Dua Lipa

Veröffentlichung  Sommer 2016
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Dua Lipa hat bereits einen kleinen Promo-Marathon hinter sich. Zunächst spielte die Londonerin im Zentrum Berlins ein Showcase vor geladenem Publikum, am Tag darauf redete sie sich in Interviews den Mund fusselig – doch von Nervosität und schwachen Nerven keine Spur. Die 19-Jährige erweckt den Eindruck reflektierter, weitsichtiger, zurückgelehnter zu sein als man es von Kids in ihrem Alter erwartet. Auch die Stimme der modernen Pop-Diva, dieses tiefe, sinnliche Stück Schleifpapier, ist kein bisschen schubladengerecht. Dass das sogleich Produzenten wie Emile Haynie (Bruno Mars), Rodney Jerkins (Destiny’s Child), Andrew Wyatt (Miike Snow) und das Management von Lana Del Rey auf den Plan rief, verwundert wenig. Der PR-Exzess scheint also gar nicht mal schlecht eingefädelt in Anbetracht der Tatsache, dass Dua Lipa wohl kaum noch eine ruhige Minute bleiben wird, sobald sie ihr Debüt (VÖ-Termin voraussichtlich im Sommer) draußen hat. Übung macht bekanntlich Meister.

Du hast gerade hinter deinen ersten großen Auftritt mit Band ein Häkchen setzen können. Lief alles so wie von dir gewünscht?

Dua Lipa: Als ich die Bühne betrat, hat endlich alles Sinn ergeben. Jeder hat getanzt, die Atmosphäre war super. Ich hatte die beste Zeit meines Lebens! Hoffentlich kann ich bald wieder in Berlin spielen.

Du reist ganz gerne, oder?

Jedes Land ist eine andere Inspirationsquelle. Für die Arbeit an meinem Album bin ich zum Beispiel schon von London nach New York und Los Angeles geflogen. Ich wünsche mir in Zukunft noch viel mehr reisen zu können – auch an Orte, die ich vorher noch nie besucht habe. Speziell in Europa gibt es so viel zu entdecken – ich möchte unbedingt mehr von Deutschland und auch von Italien sehen.

Du wolltest schon immer Sängerin werden. Gab es dazu gar keine Alternative?

Einen Plan B wollte ich nie haben. Ich dachte, in der Sekunde, in der ich das hätte, würde ich mich darauf stützen. Wenn ich aber sage, ich mache Musik oder gar nichts, pushe ich mich damit selbst. Ich will dadurch umso mehr singen und arbeite härter.

Neben vielen weiteren namhaften Produzenten hast du auch mit Andrew Wyatt gemeinsame Sache gemacht. Wie würdest du die Zusammenarbeit beschreiben?

Wir sind mittlerweile gute Freunde. Mit ihm habe ich immer Spaß, wir lachen viel. Ich kann ihn echt nicht ernst nehmen, aber er mich auch nicht. Wir fühlen uns einfach nur wohl miteinander, was mir insgesamt bei der Arbeit an meiner Musik wichtig ist. Schließlich muss ich mich meinem Gegenüber komplett öffnen können. Ich gehe gern offen mit meinen Gefühlen um. Nur so kommt bei der Kollaboration etwas Sinnvolles zustande. In meiner Musik bin ich auch sehr ehrlich. Denn durch das Schreiben kann ich mehr über mich und die Situation lernen, in der ich mich in dem Moment befinde. Das hat schon was Therapeutisches. In jedem Fall finde ich es toll, dass Andrew und ich das Gleiche erreichen wollen. Wenn ich mit einer Song-Idee zu ihm komme, setzt er sich sofort mit mir daran und wir machen was Gutes daraus. Er hat mir viel über seine Schreibtechnik beigebracht. Ich finde so einen konstanten Ausstauch toll.

Bitte erzähl mir von deinem Lehrer, der dich nicht im Chor singen ließ.

Ach, das war noch in der Grundschule und seine Erklärung lautete, ich könne nicht die hohen Töne treffen. Ich habe nun mal eine ziemlich tiefe Stimme, was soll ich also machen? Ich bin dann auf die Theaterschule gegangen und da sagte man mir, ich könne sehr wohl singen. Das half mir neues Selbstbewusstsein aufzubauen und den Ärger über die Worte meines alten Musiklehrers zu vergessen. Ich will mich nicht mehr runtermachen lassen, sondern lieber stolz auf das sein, was ich tue.

Dein Song „New Love“ wurde in kürzester Zeit zum YouTube-Hit. Was machen so hohe Klick-Zahlen mit dir?

Wenn ich darauf schaue, werde ich ganz aufgeregt. Jegliches Feedback gibt mir Selbstsicherheit. Die sozialen Medien haben mich generell sehr weit gebracht. Ich pflege immer noch gern den Kontakt zu Menschen, die an meiner Musik interessiert sind. Mittlerweile wird mir sogar gesagt, man sei Fan von mir. Das ist schon der Wahnsinn, scheinbar bin ich den Leuten echt nicht egal. Wenn sie mich bitten bald auch in ihrer Stadt zu spielen, lässt mich das wie die Tollste auf der Welt fühlen.

Hast du auch mal Zeit zum Entspannen, zum Kindsein?

Ich habe das Gefühl, ich bin schon sehr früh erwachsen geworden, was wohl daran liegt, dass ich eine hohe Arbeitsmoral habe. Ich will jetzt nicht Relaxen, davon hatte ich genug. Es soll bloß nicht plötzlich aufhören, ich möchte weiter so beschäftigt sein. Außerdem finde ich, im Augenblick ist die beste Zeit für Frauen im Musikbusiness. Wir stehen für uns und einander ein, sprechen laut aus, wenn uns etwas stört und dadurch hat sich für uns so vieles zum Besseren gewandt.

Du scheinst das Ziel klar vor Augen zu haben. So muss man wohl sein, wenn man wie du mit fünfzehn Jahren entscheidet, alleine in London zu leben, während die Eltern zurück in den Kosovo ziehen.

Diese Entscheidung hat mir viel gebracht! Erst hieß es jedoch, ich nehme mir ein Jahr Auszeit und schaue wo es hingeht. Aber als die zwölf Monate vorbei waren, wollte ich weitermachen. Meine Eltern haben das zum Glück unterstützt. Mein Vater war auch Musiker, weshalb er nachvollziehen kann wie wichtig es für mich ist zu singen. Außerdem hat er mir selbst die Musik näher gebracht – unter anderem mithilfe von David Bowie, The Police und Radiohead. Wenn er mich zur Schule fuhr, liefen ständig die Stereophonics. Naja, und zu Konzerten schleppte er mich auch öfter.

Kannst du dich an Gigs mit ihm erinnern?

Ich war da noch so jung, dass ich mich kaum erinnere. Zu meinem ersten richtigen Konzert ging ich mit fünfzehn. Und das war Method Man & Redman. Meine Freunde und ich haben die total gefeiert. Highlights, die danach kamen waren auf jeden Fall 50 Cent, Snoop Dogg und J. Cole.

Noch einmal zu „New Love“: In dem Lied geht es ja eigentlich darum, dass du auf der Suche nach deinem Platz im Musikbusiness ist. Nun ist der Song nicht mehr der allerneueste – würdest du sagen, du hast inzwischen das richtige Plätzchen für dich gefunden?

Es handelt sich eher um einen andauernden Prozess. Denn wenn man beständig hart arbeitet, gibt es für jeden eine Nische in dieser Industrie, auch wenn man zunächst das Gefühl bekommt, es wären längst zu viele da. In jedem Fall fühle ich mich mittlerweile akzeptiert. Als ich früher in London erzählte, dass ich Sängerin bin, wollten die Leute logischerweise was von mir hören – aber ich hatte noch nichts veröffentlicht. Das war peinlich! Nun habe ich endlich Songs aufgenommen und ich hoffe, dass im Sommer 2016 ein ganzes Album folgen wird. Ich will mehr von dem, was ich letzte Nacht auf der Bühne erlebt habe. In der ersten Reihe sangen Leute meine Songs mit! Das war immer mein Ziel, Leute sollten sich in meiner Musik wiederfinden können, und gleichzeitig hat sich das nun total surreal angefühlt.