Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung

Veröffentlichung  26. August 2016    Regie  Kenneth Kainz    Darsteller  Rebecca Emilie Sattrup  Jakob Oftebro  Peter Plaugborg
Foto: Polyband
 IMDb-Wertung
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Mittelalterliches Katz-und-Maus-Spiel

Wieder findet eine Jugendroman-Reihe ihren Weg auf die Leinwand. Wie bei Hunger Games, Twilight und Divergent muss eine Teenagerin quasi im Alleingang das Gute über das Böse siegen lassen. Also nur ein Abklatsch? Im Gegenteil!

Dänemark, im Mittelalter: Dina (Rebecca Emilie Sattrup) ist kein normales Mädchen. Wie ihre Mutter Melussina (Maria Bonnevie) ist sie mit einer außergewöhnlichen Gabe geboren worden, die es ihr ermöglicht in die Seele eines Menschen zu blicken. Wenn Dina tief in ihr Gegenüber hineinschaut, fühlt sich dieser mit all den Dingen konfrontiert, für die er sich schämt. Doch wer mag es schon an die eigenen, schlechtesten Eigenschaften und Taten erinnert zu werden? Genau aus diesem Grund ist Dina ziemlich unbeliebt und kaum einer möchte sich mit ihr abgeben. Aber so richtig schlimm wird es erst für sie als ihre Mutter im Königshaus gefangen genommen wird. Dort war sie hinzitiert worden, um in die Seele des Prinzen Nicodemus (Jakob Oftebro) zu schauen, der gleich mehrere Morde begangen haben soll. Als sie auf die Unschuld des Mannes pocht, will man sie nicht mehr gehen lassen – und schnell wird deutlich, dass diese schrecklichen Entwicklungen allesamt dem Machtkampf von Nicodemus’ Cousin Drakan (Peter Plaugborg) ausgehen. Allein Dina scheint mithilfe ihrer besonderen Fähigkeit in der Lage zu sein die Mutter zu retten und das Böse, was von Drakan ausgeht, abzuwenden.

Da geht noch was!

Im Dänischen heißt das Fantasy-Werk Skammerens Datter (genau übersetzt „Die Tochter der Beschämerin“) – dort wie hier bildet es den Auftakt für eine insgesamt vierteilige Saga. Ein großes Problem, was allen Young-Adult-Reihen (also Hunger Games, Twilight oder auch Maze Runner) anhängt, ist der Cliffhanger. Da wird man in eine Geschichte mit hineingerissen, in der immer neue Ungereimtheiten auftreten, und am Ende bekommt man mit hoher Wahrscheinlichkeit nur auf einen Bruchteil der aufgeworfenen Fragen auch eine Antwort. Schließlich wünscht sich das Studio, dass auch der nächste Teil ein Erfolg wird – und dieser lässt sich nun mal nur in Besucherzahlen messen. Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung erweist sich nicht als Ausnahme: Hier wird angefüttert, wo es geht. Doch am Ende ist man noch lange nicht satt. Gibt es neben Dina und ihrer Mutter noch mehr Menschen mit dieser Gabe? Wo ist eigentlich der Papa der Familie abgeblieben? Und zu guter Letzt fehlen noch viele, große und kleine Puzzle-Teile, um die zwielichtige Figur Drakan zu erörtern. Es ist also mehr als deutlich: Diese Romanverfilmung ist spannend erzählt, aber die Vorstellung nun wieder ein ganzes Weilchen auf den nächsten Teil warten zu müssen, zerrt an den Nerven.

Kleine Story, große Wirkung

Trotz der zuvor genannten Cliffhanger-Problematik ist Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung nicht wie andere Jugendroman-Verfilmungen. Schon bei den geringen Produktionskosten macht sich dies bemerkbar. Mit umgerechnet rund acht Millionen Euro hat es Regisseur Kenneth Kainz geschafft eine malerische, wenn auch ziemlich unheilvoll wirkende Landschaft zu kreieren. Selbst die Gewänder der Darsteller halten dem Mittelalter-Prüftest allemal stand. Drachen und Echsen sind ebenfalls absolut solide animiert. Die Story des ersten Parts ist relativ klein gehalten, was vielleicht auch ein wenig auf das schmale Budget zurückzuführen ist. In jedem Fall scheint es dadurch umso leichter sich in Dinas Welt und ihre Situation hineinzufühlen. Nichts lenkt von ihr ab. Und Dinas Charakter, der in der Buchvorlage von Bestsellerautorin Lene Kaaberbøl bereits so vielschichtig niedergeschrieben wurde, stellt sich auch in dem gut anderthalbstündigen Film facettenreich dar. Das junge Mädchen nimmt nie nur eine Seite ein – sie ist nicht allein Opfer, genauso wenig wie Kriegerin. Es kann noch sehr interessant werden in den Fortsetzungen ihre Entwicklung mitzuerleben.

Hollywood hält sich bei dem Blick auf das niedrige Budget wahrscheinlich den Bauch vor Lachen, aber Tatsache ist: Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung erweist sich als dänische Kampfansage an die Traumfabrik in den Vereinigten Staaten. Regisseur Kenneth Kainz weiß aus der Romanvorlage gekonnt eine selbst visuell funktionierende Spannungskurve aufzubauen. Die Figuren gehen allesamt weit unter die Oberfläche, weshalb nicht nur das Katz-und-Maus-Spiel der Mittelalter-Geschichte ein Erlebnis beim Zuschauen ist, sondern eben auch die Erkundung der vielen Nuancierungen der Protagonisten.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  28. August 2016    Worte  665
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