Ender’s Game – Das große Spiel

Veröffentlichung  06. März 2014    Regie  Gavin Hood    Darsteller  Asa Butterfield  Harrison Ford  Ben Kingsley  Hailee Steinfeld
Foto: Constantin Film Verleih
 IMDb-Wertung
Foto: Constantin Film Verleih

Außenseiter an die Front

Als die Erde von insektenartigen Aliens angegriffen wurde, war es allein dem Wagemut von Commander Mazer Rackham (Ben Kingsley, Elegy oder die Kunst zu Lieben) zu verdanken, dass die Zerstörung der Erde verhindert und die Vertreibung der sogenannten Buggers gewährleistet werden konnte. Doch die Gefahr ist auch 50 Jahre nach dem Vorfall gut spürbar. So schart Colonel Graff (Harrison Ford, Cowboys & Aliens) eine Armee von Kindern um sich, die durch ihre außergewöhnlichen Denkweisen und neue Strategien eine endgültige Vernichtung der Aliens ermöglichen sollen. Auch der 12-jährige Ender Wiggin (Asa Butterfield, Hugo Cabret) wird von Graff und Major Gwen Anderson (Viola Davis, The Help) dazu auserkoren, an erster Front mitzukämpfen. Er ist klug, geschickt und im Kampfsimulator lernt er schneller als jeder andere Rekrut, weshalb man in ihm schon bald den würdigen Nachfolger von Commander Mazer sieht. Doch wie soll es möglich sein, dass der zurückhaltende Außenseiter eine ganze Welt rettet, wenn er unter all den Anforderungen und dem ständig steigenden Druck zusammenzubrechen droht?

Es handelt sich hierbei um einen visuell aufregenden Film, der aber im Herzen vor allem ein Charakterwerk ist. Mich hat an dem Projekt gereizt, diese zwei Dinge zu vereinen. Zum einen schöne Bilder zu zeigen und zum anderen diesen komplizierten Charakter, der mit seiner Identitätsfindung kämpft, der sich versucht gegen Colonel Graff zu behaupten. Da gibt es fast schon eine bizarre Familiendynamik, wenn man Harrison Ford und Viola Davis betrachtet, die sich scheinbar wie die Eltern von dem Genie Ender Wiggin darstellen. Ich denke, dass der Film für junge wie auch ältere Zuschauer zugänglich ist. Einmal durch die Schauspieler und auch dadurch, dass eben ein Kampf der Generationen in dem Film ausgetragen wird. (Gavin Hood)

Der Regisseur Gavin Hood verfilmte mit Ender’s Game – Das große Spiel den Science-Fiction-Klassiker von Orson Scott Card aus dem Jahr 1985. Für solch ein kompliziertes Unterfangen – denn das Buch fantasiert eine äußerst komplexe Vision der Zukunft herbei – benötigte man einen Regisseur mit viel Vorstellungskraft und Vorkenntnissen in dem Gebiet. Somit stellte sich Hood, der bereits X-Men Origins: Wolverine oder auch Tsotsi in seiner Vita zu stehen hat, als prädestiniert für dieses Projekt heraus. Auch beim Berliner Pressetermin zu dem Film zeigte sich Gavin Hood, der ebenfalls als Drehbuchautor fungierte, als Sprachrohr des Werkes.

Der Film nimmt sich den Kindersoldaten als Thema an. Junge Menschen werden von einem militärischen Regime rekrutiert, weil sie Panik davor haben sonst den Feind nicht bekämpfen zu können. Das ist ein Thema, welches man aus der Realität kennt. Aus Deutschland, aus Afrika. Diesen jungen Menschen wird von der Gesellschaft eingebläut, dass sie Helden werden, wenn sie die Nation verteidigen. Aber man erzählt ihnen nicht, dass sie noch lange danach physisch und körperlich leiden könnten. Dann würden sie vielleicht nicht in den Krieg ziehen. Derartige Lügen werden von allen Ländern der Welt benutzt. Das wollten wir auch im Film zeigen. Der Zuschauer wird mit schönen Bildern und Spannung verführt, aber dann gibt es diesen Twist nach dem sich der Betrachter fragen muss, was seine Gefühle dazu sind. (Gavin Hood)

Auch 28 Jahre nach der Veröffentlichung des Romans hat er somit nicht an Relevanz eingebüßt und stellt sich als spannendes Filmfutter dar. Die eindringliche Darbietung von Asa Butterfield, der in seiner Rolle ständig zwischen Kalkül und Einfühlungsvermögen changieren muss, provoziert bei dem Zuschauer eine Reaktion, eigene Gedanken zum Gesehenen. Eine riesige Kinderarmee, die wie ein straff organisierter Ameisenhaufen wirkt, lässt dabei nicht unbeeindruckt. Auch Harrison Ford als kaltschnäuziger Anführer, der die Kinder nicht als solche, sondern als funktionierendes Mittel zum Zweck sieht, kitzelt beim Betrachten Wut und Unverständnis hervor. Jedoch bleibt nach den 114 Minuten trotzdem ein fader Nachgeschmack zurück. Denn egal, was einem an falsch gefühlter Ethik und Moral entgegengeschlagen wird: der Raum und das Szenario, in dem all diese Auseinandersetzungen geschehen, wollen einfach nicht greifbar werden. So wie auch viele der Nebendarsteller und Darstellerinnen, welche Neugier auf Mehr hervorrufen. Zu viele Fragen und die Ideologien dahinter bleiben zudem offen. Bedenkt man nur dieses ewige Fragezeichen im Kopf: wieso muss ein stets Führer einsam sein, um die 100 Prozent bei seiner Mission geben zu können? Im Widerspruch dazu steht auch die Aussage von Gavin Hood, der im Gespräch in Berlin auch seine Auffassung von der Magie des Films mitteilte:

Wir schauen uns Filme an, um die Möglichkeit einer ganzkörperlichen Erfahrung zu erhalten und diese dann auch reflektieren zu können. Denn das reale Leben geht immer einfach weiter und Filme erlauben uns einen Moment des Lebens abgekapselt zu betrachten. Sie geben diesem Moment einen Beginn, eine Mitte und ein Ende, so dass ein jedes Stück separat anschaubar wird. Man betrachtet andere Menschen dabei wie sie mit Emotionen und Dingen kämpfen, die wir vielleicht auch haben, aber so gar nicht ausdrücken können. Das Kino ist für mich immer schon ein magischer Ort gewesen, an dem ich zu anderen Ort transportiert werden kann und mir Ideen von Filmemachern angucke, die nicht trocken oder akademisch präsentiert werden, sondern aufregend und mitreißend anzuschauen sind. Ich denke, wir brauchen Geschichten, um unsere eigene Welt besser verstehen zu können. (Gavin Hood)

Doch in Zukunft kann man nur hoffen, dass sich Hood weiteren aufregenden Filmprojekten widmet, in denen er auch ein wenig von seiner eigenen Geschichte mit einbringen kann. Von dieser berichtete er zu guter Letzt Folgendes:

Ich bin in Südafrika aufgewachsen, wo ich keine Fernsehsendung gesehen hatte bis ich 13 Jahre alt wurde. Es gab kein Fernsehen bis 1976 und als es das dann gab, wurde es von der Regierung verbreitet, da sie die Kontrolle darüber haben wollten, was die Menschen beeinflussen könnte. Zugang zur Außenwelt hatten wir also nur durch Kino und Theater. Ich entwickelte also eine Liebe zu dem 2 Stunden Filmformat und ziehe es noch immer dem Fernsehen vor. Zusätzlich wurde ich dadurch beeinflusst, dass meine Eltern Schauspieler am Theater waren und mein Vater ständig Tiere im Busch von Afrika fotografierte. So lernte ich das Theater und die Fotografie lieben. Irgendwann wollte ich dann Beides in einem Beruf zusammenbringen. (Gavin Hood)

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  28. Februar 2014    Worte  989
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