund reißen. Zurück gelangen die übrigen Amateurastronauten nur mit der Hilfe von Sue Storm (Kate Mara), der Adoptivtochter von Dr. Storm. Sie alle werden schwer verletzt und in eine streng geheime Einrichtung verlegt, wo sie die nächsten Jahre stabilisiert und untersucht werden. Reed, Johnny, Sue und Ben offenbaren außergewöhnliche körperliche Veränderungen, die sich das Militär zu Nutze machen will. Gemeinsam müssen sie sich einem übermächtigen Angreifer entgegenstellen, der längst Tod geglaubt war.

Die Ursprungsgeschichte

Josh Trank war nach seinem erfolgreichen Spielfilmdebüt Chronicle ein gefragter Mann. Sein realistischer Ton und der handfeste Stil schienen genau das zu sein, was dem geplanten Fantastic Four-Reboot noch fehlte. Sein Konzept einer Geschichte vom Erwachsenwerden wurde sogleich vom Studio durchgewunken. Subversiv sollte sie sein und die Ursprünge der Formation in den Mittelpunkt stellen. Die Vier müssen erst lernen, mit ihren Fähigkeiten umzugehen. Trank wollte die Verwandlung nicht als Gabe ansehen, sondern als Verlust über die Kontrolle ihrer Körper – Superhelden sind sie damit noch lange nicht.

Sie sollten sich anfühlen wie richtige Menschen, die auf einmal aus heiterem Himmel miterleben müssen, dass ihre Körper schockierenden physischen Veränderungen unterworfen sind. Wenn du dich körperlich verwandelt, beeinflusst das alle Aspekte deines Lebens. Wenn man miterlebt, wie sie zum ersten Mal ihre Fähigkeiten realisieren, wird das nicht als Gimmick oder als Spiel behandelt. Ein Beispiel: Johnny steht Todesängste aus, weil er natürlich befürchtet, vom Feuer verzehrt zu werden. (Produzent Hutch Parker)

Zog das Studio frühzeitig die Reißleine?

Leider ist Fantastic Four nicht der Film geworden, den die Beteiligten vermutlich im Kopf hatten. Zu lange zieht sich die Einführung der Charaktere hin, zu oberflächlich bleibt ihre Beziehung zueinander und zu plötzlich müssen sie sich einer Bedrohung stellen, die bis zuletzt undefiniert bleibt. Das Alleinstellungsmerkmal wird zum Hauptproblem: die ungewöhnliche Erzählstruktur der Heldenreise. Drehbuchautor Simon Kinberg entwarf einen zu weiten Erzählbogen, der seine Figuren im Hier und Jetzt aus den Augen verliert. Statt zu einer Ersatzfamilie zusammenzuwachsen, werden die Protagonisten voneinander isoliert und sind auf sich allein gestellt. Keine Spur von Gruppendynamik! Stattdessen bekommen wir äußerst schwierige Charaktere vorgesetzt, die nur mit sich beschäftigt sind. Reed will um jeden Preis die Grenzen der Wissenschaft ausdehnen, Johnny rebelliert gegen seinen Vater, Sue ist eine apathische Einzelgängerin und Ben ein gewaltbereiter Opportunist. Die lange Vorgeschichte, die fast 3/4 des Films ausmacht, lässt die Erwartungen auf eine wohlwollende Auflösung in die Höhe schnellen. Doch leider bleibt dafür am Ende einfach keine Zeit mehr. In einer kurzen Kampfsequenz (Weltuntergang) treten die Vier zusammen auf, nachdem sie sich mitunter Jahre lang nicht gesehen haben. Teamstatus fragwürdig. Ob die Verantwortlichen rechtzeitig erkannt haben, dass sie mit diesem Drehbuch keine Aussicht auf Erfolg haben werden? Fast scheint es so, denn der Postproduktion müssen gnadenlos die Mittel gestrichen worden sein. Das Ergebnis sind unausgereifte Effekte und ein Green-Screen-Erlebnis, das einer Produktion dieser Größe wirklich nicht würdig ist.

Dass alle Darsteller bereits für eine Fortsetzung unterschrieben haben, kann als Fluch und Segen zugleich angesehen werden. Das Studio 20th Century Fox hat einige der talentiertesten und am schnellsten aufstrebenden Jungstars an sich gebunden und die Figuren warten nur darauf endlich miteinander zu interagieren. Trotz des mutmaßlichen Millionengrabs könnte sich Fox (wie schon zuvor Sony bei Spider-Man) Hilfe bei Marvel-Mastermind Kevin Feige holen und einen Zusammenschluss der Erzählwelten anstreben.

Kevin, bitte hilf!

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  07. Dezember 2015    Worte  772
Permalink  http://www.farbensportlich.de/fantastic-four/    Farbe  #312337
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