In Ein riskanter Plan will sich der Häftling Nick Cassidy nach einem geglückten Gefängnisausbrauch von einem Hochhaus stürzen. Der Originaltitel “Man on a Ledge” verdeutlicht das Dilemma: Nick steht auf einem schmalen Vorsprung, den er durch ein Zimmerfenster im 20. Stockes eines New Yorker Hotels erreicht hat. Eine falsche Bewegung und er fällt. Die zuständige Polizeipsychologin und Expertin für Entführungen Lydia Mercer (Elizabeth Banks, 72 Stunden – The Next Three Days) versucht verzweifelt mehr über Nicks Beweggründe in Erfahrung zu bringen. Da die Polizei bei ihren Ermittlungen aber nur langsam hinter die Identität des vermeintlichen Selbstmörders steigt, wird bald klar, dass Nick einen größeren und gar gut durchdachten Plan verfolgt. Denn zunächst ist sein angekündigter Sprung vor allem eines: der Versuch Aufmerksamkeit zu erregen und zudem Zeit zu schinden. Angefeuert von den versammelten Menschenmassen, erregt Nick das Interesse der Öffentlichkeit. Fernsehsender berichten exklusiv vom Ort des Geschehens und schnell ist er das Thema der Stadt. Nicks Hauptmotiv: er will seine Unschuld beweisen. Denn er wird beschuldigt vor einigen Jahren den mächtigen Geschäftsmann und Immobilienhai David Endlander (Ed Harris, The Rock) bestohlen zu haben – was Nicks Meinung nach aber eine Lüge ist. Der durch die Finanz- und Immobilienkrise schwer in Mitleidenschaft geratene Englander behauptete dies der Mutmaßung zufolge, um eine hohe Versicherungssumme einzukassieren. So sind also zur selben Zeit und nur einen Block weiter Nicks jüngerer Bruder Joey (Jamie Bell, Der Adler der neunten Legion) und seine Freundin Angie (Genesis Rodriguez) damit beschäftigt den Millionär diesmal wirklich zu bestehlen, um somit Nicks Unschuld zu beweisen. Für alle Beteiligten, darunter auch für die korrupten Cops, die damals mit daran beteiligt waren den Raub ihrem Kollegen Cassidy anzuhängen, wird die Luft allmählich eng.
Ohne das Genre neu zu erfinden, erlebt man mit Ein riskanter Plan 102 spannende Minuten. In positiver Erinnerung an unterhaltsame Thriller wie Nicht auflegen! mit Colin Farrell oder Inside Man mit Clive Owen, schneidet sich Ein riskanter Plan ein bisschen von beiden ab. Dadurch wirkt er zuweilen etwas uninspiriert, bewahrt sich teils jedoch eine unterhaltsame Unberechenbarkeit. Gepaart mit einem spaßigen Unterton, bereiten vor allem die Szenen des Gespanns Bell–Rodriguez Freude, die ihre Beziehungskiste auch in brenzligen Situationen nicht abstellen können. Auf engstem Raum kann Hauptdarsteller Sam Worthington viel von seinen Qualitäten zeigen. Einzig die Rolle der Elizabeth Banks als Gesprächsexpertin bleibt unausgereift, da die Ereignisse auch ohne ihr Mitwirken weitestgehend unverändert ablaufen würden. Dies sollte aber für das allgemein spannende Film-Vergnügen kein allzu hinderliches Manko sein!