Empörung

Veröffentlichung  16. Februar 2017    Regie  James Schamus    Darsteller  Logan Lerman  Sarah Gadon  Tracy Letts
Foto: X Verleih
 IMDb-Wertung
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Ein leises Drama gegen die Engstirnigkeit im Amerika der 50er

Ein Studium anfangen oder in den Krieg ziehen? Büffeln bis zum Umfallen oder Zeit für die Liebe nehmen? Die Fragen scheinen eigentlich ganz einfach zu beantworten zu sein. Aber eben nur eigentlich.

Marcus Messner (Logan Lerman) lebt Anfang der 50er-Jahre in New Jersey und hilft dort seinem Vater in der Metzgerei aus. Aber nicht mehr lange. Denn während um ihn herum immer mehr Freunde und Bekannte für den Koreakrieg eingezogen werden, hat er einen Weg gefunden sich zu drücken: studieren gehen! Nicht ohne Gewissensbisse lässt er schließlich seine Familie und Heimat hinter sich, um in Ohio mit dem Pauken anzufangen. Das Studium liegt ihm, Bestnoten fliegen ihm nur so zu, trotzdem gibt es vom Dekan Hawes Caudwell (Tracy Letts) etwas zu beanstanden. Denn seiner Meinung nach bringt sich Marcus nicht genug in die Uni-Gemeinschaft ein. Aber als er erst einmal mit Olivia Hutton (Sarah Gadon), einer Studentin mit einem zweifelhaften Ruf, anbandelt, sorgt das wiederum auch überall für Aufruhr. Wie soll er sich denn nur richtig verhalten?

Die Extreme im Ruhigen

Es ist schon unglaublich, wie sich Empörung nach und nach vor einem aufbaut. Ganz behutsam erhalten wir Einblicke in Marcus’ Leben. Und auch, wenn sich das Drama hauptsächlich auf seine Erlebnisse an der Uni fokussiert, bekommen wir doch auch genügend Zeit mit ihm und seiner Familie. Wir spüren die maßlose Angst der Eltern, ihr Sohn könnte der nächste sein, den man beerdigen muss. Denn leider ist es keine Seltenheit, dass ein Nachbarsjunge nicht mehr lebend aus dem Koreakrieg zurückkehrt. Marcus selbst versucht mit einer großen Portion Intellekt gegen die Sorgen seiner Familie anzukämpfen. Auch den Problemen, die sich mit der Zeit am Campus entwickeln, stellt er sich mit klugen Worten und Zitaten entgegen. Speziell durch seine Wortgewandtheit trumpft er immer wieder auf – und er lässt so auch mal auf recht unterhaltsame Weise die Engstirnigkeit seiner Mitmenschen auffliegen.

Die Schwierigkeit der richtigen Inszenierung

Empörung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Philip Roth aus dem Jahr 2008. So aufregend im Buch geschildet wird, wie Marcus immer meinungsstärker wird und stetig auf neue Grenzen stößt, so lahm erscheint im Gegensatz dazu die filmische Inszenierung. Die Kamera ist statisch, die Musik absolut zurückgefahren und die Länge der einzelnen Szenen viel zu sehr ausgedehnt. Dadurch wirkt der Film, der eigentlich zeigen soll, wie aus einem Jungen ein Erwachsener wird, allzu altmodisch. Ein großer Minuspunkt bei einem Drama, das an sich fantastische Dialoge zu bieten hat. Doch je langatmiger das Ganze erzählt wird, desto weniger Lust hat man den gesprochenen Glanzstücken zu folgen.

Sittsamkeit? Fehlanzeige! Empörung hat für das repressive Amerika der 50er nur den Mittelfinger übrig. Dieser wird aber nicht direkt in die Kamera gehalten. Meist ist nur sehr unterschwellig zu spüren, dass man hier nicht mit dem zufrieden ist, was gerade im Land als Norm bezeichnet wird. Und genau diese unglaubliche Zurückgenommenheit ist auch das Problem: Das Drama will aufrütteln, lädt aber eher zum Einschlafen ein.