Emilia Schüle

   Film  Jugend ohne Gott    Veröffentlichung  31. August 2017    Regie  Alain Gsponer
Foto: Hella Wittenberg
 IMDb-Wertung
Foto: Hella Wittenberg

„Ich erträume mir Rollen“

Wie man so richtig abstürzt, kennt Emilia Schüle zum Glück nur aus Filmen. Genau genommen aus ihrem aktuellen Kinofilm Jugend ohne Gott. Darin spielt sie diejenige, die in einer dystopischen Leistungsgesellschaft auf der Seite der Loser ist. Als Gewinner wird man da nur geboren – keine Chance auf Hocharbeiten. Also wird sie gejagt und ihre Liebe und ihr Leben stehen auf dem Spiel.

Im Interview erzählt die Berlinerin von ihren Anfängen im Filmgeschäft, von der Entwicklung, die sie seitdem durchgemacht hat und von ihren Träumen.

Wie fing deine Liebe zum Film an?

Emilia Schüle: Das hat ein bisschen gedauert. Ich habe das Filmen gar nicht forciert. Meine erste Rolle habe ich eher durch Zufall bekommen und mich da ohne irgendetwas vom Drehen oder einem Filmset zu wissen, darauf eingelassen. Da war ich auch noch ganz geflasht, dass ich ein Mikrofon angeheftet bekam, über das man mich auch hören konnte. Aber ich kapierte zu der Zeit so Vieles noch gar nicht. Ich war naiv und wusste nicht, was Schauspielern eigentlich bedeutet. Aber ich blieb dabei und wurde quasi an Filmsets groß. Erst mit 16 Jahren entwickelte sich bei mir eine echte Faszination für Film, für Rollen, für die ständigen Veränderungen, die damit einhergehen. Dann fing ich an mir Rollen zu erträumen.

Was für Rollen waren das?

Das waren die Rollen, für die ich mich beworben hatte und die ich nicht bekam. Daraus entstand auf der einen Seite eine echte Frustration, aber auf der anderen Seite entfachte das auch ein Feuer in mir. Ich wusste plötzlich ganz genau, was ich wollte. Ich wollte Arthouse-Filme machen, in denen ich auch mal die Tochter eines Alkoholikers oder ein Mädchen mit Tourette-Syndrom spielen konnte. Aber das klappte lange Zeit nicht. Es passiert ganz schnell, dass man entweder in die Schublade „Independent/Arthouse“ oder „Mainstream-Filme“ gesteckt wird, vor allem, wenn man am Anfang steht. Mit Freche Mädchen kam ich natürlich in letztere. Ich musste erst noch beweisen, dass ich auch andere Rollen spielen kann. Tod den Hippies!! Es lebe der Punk war beispielsweise so ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. In dem Film durfte ich eine Heroinabhängige spielen. Es war so schön, dass man mir das zutraute.

Ist das Leben im Filmbusiness so wie du es dir früher vorgestellt hast?

Der Job ist nicht so glamourös, wie er vielleicht für Außenstehende aussieht. Es ist kein Zuckerschlecken. Lange Drehtage, manchmal auch unter extremen Bedingungen. Und ganz klar: Man ist am ersten Drehtag immer motivierter, als am 28., denn da stellt sich die Erschöpfung ein. In dem Moment würde es mir helfen, wenn ich schon mal was vom Film sehen könnte. Das würde mich daran erinnern, dass es sich lohnt, morgens um fünf Uhr in der Kälte mit dem Dreh zu beginnen. Aber generell bin ich schon sehr dankbar für die vielen Möglichkeiten, die mir mein Beruf bietet. Ich bin auch glücklich darüber, dass ich keinen Bürojob habe. Ich kann immer wieder etwas Neues ausprobieren.

Fühlst du dich selbstbewusst?

Ich fühle mich relativ angstfrei. Es ist von Vorteil, wenn man zum Beispiel auch mal offen sagen kann, dass man etwas nicht weiß. Für Schauspieler gehört es dazu, dass sie ständig neue Dinge lernen. Wer Angst davor hat, Fehler zu machen, der kommt auch nicht weiter im Leben. Ich finde, es gibt nie ein Richtig oder Falsch. Da sind nur verschiedene Wege, die man nehmen kann. Das gibt mir eine gewisse Selbstsicherheit. Ich mache mir wirklich keinen Kopf darüber, ob ich mal tollpatschig oder unwissend wirke.

Trotzdem ist man ja nicht vor dem Urteil der anderen gefeit – was ja auch in Jugend ohne Gott beständig mitschwingt.

Ja, wenn man mal genauer hinschaut, ist alles nicht so nett wie es scheint. Ich glaube, wir beschäftigen uns alle sehr viel mit anderen Menschen, aber auch mit uns selbst. Vor allem aber damit, was andere über uns denken. Man hätte es leichter, wenn einem das alles egal wäre. Also wenn man das ganze Nachdenken, über die eigene Wirkung, ausschalten und mal einfach nur egoistisch handeln würde. Nur im Bestreben ein guter Mensch zu sein, reflektiert man dann doch zu sehr, um einfach nur Sein zu können.

Dann kommt noch hinzu, dass dein Job immer wieder Interviewsituationen mit sich bringt, in denen du reflektieren und Stellung beziehen musst zu allen möglichen Dingen.

Das stimmt. Ich finde es manchmal auch anstrengend zu allem eine Meinung haben zu müssen. Da will ich dann am liebsten nur über den Film an sich sprechen. Aber das ist natürlich schwierig, denn so ein Film reflektiert immer bestimmte Emotionen, gesellschaftliche Missstände, unsere Existenz. Dadurch wird es auch stets eine Auseinandersetzung geben. Aber klar, ich will auch mal abschalten.

Wie kannst du das?

Ich bin am glücklichsten, wenn ich Zeit mit jemanden verbringen kann, den ich wirklich liebe. Wenn ich am Meer sein und dort einen Kaffee trinken kann. Da muss ich dann auch nicht weiter reflektieren. Wenn dann aber anstatt des Kaffees doch Rotwein ins Spiel kommt, sehen die Gedanken, die ich mir mache, auch noch mal ganz anders aus… (lacht)

Hier geht es zu unserer Review zu Jugend ohne Gott.

 

Video

 

Empfehlen

Rubrik  Interview    Autor      Datum  31. August 2017    Worte  831
Permalink  http://www.farbensportlich.de/emilia-schule/    Farbe  #fca15d
Farbensportlich.de ist das Magazin-Portfolio von Hella Wittenberg und David Streit. Seit 2006 präsentieren wir hier unsere Fotografie, stellen die neuesten Filme in Kino und Heimkino vor, führen Interviews mit Künstlern und mehr. Folge uns auf Facebook, Instagram oder auf Twitter, um keine Einträge mehr zu verpassen. Abonniere uns auch auf Tumblr und Pinterest für deine tägliche Inspirationsdosis. Bleib farbensportlich — Hella & David