End of Watch

Veröffentlichung  20. Dezember 2012    Regie  David Ayer    Darsteller  Jake Gyllenhaal  Michael Peña  Anna Kendrick
Foto: Tobis Film
 IMDb-Wertung
Foto: Tobis Film

Nichts für schwache Nerven

Wenn zwei Polizisten ihren Zuständigkeitsbereich überschreiten und ihr Glück wiederholt auf die Probe stellen, dann werden sie im gefährlichen Drogenkrieg schnell selbst zur Zielscheibe eines berüchtigten Kartells. Ist dies das Ende ihrer Dienstlaufbahn?

Die zwei Straßencops Brian Taylor (Jake Gyllenhaal, Source Code) und Mike Zavala (Michael Peña, World Trade Center) sind immer da, wo es brenzlich wird. Auf dem Revier sind sie als gnadenlose Draufgänger bekannt und sie tun alles dafür sich diesen Ruf zu erhalten. Um aus der täglichen Routine auszubrechen, riskieren sie mal eben ihr Leben beim Versuch Kinder aus einem brennenden Haus zu retten – und werden dafür mit einer Tapferkeitsmedaille belohnt. Wegen derartigen Erfolgserlebnissen kann nicht einmal Brians neue Liebe Janet (Anna Kendrick, 50/50) etwas an dem Leichtsinn ändern. Während Mike schon seit seinem Abschlussball in festen Händen ist, fehlte Brian viele Jahre eine intelligente Abwechslung zum Job. Denn auf Streife benehmen sich Mike und Brian selbst oft schon wie ein altes Ehepartner. Die besten Freunde folgen einander überall hin – und würden für den anderen bis zum Äußersten gehen. Ihr Übermut geht so lange gut bis sie bei einer routinemäßigen Verkehrskontrolle ein Auto anhalten und auf einen gefährlichen Ring aus Drogen- und Menschenschmugglern stoßen. Indem sie weitere Nachforschungen anstellen, ziehen sie die Aufmerksamkeit der falschen Leute auf sich. Allen Warnungen zum Trotz setzen sie damit ihr familiäres Glück auf’s Spiel.

I am the police, and I’m here to arrest you. You’ve broken the law. I did not write the law. I may disagree with the law but I will enforce it. […] If you fight me I will fight back. If you shoot at me I will shoot back. By law I am unable to walk away. I am a consequence. I am the unpaid bill. I am fate with a badge and a gun. Behind my badge is a heart like yours. I bleed, I think, I love, and yes I can be killed. […] I have thousands of brothers and sisters who are the same as me. [...] We are the police. (Anfangs-Monolog von Officer Brian Taylor)

Regisseur und Autor David Ayer schrieb bereits die Drehbücher für The Fast And The Furious (2001) und Training Day (2001), für den Denzel Washington als Bester Hauptdarsteller mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. In Form seines neuesten Werkes knüpft Ayer zweifellos an diese alten Erfolge an. Denn nach dem enttäuschenden Harsh Times – Leben am Limit (2005, Christian Bale in der Hauptrolle) hat er eine glaubwürdige Geschichte mit sympathischen Charakteren geschaffen, die immer spannend, auf eine echte Art und Weise lustig und bis zum Ende emotional packend ist. Jake Gyllenhaal und Michael Peña spielen in der Form ihres Lebens. Vor allem für letzteren ist es ein Ausdruck seiner Fähigkeiten, da er mit zahlreichen Komödien vor allem für seine dümmlich-humoristische Darstellung bekannt ist. Er sagt selbst über sich:

I’m not a method actor, but this is the closest I came to it. (Michael Peña)

Die dargebotene Ernsthaftigkeit steht Beiden ausgezeichnet. Egal ob sie Türen eintreten, sich Fuck-Dude-Whoa-Bro-lastig anblaffen oder einfach nur zusammen auf Streife sind – ihr Zusammenspiel macht End of Watch zu einem späten Highlight in diesem Kinojahr. Dafür sorgen auch die mit David Harbour, Frank Grillo, America Ferrera und Cody Horn stark besetzten Nebenrollen. Der Handkamera-Doku-Stil hebt den Film auch optisch ab. Im Laufe der 109-minütigen Spielzeit wird diese intime Art des Einblicks mal mehr und mal weniger ernst ausgeführt. Der von Jake Gyllenhaal gemimte Officer Taylor rechtfertigt seine Aufnahmen als eine Art Dienst-Logbuch. Zum Ausgleich gibt es genügend Gegenaufnahmen, die seine hektischen Bewegungen abfangen und so einen beruhigenden Kontrast darstellen. Zur Vorbereitung auf den Film begleiteten Gyllenhaal und Peña echte Cops 5 Monate lang im Dienstalltag. Dabei machten sie Erfahrungen, die sie mit in den Dreh nahmen und ihren Figuren eine schwermütige Note verliehen.

The first ride I went on I saw someone murdered. It changes your life. You don’t come back from something like that and not see the world a different way. And subsequently, [watching] everything from domestic violence to stolen cars to you name it. (Jake Gyllenhaal)

End of Watch ist inspiriert von wahren Ereignissen und so realitätsnah umgesetzt wie es nur ging. Die Gewalt und Kraft werden im Kinosessel regelrecht spürbar. Bei kribbeligen Hausdurchsuchungen leidet der Zuschauer mit: Was lauert hinter der nächsten Wand? Woher kam das Geräusch? Der Film verschleiert kein einziges ekelhaftes Detail und zeigt Verletzungen ohne Wenn und Aber. Diese Geschichte voller Humor, Mutwille und Gefühl muss man gesehen haben.