Ein Lied für Nour

Veröffentlichung  01. Dezember 2016    Regie  Hany Abu-Assad    Darsteller  Tawfeek Bahom  Ahmed Al Rokh  Hiba Attalah  Kais Attalah
Foto: Koch Media
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Der Traum von den großen Bühnen dieser Welt

Wir alle kennen Einspieler über die Herkunft von Castingshow-Teilnehmern –emotional und klischeehaft. Hier geht es um genau so eine Geschichte. Nur authentischer und über längere Zeit erzählt.

Das Leben in Gaza-Stadt ist bestimmt von Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Für das Wohlbefinden gründen die Kids Mohammed (Tawfeek Barhom), seine große Schwester Nour (Kais Attalah / Hiba Attalah) und ein paar Freunde 2005 eine Band. Das Geld für Instrumente verdienen sie sich mühsam auf der Straße und bei den ersten Auftritten auf Familienfeiern und Hochzeiten wird klar, dass sie so schnell nichts anderes mehr machen wollen. Ihr Glück: Mohammeds außergewöhnliche Stimme lässt jedes Publikum über das Alter der Band hinwegsehen. Doch ein Nierenschaden fesselt Nour wenig später an das Krankenbett. Mohammed muss ihr versprechen sein Talent nicht zu vergeuden und zur Not auch ohne sie an seiner Seite weiterzumachen. Die Jahre ziehen ins Land und Mohammed träumt noch immer von der großen Musikerkarriere. Als er 2012 von der Castingshow „Arab Idol“ hört, setzt er alles daran zum Vorsingen nach Kairo zu gelangen. Zwischen ihm und der Bühne steht allerdings eine streng bewachte Grenze, deren Überquerung ohne entsprechende Papiere so gut wie unmöglich ist.

Basierend auf wahren Ereignissen

Während sich RTL & Co. über die Kandidaten von „Deutschland sucht den Superstar“ und den entsprechenden Ablegern fast nur noch lustig machen, scheint die Teilnahme an „Arab Idol“ für Mohammed Assaf tatsächlich der einzige Ausweg aus seinem tristen Alltag zu sein. Seine Geschichte wird über eine ganze Dekade erzählt und verdeutlicht dadurch, dass das Ausleben seines Traumes alles andere als selbstverständlich ist. Mohammeds Teilnahme an dem Gesangswettbewerb wurde für viele Einwohner des besetzten Gazastreifens zu einem Hoffnungsschimmer, dass auch sie über den gesellschaftlichen Umständen stehen und ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Er wurde zur Stimme eines ganzen Volkes. Und vom Hilfswerk der Vereinten Nationen 2013 sogar zum Sonderbotschafter für Palästina-Flüchtlinge ernannt.

Geschichte über den Willen zu überleben

Regisseur Hany Abu-Assad (Paradise Now, Omar) versteht sein Handwerk. In den Mittelpunkt seines Filmes stellt er nicht nur einen talentierten Jungen, sondern eine ganze Gesellschaft, die durch Revolutionen, Bürgerkriege und Extremismus an den Rand gedrängt wurde. Ein Lied für Nour braucht nun aber keinen erhobenen Zeigefinger, um auf Missstände zu deuten. Die werden nur allzu deutlich, wenn wir Mohammed über die Jahre begleiten. Seine Schwester wird auf der Bühne etwa hinter einem Plakat versteckt, um nicht zu sehr aufzufallen. Und ihre medizinische Versorgung leidet sehr unter dem geringen Einkommen ihrer Eltern, die sich weder die Medikamente, geschweige denn ein Spenderorgan leisten können. Über all den Rückschlägen stehen jedoch feste Freundschaften und die Kraft der Musik, die das Leben überall auf der Welt gleichermaßen bereichern.

Wenn du nicht an dich glaubst, tut es auch kein anderer: Ein Lied für Nour begleitet den Weg eines Ausnahmetalents, der allen Widrigkeiten trotzt und für die Teilnahme am „Arab Idol“ über sich selbst hinauswächst. Ein Film mit einer guten Message.