Ein Sack voll Murmeln

Veröffentlichung  17. August 2017    Regie  Christian Duguay    Darsteller  Dorian Le Clech  Batyste Fleurial Palmieri  Patrick Bruel
Foto: Weltkino Filmverleih
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Foto: Weltkino Filmverleih

Zwei Brüder auf der Flucht quer durch Frankreich

1942 entscheidet sich eine jüdische Familie für die Flucht aus dem besetzten Paris. Doch aus Sicherheitsgründen müssen sie sich aufteilen. Jetzt sind die Jüngsten ganz auf sich allein gestellt.

Den einen Tag spielt man auf dem Schulhof noch mit den anderen Kindern, den anderen Tag gilt man schon als Ausgestoßener. Grund dafür sind die neuen Gesetze der Nazis, die alle Juden zum Tragen eines Judensterns zwingen. Mit diesem geraten Joseph (Dorian Le Clech) und Maurice (Batyste Fleurial Palmieri) aber sofort in Schwierigkeiten. Denn ihre Mitschüler geben ihnen die Schuld daran, dass ihr Leben so aus den Fugen gerät. Dabei können auch die beiden nichts dafür, dass es die Deutschen auf ihr Volk abgesehen haben. Nur müssen sie nun mit den Konsequenzen leben. Das Gleiche trifft auch für ihre Eltern (Patrick Bruel und Elsa Zylberstein), sowie ihre älteren Brüder zu. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion beschließt die Familie daher die Hauptstadt hinter sich zu lassen und nach Italien zu flüchten. Doch das würden sie alle niemals schaffen, wenn sie in so einer großen Gruppe reisen würden. Überall wird bereits nach Flüchtlingen Ausschau gehalten. Also entscheiden sich die Eltern dazu, dass es das Beste ist, wenn sie sich aufteilen. Und so machen sich Joseph und Maurice ganz allein auf den weiten Weg.

Das erste Mal getrennt von der Familie

Ohne die Fürsorge ihrer Eltern müssen sich die zwei Jungen ab sofort um sich selbst kümmern. Und wäre das nicht schon schlimm genug, lauern auch unterwegs überall Gefahren. Etwa wenn der Zug plötzlich hält und Soldaten darin Ausweiskontrollen durchführen. Oder wenn sie sich einen Schleuser suchen müssen, der sie über die bewachte Grenze bringt. Da stockt einem auch beim Zuschauen der Atem! Joseph und Maurice sind zwar oft mit den Kräften am Ende, aber sie schaffen es auch immer wieder etwas herumzualbern. So anstrengend die Flucht auch ist, so sehr genießen sie es viel Zeit miteinander zu verbringen und kurzzeitig ein Leben ohne Regeln und Pflichten zu haben. Und wer träumt nicht gerne von genau solchen, lockerleichten Momenten zwischen den vielen ernsten?

Basierend auf einer wahren Geschichte

Der Roman Ein Sack voll Murmeln von Joseph Jollo gehört in Frankreich zu einem der wichtigsten Werke der Nachkriegszeit. Die Geschichte hebt sich durch das unglaubliche Durchhaltevermögen und der überbordenden Kraft der Brüder hervor. Gleichzeitig ist auch häufig ihr naiver bis hinzu komplett verständnisloser Blick auf die Umwelt im Fokus. Politik spielt zu dieser Zeit eine elementare Rolle und doch wissen die Geschwister nicht, welchem Politiker sie nun zujubeln sollen und welchem nicht. Aber genau das macht die Erzählung so authentisch. Denn eigentlich möchten alle Erwachsenen die gesellschaftlichen Entwicklungen vor den beiden zurückhalten. Nur geht das überhaupt nicht, da ihre Realität von der Verfolgung der Juden natürlich genauso beeinflusst wird. Dieser Konflikt hebt die extrem emotionale Geschichte noch einmal auf eine ganz neue Ebene.

An eine normale Kindheit ist in Zeiten des Krieges leider nicht mehr zu denken. Der Film Ein Sack voll Murmeln von Christian Duguay trifft den richtigen Ton, weil er neben der Flucht auch kleine Glücksmomente glaubwürdig einfängt.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  17. August 2017    Worte  504
Permalink  http://www.farbensportlich.de/ein-sack-voll-murmeln/    Farbe  #768c96
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